Frederick Lau und Luise Heyer spielen zwei notorische Großstadt-Singles in der Kino-Verfilmung des Bestsellers „Generation Beziehungsunfähig“.

© Tom Trambow/Warner

freizeit Leben, Liebe & Sex
07/28/2021

Klischee und Realität: Wie Millennials lieben und leiden

Ein neuer Film befasst sich mit dem Beziehungsleben der Generation Y.

von Julia Pfligl

Millennials stürzen sich von einem Date ins andere und wollen sich nicht festlegen, weil die nächstbeste Option nur einen Klick weit entfernt ist: So lautet ein gängiges Klischee über die Generation Y, deren Mitglieder heute zwischen Mitte 20 und Anfang 40 Jahre alt sind. Maßgeblich beteiligt an der Entstehung dieses Labels ist der Berliner Autor Michael Nast (46), dessen Blogpost über die vermeintliche „Generation Beziehungsunfähig“ im Jahr 2015 einen Nerv traf.

Es folgte eine Tournee durch ausverkaufte Hallen und ein Buch, das wochenlang auf Platz 1 der Spiegel-Bestsellerliste stand. Unzählige Soziologen und Psychologen befassten sich seither mit dem Liebesleben der jungen Erwachsenen, mit Phänomenen wie Tinder, Ghosting oder den „Mingles“, einer unverbindlichen Beziehungsmischform.

Alles mit einem, für immer

Die Verfilmung von „Generation Beziehungsunfähig“, in der ein vermeintlich bindungsgestörter Großstädter von einer unabhängigen Frau bekehrt wird (siehe re.), kommt nun fast zu spät, findet auch der deutsche Paartherapeut und Single-Experte Eric Hegmann.

Millennials seien nicht weniger beziehungsfähig als die Generationen vor ihnen, beteuern Experten wie er seit Jahren – jedoch seien die Ansprüche enorm gestiegen. „Der Wunsch nach einer romantischen Verbindung war niemals größer“, sagt Hegmann. „Wir hoffen auf eine einzige Person und wollen, dass sie uns all das gibt, was früher mal ein ganzes Dorf leistete. Alles mit Einem für Immer – den AMEFI-Partner: bester Freund, Liebhaber, Sport-Begleiter, Elternteil – alles gleichzeitig.“

Die Generation Y charakterisiere sich durch schnellen (Tinder-)Sex und langsame Liebe, konstatierte die US-Soziologin Helen Fisher. „Wenn eine Auswahl so wichtig wird, fällt sie besonders schwer. Sie macht Angst vor Fehlentscheidungen“, erläutert Hegmann. Weil junge Menschen heute mehr Beziehungen führen als ihre (Groß-)Eltern und es folglich häufiger zu Trennungen kommt, denken sie, sie würden ständig Fehlentscheidungen treffen. Das Mantra „Ich kann mich nicht binden“ ist also oft eine Schutzstrategie – wie auch der Protagonist im Kinofilm letztlich feststellt.

Autor
Michael Nast gilt als „Single-Papst“  und „männliche Carrie Bradshaw“. Sein  Buch „Generation Beziehungsunfähig: Die Lösungen“ erschien 2021.

Film
Dauer-Single Tim (Frederick Lau)  wird von   seinem weiblichen Pendant (Luise Heyer) geghosted und denkt um.
Ab 29. 7. im Kino.

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