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freizeit Leben, Liebe & Sex
05/10/2020

Warum unsere Sehnsucht nach Blumen so groß wie nie zuvor ist

Blumen machen glücklich, verbinden uns mit der Natur und haben die Kraft, uns auch in schwierigen Zeiten ein Lächeln auf die Lippen zu zaubern.

von Elisabeth Mittendorfer

Wo man derzeit auch hinblickt: Allerorts offenbaren Blumen die Fülle und Strahlkraft der Natur. Doch sie sind auch zu einem Kultobjekt für Künstler, Modeschöpfer und Designer geworden. Daher zieht uns die bunte Pracht nicht nur in Wäldern, Gärten, auf Wiesen oder Balkonen in ihren Bann, – auch in Kunst, Mode und Interior blüht und sprießt es.

Eingeläutet wurde die blumige Ära vom belgischen Designer Raf Simons, als er 2012 bei seiner ersten Couture-Show für Dior eine Million Blüten an die Wände heften beziehungsweise ganze Räume damit überziehen ließ. Sogar die knallharte Vogue-Chefin Anna Wintour soll sich zu einem bewundernden „Ist das nicht großartig?“ hinreißen haben lassen. Seither sind überdimensionale Blumen- und Pflanzeninstallationen von Red-Carpet- und Lifestyle-Events nicht mehr wegzudenken. Die Arrangements sollen nicht nur die Sinne erfreuen, sondern haben sich auch als besonders Instagram-taugliche Kulisse erwiesen.

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Die Plattform hat maßgeblich zum Blumen-Boom beigetragen: „Floral Stylists“ und „Floral Designer“ – wie die neue Floristen-Generation genannt wird – aus aller Welt präsentieren dort ihre kunstvollen Blumenwerke und erreichen so ein internationales Publikum. Einer der beliebtesten Flower-Accounts mit über 291.000 Fans ist jener der New Yorker Blumenboutique Putnam & Putnam. Die floralen Kreationen des Pärchens Mike und Darroch Putnam schätzen Blumenliebhaber nicht nur zu Hause, sie zieren unter anderem auch Fotostrecken von Dior oder Cartier. Genau wie Mike und Darroch Putnam, die – bevor sie den floralen Weg beschritten – als Fotograf und Interior-Designer tätig waren, sind auch viele andere erfolgreiche Blumen-Stylisten Quereinsteiger.

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Ästhetik vor Technik

Eine von ihnen ist die Spanierin Violeta Gladstone, die in Barcelona ein Blumenstudio betreibt. Nachdem sie 15 Jahre lang als Grafikerin gearbeitet hatte, begann sie eine Ausbildung zur Floristin. Obwohl sie diese abbrach, entschied sie sich für die Selbstständigkeit als Blumen-Stylistin. Auf welche Art und Weise das Blumenhandwerk bei der traditionellen Ausbildung vermittelt wurde, entsprach nicht ihren Vorstellungen. „Die Technik stand über der Ästhetik“, sagt Gladstone, für die Zweiteres Priorität hat.

Arbeiten von Violeta Gladstone:

Besonders wichtig ist der Blumen-Stylistin Violeta Gladstone der künstlerische Anspruch an ihre Arbeit. Darum setzt sie immer wieder auch Projekte um, die sie „für sich“ macht, wie sie sagt (hier im Bild „Visions“).

Die Stylistin Violeta Gladstone kann mit traditionellen Blumenarrangements nicht viel anfangen und hat einen eigenen minimalistischen Stil entwickelt.

Das Projekt und „Once Upon A Time“

Der Stil ihrer Blumenarrangements ist minimalistisch, naturnah und skulptural. Ein Zugang, der in Spaniens Blumengeschäften selten sei, auf Instagram hingegen ist er tonangebend. Für Gladstone steht außer Frage, dass die App nicht nur zu einer neuen Ästhetik bei Blumen und Pflanzen beigetragen, sondern auch das Griss um sie befeuert hat – speziell bei jungen Menschen.

Eine Entwicklung, die auch hierzulande nicht haltmacht, wie Emil Doll, stellvertretender Geschäftsführer des Wiener Blumengeschäfts „Doll’s“ weiß. „Der Einfluss der sozialen Medien ist enorm. Wenn ,Plantfluencer’ eine bestimmte Blume oder Pflanze posten, kommen die Leute ins Geschäft und fragen danach“, sagt der 24-Jährige. Ursprünglich hatte der Absolvent einer Tourismusfachschule nicht geplant, in das Blumengeschäft seiner Eltern einzusteigen, das sie seit 26 Jahren betreiben. Doch die Neugier und ein verhindertes Studium der Unternehmensführung brachten ihn schließlich auf den Geschmack.

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Besonders erfolgreich bei jungen Leuten ist seine Aktion „Bundweise“. Dabei können sich Blumenliebhaber im Internet ungeputzte und ungebundene Blumen bestellen und direkt nach Hause liefern lassen. Das heißt, die Blätter müssen selbst entfernt und die Stiele angeschnitten werden, bevor es dann an einem selbst liegt, wie man die Blumen arrangiert. „Auf diese Art und Weise entsteht eine ganz neue Verbundenheit zu Blumen“, sagt Doll, der Do-it-yourself als einen großen Trend sieht.

