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06/13/2021

Impfen, Job, Schule: Experten über die Probleme der Jugend

Nicht nur die Psyche hat in der Pandemie gelitten. Die junge Generation steht vor manchen Herausforderungen. Was Experten dazu sagen.

Kinder und Jugendliche erkranten nur selten schwer an Corona. Und dennoch haben sie besonders unter den Maßnahmen gelitten, wie viele im KURIER-Gespräch gesagt haben. Welche Bereiche muss man jetzt angehen? Der KURIER hat Experten zu fünf Themen befragt:

Impfungen

Wann sind die Jungen dran?

Das österreichische Impfgremium empfiehlt die Impfung seit zwei Wochen auch für 12- bis 15-Jährige. In Deutschland zum Beispiel ist man noch zurückhaltender. Es kann sich zwar jeder, der möchte, zur Impfung anmelden, empfohlen wurde die Impfung für 12- bis 17-Jährige aber vorerst nur im Fall von Vorerkrankungen oder bei engem Kontakt zu Risikopersonen. Christian Drosten sagt: „Aus Elternperspektive wäre mein Kind geimpft. Klarer Fall. Dieses Risiko möchte ich nicht.“

In Niederösterreich und Oberösterreich kann man bereits für alle ab 12 einen Impftermin buchen, in Wien hieß es, die Impfungen werden vorbereitet und dass Ende Juli die über 20-Jährigen drankommen.

Für Herbst wurde die 3G-Regel in Schulen angekündigt: Schüler müssen dann geimpft, genesen oder getestet sein. Derzeit weisen sie Nasenbohrtests per„Ninja-Pass“ nach.

Berufliche Perspektiven: Einkommen sinkt

Die  junge Generation wird ökonomisch wohl noch lange unter der Pandemie leiden. Hanno Lorenz von der Agenda Austria nennt  konkrete Zahlen:  „Wer ein Schuljahr verliert, wird im Laufe seines Lebens rund 1500 bis 1700 Euro weniger Bruttoeinkommen pro Jahr haben.“    

Ein weiteres Problem: „Am Arbeitsmarkt könnten  diese jungen Menschen schnell das Etikett Corona-Generation umgehängt bekommen, weil sie Wissenslücken haben,“ befürchtet Lorenz. Doch es gibt auch eine gute Nachricht: „Die Generation hat einen Digitalisierungsschub erlebt und gelernt, sich zu organisieren.   Wird jetzt in der Wirtschaft ein Strukturwandel eingeleitet, nutzt ihr das.“
Und wie stehen die Chancen, eine Lehrstelle  oder  Job zu bekommen? „Das hängt von der allgemeinen wirtschaftlichen Entwicklung ab. Prognosen sind derzeit schwierig.“

Physische Gesundheit: Zu wenig Therapieplätze

Ein neuer Bericht der OECD schlug diese Woche Alarm: „Seit dem Beginn der Covid-19-Krise haben psychische Leiden vor allem bei jungen Menschen stark zugenommen.“ In einigen Ländern hätten sie sich sogar verdoppelt.
Kathrin Sevecke von der Universitätsklinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie in Hall beobachtet eine Zunahme: „Wir haben mehr Angstsymptome, mehr Traumasymptome und eine schlechtere Lebensqualität.“ In einer Umfrage im März 2020 wiesen drei Prozent klinisch relevante Symptome auf, im Jänner 2021 waren es 15 Prozent, derzeit wird wieder erhoben.
Bei einer Studie der Donauuni Krems unter Jugendlichen äußerte jeder Sechste Suizidgedanken. Auch Essstörungen treten stark auf.
Schon vor der Pandemie warnten Experten, dass 70.000 Therapieplätze für Kinder fehlten.

Schule: Wie viel ist nachzuholen?

„Zehn Prozent der Schüler waren überfordert. Die haben wir mit viel Engagement sogar im Lockdown in der Schule betreut“,  sagt KURIER-Bildungsbeirätin Gerda Reißner (NMS 1180).  Dadurch zeige dort die Kompetenzmessung IKM im Vergleich zum Vorjahr kaum ein Defizit.
Eine Studie in den Niederlanden wies nach, dass Volksschüler nach acht Wochen Homeschooling etwa drei Prozentpunkte schlechter abschnitten als vorher, Kinder aus bildungsfernen Familien um 55 Prozent schlechter.
Aus der Praxis ist zu hören, dass zu den Corona-Verlierern jene Schüler gehören, die schon vorher schwach waren. Bei ihnen reichten Kapazität und Motivation nicht mehr. Durch Gratis-Sommerschulen am Ferienende und Angebote wie die Lernbetreuung in den Wiener Summer City Camps sollen gröbste Defizite ausgeglichen werden.

Soziale Schere geht auf

Viele Studien haben gezeigt, dass die soziale Schere durch die Pandemie weiter aufgegangen ist.  Die Bildungspsychologin Christiane Spiel  verwundert  das wenig: „Man braucht sich nur vorstellen, wie es den Schülerinnen  und Schülern ergangen ist, die in einer Deutschförderklasse sind, deren Eltern kein Deutsch können und nur Pflichtschulabschluss haben.“
 Zu Hause werde  verständlicherweise  kein Deutsch gesprochen und es damit auch nicht geübt. „Häufig ist die Wohnung   dieser Familien klein und die  junge Menschen haben keinen eigenen Arbeitsplatz. Wenn die Eltern in manchen Fällen dann auch noch ihre Arbeit verloren haben, besteht die Gefahr, dass die Jugendlichen  keine Tagesstruktur haben. Dass Kinder unter solchen Umständen erfolgreich das Distance Learning geschafft haben, ist leider nicht sehr wahrscheinlich.“

 

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