Harry Styles bricht mit Klischees von Männlichkeit - und ist der erste Mann auf dem Cover der Vogue

© REUTERS/SIMON DAWSON

freizeit Leben, Liebe & Sex
11/18/2020

Genderfluid, non-binary: Nicht Mann, nicht Frau - oder beides abwechselnd

Immer mehr Menschen hinterfragen die binäre Geschlechterordnung – unabhängig von ihrer sexuellen Orientierung.

von Julia Pfligl

„Seit einigen Jahren nehmen wir verstärkt wahr, dass sich Jugendliche unter dem Überbegriff ,non binary gender‘ definieren, sprich, sich nicht eindeutig einem Geschlecht im Sinne der strengen Zweigeschlechtlichkeit zuordnen“, berichtet Johannes Wahala, Psychotherapeut, Sexualwissenschafter und Leiter der Beratungsstelle Courage, die Mitglieder der LGBTQ+-Gemeinde und auch deren Angehörige unterstützt (www.courage-beratung.at). Manche switchen fließend zwischen traditionell weiblichen und männlichen Rollenbildern hin und her (genderfluid), andere lehnen die Kategorisierung in das Mann/Frau-Schema für sich grundsätzlich ab und bezeichnen sich stattdessen als non binary bzw. nichtbinär.

Zu dieser Gruppe zählt der britische Popstar Sam Smith (28), der immer wieder mit Make-up, femininer Kleidung und Ohrringen auftrat und vor einem Jahr auf Instagram zu einem Befreiungsschlag ansetzte: Obwohl biologisch männlich, fühle er sich weder als Mann noch als Frau und bat seine Fans (und Kritiker), künftig die neutralen, englischen Plural-Pronomen they/their zu verwenden. Dem Outing war ein jahrelanger Identitätskampf inklusive schwerer Depressionen vorausgegangen, so Smith.

Das gefühlte soziale Geschlecht (engl. gender) kann also vom biologischen (engl. sex) abweichen – und es sagt nichts über die sexuelle Orientierung aus, betont Wahala. „Auch hier beobachten wir eine Bewegung bei den Jugendlichen: Wenn sie sich verlieben oder erotische Gefühle aufbauen, dann unabhängig vom Geschlecht dieser Person. Das nennt sich pansexuell.“ Ein Attribut, mit dem auch Millennial-Ikone Miley Cyrus ihre sexuelle Orientierung beschrieb.

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Die Teenie-Idole Sam Smith, Harry Styles oder Sean Mendes (der sich auf Fotos geschminkt zeigte) haben eines gemeinsam: Sie spielen mit Geschlechterklischees und repräsentieren ein modernes, feminineres Bild von Männlichkeit – ein positives Signal, findet der Männerforscher Christoph May. „Wenn Eltern ihren Sohn mit einem Kleid in den Kindergarten schicken, müssen sie Angst haben, dass er gemobbt wird. Sobald Kinder in die Gesellschaft entlassen werden, ist es schnell vorbei mit der Genderfluidität. Wir sehen hier eine neue Generation, für die ein Mann in einem Kleid deutlich normaler ist.“

Für sein Vogue-Cover im Gucci-Kleid (siehe oben) bekam Styles auch viel Kritik, vor allem von Männern aus dem konservativen Lager. Eine „typische Abwehrreaktion“, sagt May: „Viele fühlen sich bedroht, weil sie einen Mann sehen, der mit seinen Emotionen offen umgeht und sich nicht darum schert, was andere über ihn denken.“

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