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freizeit Leben, Liebe & Sex
04/08/2021

Baby, Bärli, Hasi: Wie unsexy kann ein Kosename eigentlich sein?

Warum der Hase beim Sex keine Chance hat und es besser ist, auf klassische Begriffe aus der Verbalerotik zu setzen.

von Gabriele Kuhn

Hase. Hasischnautz. Hasenzahn. Will ein Mann tatsächlich so genannt werden – im erotischen Kontext? Oder umgekehrt, die Frau: Schäfchen? Hühnchen? Täubchen? Für mich persönlich klingt das alles eher nach Lustkiller. „Schäfchen, gib’s mir!“, „Hasischnautz, steck ihn mir rein!“, „Hühnchen, blas mir einen!“ Das will doch keiner hören.

Die Frage ist in Wirklichkeit, ob Kosenamen im Rahmen von Dirty Talk überhaupt eine Rolle spielen sollen. Sie transportieren vieles – mit einem zarten „Bärli“ oder „Schnurzi“ wird Innigkeit ausgedrückt, Liebe, aber auch Geborgenheit und Harmonie. Harmlose Kuschelsprache. Mitunter steckt darin sogar ein geheimer Code, den nur das Paar selbst zu deuten weiß. Ich denke da zum Beispiel an Camilla und Prinz Charles, die einander – laut Netflix-Serie „The Crown“ „Gladys“ und „Fred“ genannt haben sollen, angelehnt an Charaktere einer Radio-Comedyshow in den 1950er-Jahren. Es existieren jede Menge verrückte Kosenamen, die niemand, außer den Betroffenen selbst, gut findet (und etwa auf Partys für allgemeines Amüsement sorgen): von Arschi bis Amazönlein, von Brausebärchen bis Bubbelchen. Bubbelchen, reich mir doch den Schampus rüber. Arschi, bring mir noch eine Grillwurst mit Senf! Ehrlich jetzt? Das ist alles ziemlich ungeil – auch jenseits des Spielfelds Schlafzimmer. Am beliebtesten sind jedenfalls Schatz, Schatzi, Hase, Liebling, Schnuckel und Schnucki.

Erregungsfeucht

Nun aber zurück ins Bett: Was ist da effektiv, was wäre passend? Was also klingt „erregungsfeucht“ – ein Begriff, den ich sehr schätze und aus dem Buch „WonneWorte“ von Klaus Heer stammt. Denn, ja, stimmt – immer nur zu jubilieren „Hans-Peter, ich komme!“ hat dann auch wieder etwas dramatisch Biederes und klingt so, als würde man seit 22 Jahren mit einem Staubsaugervertreter vögeln. Andererseits: Reden ist wichtig, kann ungemein sexy und erotisierend sein. Ein gehauchtes „Baby, ja, Baby“ hat was, dabei kommt es natürlich auch auf das Timbre an. Gequietscht klingt’s eher nach Karotten-Birnen-Brei mit hauchzarten Haferflocken. Das hat etwas verdammt Unerwachsenes. Gehaucht hingegen schwingt flüsternde Hingabe mit – ich ergebe mich. Dir! Schon sehr lustvoll. Freilich kommt’s auch darauf an, in welchem Moment der Kosename ausgesprochen wird – ein guter Begriff, in einen Kuss hineingestöhnt, oder während an den Lippen oder der Haut des Partners geknabbert wird: tadellos! Und sonst? Ich habe es schnell mit einer umfassend-investigativen Kosenamen-Recherche probiert und bin auf einer Webseite namens kosenamen-liste.de gelandet. Altes Hasi, da können Freunde des gehobenen Kosenamens durchaus fündig werden.

„Amorcito“ zum Beispiel – das finde ich äußerst ansprechend und lasziv: „Amorcito, ich will dich!“ Das hat was, vor allem, wenn es entschlossen und im schnurrigem Timbre artikuliert wird. Ähnlich auch: „Mon amour“ ebenso wie „Cherie/Cheri“. Das Französische halt, mais oui! Radikal anders hingegen verhält es sich – umgekehrt – meiner Meinung nach mit Begriffen wie „Blasihasi“ für die Dame. Selbst wenn der Name Programm scheint: Das ist und bleibt absolutes No-Name-Go. Das Pendant zu „Prügel“ oder „Prinz Eisenschwanz“ für ihn. Billig-Verbal-Porno halt. Dann vielleicht doch lieber die Klassiker – wie etwa „Darling“, „Liebling“, gerne auch „Sternenfee“. Für Männer schön ist Cariño. „Cariño, mach’s mir!“ Poetisch, harmonisch und schlicht. Ähnlich wie „Geliebter!“ – ein wunderbarer All-inklusive-Begriff, der Begehren, Bewunderung, Geilheit und ein „Ich will dich!“ ausdrückt. Geht immer.

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