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freizeit Leben, Liebe & Sex
10/22/2020

Peniskäfig & Co: Von den Tücken moderner Keuschheitsgürtel

Der Keuschheitsgürtel ist aus mittelalterlichen Überlieferungen bekannt. Gab es ihn wirklich - und wie sieht's heute damit aus?

von Gabriele Kuhn

Heute, bitteschön: der unsichere Peniskäfig. „Penis, was?“, werden einige fragen. Nun, dabei handelt es sich um ein Accessoire aus dem Sado-Maso-Bereich, mit dem sein bestes Stück eingesperrt wird, um Erektion und Masturbation zu verhindern. Einzig der dominante Part hat die Macht, den Keuschheitsgürtel wieder zu öffnen. Das Ding – ein verschließbares Rohr aus Metall oder Silikon – gibt’s meist old style, mit Schloss und Schlüssel (von dem es hoffentlich einen Ersatz gibt – denn was passiert, wenn der verloren geht?).

Aber selbstverständlich macht die Digitalisierung auch vor diesem Genre nicht Halt. Und so haben ein paar Typen „Cell Mate“ erfunden, den weltweit ersten App-gesteuerten Keuschheitsgürtel für ihn. Ein „smarter“ Käfig, der via iOS oder Android bedient wird. Da hockt jemand in London und schließt in Mistelbach das Genital seines unterwürfigen Gefährten ein – tschüss! Wie allerdings die „PC-Welt“ online berichtet, wurde dabei eine Sicherheitslücke entdeckt. „Ein Angreifer könnte das Bluetooth-gesteuerte Schloss des Sex-Toys manipulieren und in der Folge wäre der Penis des Nutzers eingesperrt und er könnte ihn nicht mehr selbst befreien. Denn das Schloss lässt sich nur über Bluetooth entsperren, es gibt keine mechanische Vorrichtung und auch keinen Notfall-Schalter, für den Fall, dass die Verbindung zur App abbricht.“ Es bräuchte viel Kraft und diverse Werkzeuge, um das Ding wieder aufzukriegen. Autsch. Zudem existieren Sicherheitsprobleme, durch die man an die Daten der Nutzer gelangen könnte, etwa an deren Standorte. Abgesehen davon wäre der „via App für immer eingesperrte Penis“ schon ein sehr seltsames Phänomen.

Aus Sicht von Historikern fehlen jedenfalls die Beweise, dass diese Form des Zwangskorsetts – auch „Florentiner Gürtel“ genannt – tatsächlich getragen wurde. Vielmehr nimmt man an, dass es sich dabei um eine überzeichnete Idee handelte. Oder aber um einen frühen Fetisch, denn Sado-Maso-Spiele gab es schließlich immer schon.

Mythos Keuschheitsgürtel?

Da stellt sich die Frage, wie das mit dem Keuschheitsgürtel wirklich mal war. Vermutlich ein Mythos. Zwar wurde der eiserne Vorhang – für sie, eh klar – in Texten erwähnt, aber an dessen praktischer Anwendung gezweifelt. Grundsätzlich ging es um die Idee, die Frauen der Kreuzritter, die oft ein bisserl länger weg waren, davon abzuhalten, untreu zu werden. Es hätte aber bedeutet, dass das weibliche Genital mehrere Monate bis Jahre unzugänglich gewesen wäre – in einem Käfig aus Eisen gefangen. So grauslich diese Zeiten auch gewesen sind – das hätte keine Frau, rein hygienisch betrachtet, überlebt. Meyers Konversationslexikon schrieb dazu: Keuschheitsgürtel werden von Schriftstellern des 15. und 16. Jahrh., z. B. von Brantôme, öfters erwähnt, ihre Anwendung auch auf alten Kupferstichen und Holzschnitten dargestellt. Gleichwohl ist nicht sicher, ob solche K. wirklich gebraucht, oder bloß von Schriftstellern in satirischer Absicht erfunden worden sind. Die K. der Altertumssammlungen (Musée de Cluny) und Raritätenkabinette sind nicht historisch beglaubigt, und möglicherweise liegen darin Fälschungen, vielleicht auch Umarbeitungen von Foltergürteln des Mittelalters vor.

Aus Sicht von Historikern fehlen jedenfalls die Beweise, dass diese Form des Zwangskorsetts – auch „Florentiner Gürtel“ genannt – tatsächlich getragen wurde. Vielmehr nimmt man an, dass es sich dabei um eine überzeichnete Idee handelte. Oder aber um einen frühen Fetisch, denn Sado-Maso-Spiele gab es schließlich immer schon. Beruhigend, dass auch diese Dinger mittlerweile „seriösen“ Warentests unterzogen werden, wie Matratzen oder Stabmixer. Bei „warenvergleich.de“ finden Interessierte den „Peniskäfig-Vergleich 2020“, quasi topaktuell. Vergleichssieger ist ein Modell aus Polycarbonat, mit Innendurchmesser von 3,4 cm und einem Vorhängeschloss. „Zuschlagen!“, möchte man da fast sagen.

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