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freizeit Leben, Liebe & Sex
06/13/2021

Väterkarenz ist nicht alles - Papa zeigt sich gern mit Kind

Männer werden im Leben von Kindern sichtbarer. Wie sie mehr Verantwortung übernehmen und damit für ein neues Rollenbild der neuen Papas stehen.

von Laila Docekal

Während ich im Büro sitze und diese Zeilen schreibe, liegt mein Kleinkind mit Schnupfen und Husten krank daheim. Ich muss als Mama kein schlechtes Gewissen haben – meine Tochter ist bei ihrem Vater in mindestens genauso guten Händen. Er nimmt sie in den Arm, putzt ihr die Nase, liest ihr aus Büchern vor und bringt sie zum Arzt.

Und auch, wenn er im Gegensatz zu mir Vollzeit arbeitet, hing die Frage, wer von uns sich einen Pflegetag nimmt, nicht daran, wer mehr Geld nach Hause bringt oder an einer Wertung, wessen Job jetzt wichtiger ist. Es ist eine Frage der Möglichkeiten und der Einteilung. Wer kann sich gerade besser für unser Kind freispielen? Das zählt und sonst nichts.

Diese Dinge können selbstverständlich sein – wenn man das will, daran arbeitet und es zulässt. Als Paar, als Vater, aber auch als Mutter. Klar, es gibt noch immer die Erzeuger, die keine Ahnung haben, wie der Lehrer oder die beste Freundin ihres Sprösslings heißt und sich nicht sonderlich dafür interessieren. Auch der soziale und kulturelle Hintergrund spielt oft eine Rolle; die Entscheidung, wie stark Mann Teil des Lebens seiner Kinder sein will, liegt bei jedem selbst.

Vollblutväter am Vormarsch

Vor Kindergärten und Schulen oder auf Spielplätzen sind Männer noch lange nicht in der Überzahl, aber auch keine Exoten mehr, die extra gelobt werden müssen, weil sie sich um die Alltagsbedürfnisse ihrer Kinder kümmern. „So süß, dass der Papa das macht“, hört man nur noch selten. Auch in Kinderbüchern fällt auf, dass die Papas öfter tragende Rollen bekommen. Die sogenannte Mental Load der täglichen Erledigungen für die Kleinen – vom Nägelschneiden bis zum Elterngespräch in der Schule – liegt noch immer überwiegend bei den Frauen, doch die Männer trauen sich langsam in das Terrain.

Während der wichtigste Vater früher derjenige war, der am längsten gearbeitet hat, um Geld für die Familie zu scheffeln, macht den heutigen Superpapa aus, dass er sich die meiste Zeit für seinen Nachwuchs freischaufelt. Zeit für die Familie zu haben, ist zum neuen Statussymbol avanciert.

Die Väterkarenz kann dabei den Grundstein für dieses neue Rollenbild legen. Muss sie aber nicht. Ja, die Möglichkeit sollte grundsätzlich viel mehr genutzt werden (und vor allem viel öfter ohne, dass die Frauen auch noch zu Hause sind). Ja, Väterkarenz sollte von Unternehmen mehr unterstützt werden (genauso wie in Teilzeit arbeitende Mütter und Väter keine Karriereeinbußen fürchten sollten). Die Väterkarenz kann aber nicht das einzige Totschlagargument sein, wenn es darum geht, Väter in die Pflicht zu nehmen.

Papakarenz ist nicht alles

Mehr Verantwortung für ein Kind zu übernehmen und mehr an seinem Leben teilzuhaben, geht weit über diese Anfangszeit hinaus. Früher haben Männer gerne einmal länger gearbeitet, um sich den Abendstress mit den Kindern zu ersparen. Im Gegensatz dazu winkt der moderne Papa gerne mal ab, wenns um’s Afterwork-Bier mit Kollegen geht: „Tut mir leid, ich will meine Tochter noch sehen und sie ins Bett bringen.“ Heute erntet Mann für so einen Satz Verständnis.

Damit das funktioniert, braucht es aber ein Umfeld, in dem der Vater sich mit seinen Vorstellungen seiner Beziehung zum Kind entfalten kann. Und darf. Da sind auch die Mütter gefragt. Stichwort: Zulassen.

Mein Kind in den Schlaf zu kuscheln, kann wunderschön sein – wenn es aber nur mit mir geht, wird’s für meinen Mann schwierig, eigene Rituale mit unserem Kind zu schaffen. Nur wer loslässt und den Raum für den Vater öffnet, kann erwarten, dass dieser mehr Aufgaben übernimmt. Und auch wenn es dann manchmal weh tut, dass das Kindchen lieber mit Papa schlafen gehen will als mit mir: Während die beiden ihre gemeinsame Zeit genießen und im Zimmer blödeln, kann ich die Füße hochlegen und die Ruhe genießen.

Nicht zuletzt zeigen seit Jahren schon Promi-Väter von David Beckham bis Chris Hemsworth vor, dass ihre Männlichkeit keinen Kratzer abbekommt, wenn sie ihre Kinder am Arm tragen oder lustige Fotos von gemeinsamen Aktivitäten posten. Ganz im Gegenteil, es macht sie nur liebenswerter. Nicht nur für die Kinder, sondern auch für ihre Frauen.

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