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freizeit Leben, Liebe & Sex
10/29/2021

Leichen-Kompostierung und Sarg-Partys: Die neue Art der Bestattung

Christine Pernlochner-Kügler organisiert Trauerfeiern, setzt auf unverkrampfte Erinnerungsrunden und spricht sich für die Kompostierung von Verstorbenen aus

von Christina Michlits

Im bekannten Innsbrucker Szenelokal Treibhaus wird gescherzt, getrunken und zu lauter Musik getanzt. In der Mitte des Raumes steht ein Sarg. Es ist die Trauerfeier eines Arztes, die Christine Pernlochner-Kügler organisiert hat.

„Er wollte, dass seine Freunde gemeinsam feiern und seine Lieblingsmusik gespielt wird“, erzählt die Bestatterin von dem Auftrag, der einige Probleme mit sich brachte. Kellner ließen sich für die Party schwer finden und die Putzfrau weigerte sich, danach in dem Raum zu putzen. Weil sie Angst vor der Seele des Verstorbenen hat.

Genau dieser Art von Fantasien und Ängsten über Tote versucht Pernlochner-Kügler mit ihrer Arbeit entgegenzuwirken – und deswegen hat sie das Buch „Du stirbst nur einmal, leben kannst du jeden Tag“ über ihre Tätigkeit geschrieben.

Vom Tod entwöhnt worden

„Man sollte mit dem Tod einen anderen Umgang finden als in den letzten Jahrzehnten. Das Sterben hat sich von daheim ins Krankenhaus verlagert, dadurch wurde man vom Tod entwöhnt. Von jeher ist es ein Angstthema, aber wenn ich keinen Zugang dazu habe, dann entstehen Fantasien und viele Falschinformationen. Die gilt es für mich abzubauen und einen natürlicheren Zugang zu finden.“

Tote sehen und anfassen

Der Tiroler Bestatterin ist es wichtig, dass sich Angehörige noch verabschieden können. Sie sollen den Toten im Idealfall sehen und anfassen können – bei einem offenen Sarg und lockeren Erinnerungsrunden in einer hellen, freundlichen Umgebung.

„Unter dem Wort der Pietät ist früher viel Angst geschürt worden, als in den dunklen Leichenhallen nur geflüstert, gebetet und getrauert werden durfte“, kritisiert sie. Die 50-Jährige gehört der Death-Positive-Bewegung an, die vor einigen Jahren von der US-Bestatterin Caitlin Doughty gegründet wurde. Die Gruppierung setzt sich für mehr Transparenz und Akzeptanz rund um die menschliche Sterblichkeit ein.

Von der Lehrerin zur Totengräberin

„Die Auseinandersetzung mit dem eigenen Tod macht uns stärker. Sie lässt uns das Leben mehr schätzen. Überhand sollte das Thema jedoch nicht nehmen. Es braucht eine Balance“, erklärt die Mutter eines erwachsenen Sohnes, die in ihrem ersten Beruf Lehrerin war.

Deutsch, Psychologie und Philosophie hat sie auf Lehramt studiert. Nachdem eine Fixanstellung an einer Schule gar nicht so einfach zu finden war, lehrte sie in einer Krankenpflegeschule Psychologie. Gegenstand war hier oft die Trauer, wodurch sie mit der Sterbethematik in Berührung kam – die sie schließlich bis zur Bestattung führte.

Seit 2012 betreibt die Quereinsteigerin nun gemeinsam mit einem Firmenpartner ein Bestattungsunternehmen in Innsbruck mit vier Mitarbeitern.

Einäscherung eine Sünde

Gestorben wird immer, heißt es so oft. Mit der Zeit aber auch anders, könnte man hinzufügen. Denn Feuerbestattungen sind auch in Österreich stark im Steigen. „Früher galt das bei Katholiken noch als Sünde“, erzählt die aus einem katholischen Elternhaus stammende Totengräberin, die selbst aus der Kirche ausgetreten und nicht gläubig ist. Mehr als ein Drittel der Bestattungen machen in Österreich inzwischen Einäscherungen aus.

Kompostierung

In den nächsten Jahrzehnten könnte sich aber ganz eine andere, heute noch sehr gewöhnungsbedürftige, Bestattungsmethode durchsetzen – die Kompostierung von Verstorbenen.

„Die junge Generation macht sich Gedanken um Nachhaltigkeit. Erd- als auch Feuerbestattung sind alles andere schadstofffrei. Die Kompostierung wäre eine ideale Lösung, allerdings ist sie bislang nur in zwei US-Bundesstaaten erlaubt.“

Die Leiche wird dabei in ein Leinentuch voll mit stickstoffhaltigen Pflanzen und Sägemehl gelegt. Innerhalb von zwei Monaten werden sogar Knochen zersetzt und es entsteht Kompost. Für viele ist diese Art der letzten Ruhe dann aber doch noch zu befremdlich, gibt auch die Expertin zu.

Beerdiung mit Gin Tonic

Und wie will sie eigentlich einmal selbst bestattet werden? „Mit Wein und Gin Tonic. Ich wünsche mir was Lockeres. Auf einer Beerdigung darf gelacht werden. Das hat nichts mit Respektlosigkeit zu tun. Man kann meinen Sarg bemalen, falls es eine Erdbestattung wird. Das würde ich meinen Eltern zuliebe wahrscheinlich machen, falls ich vor ihnen versterbe. Es geht bei Bestattungen ja zu einem gewissen Maß um die Angehörigen und wie sie sich verabschieden und loslassen können. Mir wird das dann ziemlich egal sein.“

Neue  Bestatter
Auf benu.at kann man online eine Beerdigung organisieren. Die Bestattung Memoria bietet Bio-Korbsärge aus Bananenblättern.


In der neuen Bestattungsboutique Unvergessen in Wien können im Showroom Särge und Urnen jederzeit begutachtet werden.

530 Bestattungsfirmen gibt es derzeit in Österreich.

Alternative Angebote
Baumbestattungen  u. a im Wald der Ewigkeit in Wien Mauerbach.

Almwiesenbestattungen in Salzburg.

Donaubestattungen und Seebestattungen oder auch Diamantbestattungen: Die Asche wird zu Diamanten gepresst  (ab 5.000 Euro).


Weitere Infos unter bestattungsinfo.at

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