© Erzdiözese Wien-Stephan

Aschermittwoch
02/17/2021

Statt dem Aschenkreuz wird heuer Asche aufs Haupt gestreut

Der Ritus zum Start der 40-tägigen Fastenzeit wurde coronabedingt etwas abgeändert. Warum das christliche Zeichen für Buße und Neubeginn in unsere Zeit passt,

von Ingrid Teufl

Asche aufs Haupt streuen: Die Redewendung kennen die meisten als Ausdruck von Selbstanklage oder um etwas zu bereuen. Die Verbindung mit dem Aschenkreuz der katholischen Kirche am heutigen Aschermittwoch stellen allerdings immer weniger Menschen her. Dabei kommt das eine vom anderen. Durch die Corona-Kontaktbeschränkungen kommen sich Symbol und Redewendung wesentlich näher als in normalen Jahren.

Ansonsten bleibt man allerdings heuer auf Abstand in den Kirchen. Das heißt konkret: Verteilt wird das Aschenkreuz zwar auch heuer. Doch der Aschenritus findet verändert statt, erklärt Dominik Orieschnig von der Diözese Eisenstadt. „Dabei wird nicht direkt mit dem Finger die Stirn der Gläubigen berührt, sondern die Asche wird aufs Haupt gestreut – wie es ja eigentlich in der Bibel beschrieben ist.“

Umkehr, Neubeginn

Eine Rückkehr zum Ursprung sozusagen. Wobei das Aschenkreuz auch schon seit dem 11. Jahrhundert verteilt wird; als Zeichen für Umkehr und Neubeginn. Der Aschermittwoch markiert den Beginn der 46 Tage bis Ostern. Die Sonntage werden nicht als Fasttage gerechnet – daher gibt es nur 40 Fasttage. Abhängig vom Ostertermin (der erste Sonntag nach dem ersten Frühlingsvollmond) fällt der Aschermittwoch frühestens auf den 4. Februar, spätestens auf den 10. März.

Für Orieschnig ist der Ritus noch immer zeitgemäß, heuer vielleicht sogar besonders. Zwischenzeitlich galt er als unmodern. Das Aschenkreuz sei aber ein „uraltes Sinnbild der Vergänglichkeit, der Umkehr und der Buße“. Zu manchen Zeiten galt es auch bei Katholiken in Wohlstandsregionen als unmodern. „Ich denke, dass gerade die jetzige Zeit dazu angetan ist, über die eigene Vergänglichkeit nachzudenken.“

Für Toni Faber, Dompfarrer zu St. Stephan in Wien, ist der heuer abgeänderte Ritus „ein toller Beginn“ der Fastenzeit, der traditionellen Buß- und Verzichtszeit. „Nun war durch die Pandemie zwar schon das ganze Jahr eine Verzichtsübung.“ Er sieht den Aschermittwoch nicht als Verlängerung dieser Verzichtsübung, sondern als „Tag der Hoffnung, der einen klareren Blick auf die Gegenwart“ ermöglicht. „Fragen wie: ‚Woher komme ich, wohin gehe ich?‘ helfen bei einer Orientierung.“

Palmkatzerl

Wenn heuer schon so vieles anders ist: Immerhin kommt die Asche, die heuer also richtig aufs Haupt der Gläubigen gestreut wird, aus den üblichen Quellen. Man verbrennt dafür die aufbewahrten Palmkatzerl-Zweige vom Palmsonntag des Vorjahrs, siebt und zerreibt sie fein.

Toni Faber bedauert zwar ein wenig, dabei auf ein lieb gewonnenes Ritual, verzichten zu müssen. „Sonst mache ich gemeinsam mit Kindern ein kleines Lagerfeuer, bei dem wir die Palmkatzerlzweige und auch Faschingsmasken und Girlanden verbrennen.“

Dass die archaische Bedeutung von Asche bis in unsere moderne Zeit in Ritualen aufrechtblieb, überrascht Dominik Orieschnig nicht. Sie sei als „organischer Staub“ das „eigentliche biologische Material der Wiedergeburt“. Nicht umsonst werde Asche auch zum Düngen von Blumen verwendet.

Die Bedeutung von Asche ist übrigens keine Besonderheit des Christentums. „Auch andere Religionen, wie der Hinduismus oder das antike Judentum, haben den Stellenwert der Asche hochgehalten. Das ist eben auch die Bedeutung des Cultus, den Alltag mit solchen uralten Erfahrungen des Menschseins zu bereichern.“

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