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freizeit Leben, Liebe & Sex
08/04/2021

Historiker: Instragram als Liebestöter der Freikörperkultur

Der Sozialforscher Heiko Stoff ging der Frage nach, warum eine Mehrheit nicht nackt baden und saunieren möchte.

Eine Umfrage im Sommer 2021 ergab, dass sich eine Mehrheit der Erwachsenen an Nacktstränden unwohl fühlt oder sie meidet. Der deutsche Medizinhistoriker Heiko Stoff (nomen est omen) vertritt nun die These, dass das am Druck sozialer Medien liegt. In den Selbstdarstellungen etwa bei Instagram dominiere eine Idealisierung des Körpers.

"Die meisten Bilder werden nachbearbeitet", so Stoff. "Am Strand können wir uns aber nicht nochmal durch den Filter ziehen.“ Das sei seines Erachtens der Hauptgrund, „warum es Unwohlsein in Sachen Nacktheit gibt“.

Angst vor dem eigenen Körper

Die Realität ihres Körpers mache vielen Menschen Angst und wird deshalb abgelehnt. Der Historiker hält dies im Gespräch mit der dpa für entscheidender als die viel zitierte Reprüderisierung oder auch religiöses Denken.

Eine Yougov-Umfrage in Kooperation mit dem Portal Statista hatte ergeben, dass sich Erwachsene an Nackt-Orten wie etwa FKK-Stränden oder in der Sauna eher unwohl (36 Prozent) als wohl (28 Prozent) fühlen. Der Rest meidet solche Orte grundsätzlich oder machte keine Angabe.

Nudisten neuerdings Konkurrenten

Medizinhistoriker Stoff meint: Viele empfänden für sich persönlich einen Druck, sich dem angeblichen Ideal des straffen Körpers anzunähern. „Schnell fühlt man sich als Versagerin oder Versager, der oder dem es nicht gelungen ist, den idealen Körper zu formen. Das nimmt natürlich die Freude an der Nacktheit, schafft Stress und Konkurrenz.“ Eine Konkurrenz, die ansonsten die Kleidung zu überdecken helfe.

Historisch betrachtet wäre damit eine Art Umkehrung des Denkens zu konstatieren: Bei früheren Nudisten überwog die Idee, dass Kleidung Konkurrenz und Unterschiede schaffe und Nacktheit für mehr Gleichheit sorgen könne.

 

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