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Fastenzeit
02/15/2021

Trotz Lockdown bleibt der Fasten-Boom ungebrochen

Die Fastenzeit wird noch immer mit Verzicht verbunden. Obwohl wir schon seit Monaten pandemiebedingt auf vieles verzichten, macht Reduktion jetzt Sinn.

von Ingrid Teufl

Keine Schokolade, kein Alkohol oder keine sozialen Medien: Die Fastenzeit zwischen Aschermittwoch und Ostern ist für viele ein Impuls, sich alljährlich einzuschränken. Wenn der Verzicht aber in der Pandemie seit Monaten behördlich verordnet wird – muss man dann jetzt noch selbgewählt 40 Tage lang auf noch mehr Dinge oder Genüsse des Alltags verzichten?

Für viele Menschen ist das trotz Lockdown einThema. Allerdings unter etwas anderen Vorzeichen. „Es geht zwar um Verzicht, aber auch um Reduktion. Und das wird als eine Form des Wohlbefindens gesehen, die Raum für sich gibt“, sagt Elke Müller.

Die Geschäftsführerin des Kurhauses Marienkron im Burgenland kann sich nicht über eine Pandemie-Flaute beklagen. „Wir bemerken eine starke Sehnsucht nach Erholung. Nicht im Sinne etwas erleben zu wollen, sondern um aufzutanken.“ Offenbar haben bei vielen die Herausforderungen der Lockdown-Zeit die Nerven angespannt: „Auch wenn es im Außen scheinbar ruhiger ist, im Inneren läuft vieles auf Hochtouren und sorgt für Stress.“

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Abnehmen bleibt eine Motivation

Der Wunsch abzunehmen ist allerdings noch immer der Beweggrund Nummer Eins für eine Fastenkur. Laut der Marienkroner Fastenumfrage 2021 steht bei sechs von zehn ÖsterreicherInnen beim Fasten der Gewichtsverlust im Vordergrund. Im Vergleich zum Vorjahr (30 Prozent) hat sich dies auf 60 Prozent verdoppelt. Jeder Fünfte nutzt es ganz bewusst „zur Gesundheitsvorsorge“, jeder Siebte will durch den bewussten Verzicht die Immunabwehr steigern.

Die Fastenzeit gilt als beliebteste Zeit für eine bewusste Reduktion. Das kommt nicht von ungefähr. Abseits religiöser Traditionen ist der Übergang zwischen Winter und Frühling ein guter Zeitpunkt, um eine Verhaltensveränderung zu starten. Als Kurhaus habe man den Vorteil, unter strengen Auflagen offenhalten zu dürfen und Auszeit-Willige vor Ort begleiten zu können, betont Müller.

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Fasten via Zoom-Meeting

Im Gegenzug hat sich das Angebot der Online-Begleitungen heuer vervielfacht. Die Fastenwochen im Kloster Pernegg im Waldviertel finden vorläufig ausschließlich online statt. „Wir hoffen aber, im März wieder öffnen zu dürfen“, heißt es auf KURIER-Anfrage. Das Online-Fasten ersetze die gemeinsame Zeit zwar nicht, betont etwa Fasten-Begleiterin Gini Czernin. Es biete jedoch die Möglichkeit sich etwas Gutes zu tun und eröffnet neue Möglichkeiten für jene, die das Fasten lieber in ihren Alltag integrieren. Zwei Mal täglich treffen sich die Teilnehmer in einem Zoom-Meeting am Computer für Bewegungs- und Entspannungseinheiten sowie für Gespräche. Im Vorfeld erhält man einen Wochenplan samt Einkaufsliste.

Entlasten mit Ayurveda

Ein ähnliches Konzept hat Katharina Gebharter zusammengestellt – ihr Entlastungs- und Reinigungsprogramm basiert allerdings auf der indischen Gesundheitslehre Ayurveda. Das passt perfekt, findet Gebharter. „Am Ende des Winters ist auch im Ayurveda die beste Zeit für die innere Reinigung. Es ist interessant, dass der ideale Zeitpunkt mit der christlichen Fastenzeit zusammenfällt.“ Eine Fastenkur im engeren Sinn ist ihr „Ayurveda Cleanse“-Programm aber nicht. „Abnehmen wird zwar als Motivation immer wieder genannt, obwohl das nicht im Vordergrund steht.“

Im Zentrum stehe vor allem, das „Verdauungsfeuer“ zu stärken. „Es wird über die richtige Ernährung, eine leichte Kost, angeregt.“ Das heißt unter anderem, ein Fokus auf die richtigen Gewürze und ihre speziellen Eigenschaften.“ Dazu kommen tägliche Yoga-Übungen und Anleitungen zur Selbstmassage. „Im Ayurveda geht es immer um die Harmonie zwischen Körper, Geist und Seele.“

Da sind sich östliche und westliche Fastenphilosophien gar nicht so fern: Es geht immer um die Einheit dieses Dreiklangs. Anders gesagt: wenn man weiß, warum man 40 Tage auf Schokolade verzichtet, fällt es leichter.

Die wichtigsten Fasten-Methoden

Eines vorweg: Null Kalorien zu sich zu nehmen, ist keine gute Idee. Beim Fasten nimmt man zwar weniger Kalorien zu sich – aber kontrolliert und mit einem Begleitprogramm. Am Beginn stehen meist Entlastungstage, nach der Fastenphase folgen Aufbautage.

Heilfasten Es geht auf den Arzt Otto Buchinger (1878–1966) zurück, es wird eine festgelegte Zeit lang (z. B. 7 Tage) auf feste Nahrung verzichtet. Es gibt u. a. Saft-, Suppen- oder Gemüsefasten.

Basenfasten Es gibt nur basische Lebensmittel (Gemüse, Obst, Kräuter; kein Fleisch), der Säure-Basen-Haushalt des Körpers soll damit ins Lot gebracht werden.

F.-X.-Mayr-Kur Sie geht auf den österreichischen  Arzt F. X. Mayr zurück und soll der Darmsanierung dienen. Ursprünglich bestand das Konzept aus Semmeln undMilch, Kauschulungen und Bauchmassagen. Moderne Mayr-Kuren  integrieren auch leicht verdauliche Lebensmittel.

Intervall-Fasten Fasten- und Esszeiten wechseln sich täglich ab, z. B. 8 Stunden essen, 16 Stunden fasten (16:8).

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