Stylistin Gladstone sieht die Bedeutung von Blumen in unserer Gesellschaft generell im Wandel: „Sie werden nicht länger als reine Deko-Objekte gesehen. In der Vergangenheit sind Blumen immer für einen bestimmten Zweck verwendet worden, aber langsam werden sie als eigenständiges künstlerisches Medium anerkannt.“ Blumen seien außerdem nicht länger hauptsächlich ein Mitbringsel für andere: „In vielen Ländern wie auch in Spanien ist es nicht üblich, für sich selbst Blumen zu kaufen. Doch das ändert sich gerade“, sagt Gladstone. Auch regionale Blumen würden immer stärker nachgefragt. Seit viele Menschen aufgrund von Corona mehr Zeit zu Hause verbringen sogar viel mehr, als das Angebot hergibt.

Blumen werden nicht länger als reine Deko-Objekte gesehen, sondern entwickeln sich zu einem eigenständigen künstlerischen Medium, das eine Geschichte erzählt.

Violeta Gladstone

Dass Blumen Seelentröster sind, weiß auch die niederländische Trendforscherin Lidewji Edelkoort. „Gerade in politisch schwierigen Zeiten vermitteln Blumen Halt und Zuversicht“, sagte sie in der Welt in Bezug auf die Finanzkrise 2008. Edelkoort prognostizierte 2019 bei ihrer halbjährlichen Trendpräsentation „Grün“ als den nächsten Megatrend. Gemeint ist damit nicht nur die Farbe, sondern ein Lebensstil, der von pflanzenbasierter Ernährung bis hin zum Hype um Zimmerpflanzen reicht. Doch Blumen werden nicht nur in Krisenzeiten geschätzt: Die ersten wurden vor 5.000 Jahren kultiviert; mit keinem geringeren Zweck, als sich an ihnen zu erfreuen. Für Künstler sind sie seit jeher Quelle der Inspiration, man denke an Vincent van Goghs ikonische Sonnenblumen oder Claude Monets Seerosen. Daran hat sich bis heute nichts geändert: Neben Floristen sorgen auch die Werke von Blumenkünstlern für Aufmerksamkeit.

Vergängliche Schönheit

Die großflächigen floralen Installationen und Skulpturen der Künstlerin Rebecca Louise Law etwa sind weltweit in Ausstellungen zu sehen. Die Britin wird jedoch auch für Auftragsarbeiten gebucht, zum Beispiel für Hermès oder Tiffany. Immer aber steht das Spiel mit der Beziehung zwischen Mensch und Natur im Fokus. Für ihre Installationen befestigt Law Schnittblumen an Kupferdrähten und hängt sie mit dem Kopf nach unten auf. Im Laufe der Ausstellung trocknen die Blumen dann langsam, wodurch der Prozess der Vergänglichkeit anschaulich wird. Dieser ist für Law auch das Geheimnis der Anziehungskraft von Blumen: „Sie bringen uns zurück zur Natur und dazu, in der Gegenwart zu leben. Sie verkörpern die Symbolik von Leben, Tod, der Erde und vergänglicher Schönheit.“ Die verblühten Exponate werden später von Law konserviert und zu anderen Kunstwerken weiterverarbeitet.

Rebecca Louise Law:

Die Britin Rebecca Louise Law macht Kunst mit Blumen

Installationskunst gibt Rebecca Law eine „unglaubliche Freiheit, Kunst auf eine physische Art und Weise auszudrücken“

Auch für den Illustrationskünstler Edgar Artis sind Blumen seine „große Inspiration“. Der 25-jährige Armenier veröffentlicht seit 2015 auf seinem Instagram-Account Zeichnungen von Kleidern aus Salatblättern, Limetten – und Blumen, die er als sein Lieblingsmaterial bezeichnet (siehe Cover). „Blumen nehmen die Formen meiner Designs an und erwecken meine Kunst zum Leben. Durch ihre Farben und Texturen kann ich meine Fantasie zum Ausdruck bringen und sie mit meinen Followern teilen.“ Über 733.000 Menschen folgen Artis bereits auf Instagram.

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Seine künstlerischen Aktivitäten dort waren es auch, die Personen der „International Fashion Academy“ in Paris auf ihn aufmerksam machten und ihm ein Stipendium einbrachten. Die Kraft der Blumen, so Artis, sollte man nicht unterschätzen: „Blumen verbinden uns mit der Natur, an der es meiner Meinung nach in unserer Gesellschaft fehlt, besonders in großen Städten, in denen Menschen oft sehr gestresst sind. Blumen beruhigen uns und zaubern uns ein Lächeln auf unsere Gesichter.“

Eine Beobachtung, die auch der Wiener Florist Doll teilt. „Vor allem, wenn man in der Stadt wohnt, ist es wichtig, sich ein Stückchen Natur in die eigenen vier Wände zu holen, damit man etwas hat, worauf man sich freut, wenn man nach Hause kommt. Denn Blumen sind, auch wenn es kitschig klingt, das Lächeln von Mutter Erde.“

Welche Botschaft einzelne Blumen aussenden:

Rose: Rot: Liebe und Leidenschaft; schlichtes Rosa: Schönheit, Jugend, Beginn einer Liebe; Weiß: unausgesprochene Liebe; Gelb: Freundschaft und Dankbarkeit; Blau: Unerreichbarkeit, geheimnisvolle Romantik; Die Pfingstrose steht für Reichtum, Glück und Gesundheit

Löwenmaul: steht für das Bewahren von Geheimnissen; ein besonderes Geschenk für eine Person, der man sich anvertrauen kann

Schwertlilie: Symbol für Kreativität, Energie und Beständigkeit;  Zeichen für Treue

Hortensie: verkörpert Hochachtung, Schönheit, Bewunderung  und Eitelkeit

Rittersporn: Ausdruck von Wahrhaftigkeit und Schutz sowie enge Verbundenheit in der Liebe

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