© MellowYellow/A. Gross

Inklusion
06/26/2021

Inklusionsprojekt MellowYellow: Komm, tanz mit mir

Bei dem Schulprojekt „MellowYellow“ arbeiten Kinder mit behinderten Künstlern an einem Tanz und an einer guten Gesprächsbasis.

Manche Kinder kennen behinderte Menschen nur aus Filmen. Doch dort „sind sie meist klischeehaft und eindimensional dargestellt“, ärgerte sich kürzlich US-Schauspieler Michael J. Fox („Zurück in die Zukunft“), der selbst an Parkinson erkrankt ist. Er wünscht sich mehr realitätsnahe Sichtbarkeit von Menschen mit Behinderungen.

Dieser Wunsch stand auch am Beginn des Schulprojekts MellowYellow, erzählt Elisabeth Löffler vom Verein MAD: „Dabei verbringen Menschen mit und ohne Behinderung zusammen einen Tag in der Schule und erarbeiten gemeinsam eine Performance.“ Auf der Tagesordnung stehen „Rolli-Tricks“, zeitgenössischer Tanz und viele Gespräche.

Berührungsängste haben die Kinder nur zu Beginn. Wenn man gemeinsam Alltag erlebt, kann man sich in den anderen hineinversetzen, erzählt Löffler: „Dann spüren Schüler plötzlich, dass Stufen ein Problem sein können, wenn man im Rollstuhl sitzt. Und sie beginnen, mitzudenken.“ Generell verhalten sich Kinder behinderten Personen gegenüber anders als Erwachsene. „Sie interessieren sich dafür, wie ich meinen Alltag gestalte“, erzählt Vera Rosner, eine der Kuratorinnen des Projektes, „Ganz häufig wird gefragt: Wie gehst du aufs Klo?“

Worüber sich Kinder kaum Gedanken machen, Erwachsene dafür umso mehr, ist die richtige Bezeichnung. „Manche haben Angst davor, etwas Falsches zu sagen. Das ist ganz normal. Am besten ist es, man fragt nach, wie eine Person bezeichnet werden möchte“, erklärt Löffler. Sich selbst bezeichnet sie „als Künstlerin, als Frau im Rollstuhl“. Nur das Wort „handicapped“ mag sie gar nicht: „Der Begriff kommt daher, dass Behinderte früher betteln mussten – mit der Kappe in der Hand.“

Wenn die Künstler von MellowYellow in die Schule kommen, rückt das Sprechen ohnehin in den Hintergrund. „Inklusion passiert nicht durch Reden, sondern durch Kontakt“, hebt Löffler hervor, „wenn wir mittagessen, tanzen und miteinander arbeiten. So lernt man am meisten“.

Lehrer als Vorbilder

Fast 4.000 Schüler aus 80 Schulen waren bis jetzt beim Projekt dabei, jetzt können sich weitere 100 Klassen für einen Gratistag anmelden. Nach der Pandemie soll es wieder mehr Gelegenheiten geben, wünscht sich Rosner.

Was sie sich noch erhofft, ist eine Normalisierung im Umgang mit Behinderung. „Es fehlt an Lehrpersonen mit Behinderungen, die als Vorbilder fungieren können. Außerdem fehlt es an einem allgemein inklusiven Schulbetrieb. Je mehr gemeinsam geschieht, desto weniger wiegen die Unterschiede – egal, ob jemand im Rollstuhl oder blind oder taub ist“, betont Löffler.

Wie Eltern ihre Kinder sensibilisieren können? „Indem sie sich selbst entspannen. Und wenn man meint, dass jemand mit Rollstuhl ein Problem hat, bietet man freundlich Hilfe an. Und ist nicht beleidigt, wenn er sie nicht braucht.“

Wie man Kindern einen sensibleren Umgang vermitteln kann

Bei der beliebten Buch- und Film-Serie Vorstadtkrokodile erlebt man etwas Ungewöhnliches: Ein Mitglied der bunt gemischten Kinder-Bande sitzt im Rollstuhl. Aber es geht nicht um seine Behinderung, sie  hält ihn auch nicht davon ab, bei den Abenteuern mitzumachen.
Ja, schon Heidis Freundin Klara saß im Rollstuhl, doch sie wurde hauptsächlich behütet. Erst die naive Heidi überredete die Familie, dass das schwächliche Kind mit auf die Alm darf.

Elisabeth Löffler vom Verein MAD (Verein zur Förderung von Mixed Abled Dance & Performance) hat bessere Lesetipps für Kinder. Direkt ins Thema steigt das Buch „Alle behindert“ schon mit seinem Titel ein. Es erzählt ganz entspannt von 25 unterschiedlichen Beeinträchtigungen.

Auch das Buch „Meine Füße sind der Rollstuhl“ von Behindertensprecher Franz Huainig berichtet realitätsnah aus dem Leben eines Mädchens im Rollstuhl.

Noch besser gefallen Löffler allerdings direkte Begegnungen. Gerade bei Sommercamps gebe es auch inklusive Angebote. Das Land Kärnten etwa werde heuer so viele Betreuungsmaßnahmen für Kinder und Jugendliche mit Behinderung anbieten wie nie zuvor, betonte Sozialreferentin Beate Prettner kürzlich. „Wir reden nicht nur über Inklusion, wir leben sie.“

Von Sandra Schmidhofer und Daniela Davidovits

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