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04/22/2020

Flächendeckende Antikörpertests lassen weiter auf sich warten

Derzeit gibt es wenige verlässliche Tests. Wiener Forscher baut eine Datenbank auf.

von Ingrid Teufl

Mit Antikörpern die Infektion mit dem neuartigen Coronavirus verhindern – das ist eine der derzeit intensiv diskutierten Therapiemöglichkeiten. Dass sich in Graz nun der Zustand eines schwer erkrankten Patienten dadurch verbesserte, sehen Mediziner als höchst erfreulichen Zwischenschritt. Mehr aber nicht. Internist Robert Krause, behandelnder Arzt, betonte am Dienstag im Video-Talk des Johannes Kepler-Klinikums Linz: „Es ist ein Einzelfall, aus dem man keine klinische Evidenz ableiten kann.“

Dass die vom Körper gebildeten Antikörper vor einer neuerlichen Infektion schützen, ist längst nicht gesichert. „Wir befürchten, dass das Virus keine schützende Immunantwort hinterlässt und es dadurch zu neuen Infektionen kommt“, erklärt Immunforscher Rudolf Valente vom Institut für Pathophysiologie und Allergieforschung an der MedUni Wien.

Um dem Schutzmechanismus auf die Spur zu kommen, sollen nun Grundlagen aus der Allergieforschung genutzt werden. Valenta und sein Team beschäftigen sich seit Langem mit dem menschlichen Immunsystem. Sie entwickelten vor einigen Jahren einen Allergie-Chip, für den ein Tropfen Blut ausreicht, um Reaktionen des Körpers auf 100 verschiedene Allergene zu testen, die zuvor in mikroskopisch kleine Bestandteile zerlegt wurden.

Falsche Antikörper

Valentas Ansatz: „Es ist durchaus denkbar, dass eine Infektion zwar eine Immunantwort auslöst, diese den Betroffenen danach aber nicht ausreichend schützt.“ Diese Szenarien müssten ebenso berücksichtigt werden.

„Wir wissen aus anderen viralen Infektionen wie etwa bei den Rhinoviren, dass sie deswegen immer wiederkehren, weil die falschen Antikörper an den falschen Stellen gebildet werden.“ Um zu schützen, muss ein Antikörper also nach dem Schlüssel-Schloss-Prinzip funktionieren – auch bei SARS-CoV-2.

Wie beim Zerlegen der Allergene gehe man auch jetzt vor: „Wir können mithilfe unserer Technologie feststellen, wo das Virus andockt und welche Antikörper es blockieren.“ Diese Erkenntnisse seien wichtig für die Entwicklung eines Impfstoffs. „Da sind dann jene nachgebauten Bestandteile der Virushülle einzubauen, damit man auch jene Antikörper erhält, die man haben will.“

Idealer Zeitpunkt

Der Zeitpunkt dafür sei jetzt ideal. Nicht nur, weil die Zeit zur Entwicklung eines in großen Mengen verfügbaren Impfstoffs viel Zeit braucht. Sondern auch, weil genau jetzt Antikörper von genesenen Patienten verfügbar sind. „Jetzt ist die Zeit, diese zu sammeln und zu vermessen. Wir können lernen, wie die Immunität genau aufgebaut ist und wie lange sie anhält.“ Aktuell baut der Immunforscher eine Serum-Datenbank auf. Die Ethik-Kommission bewilligte 600 Proben – Teilnehmer werden noch gesucht (Infoanfrage für genesene Covid-19-Patienten: rudolf.valenta@meduniwien.ac.at).

Warten auf flächendeckende Tests

Derzeit ist das Risiko von ungenauen oder falschen Ergebnissen bei Antikörpertests noch immer zu hoch. Auf den ursprünglich von Gesundheitsminister Rudolf Anschober angedachten Zeitpunkt Ende April legt sich niemand mehr fest.

Es gebe derzeit wenige verlässliche, positiv validierte Tests und diese sind am Weltmarkt schwer verfügbar, heißt es aus dem Ministerium. Wenn dies möglich ist, spreche nichts dagegen.

Der allererste Test
Am 31. 12. 2019 meldet China an die WHO, dass ein unbekannter Erreger Lungenentzündungen in Wuhan verursacht. Am 13. 1. wird der Gen-Bauplan des Virus veröffentlicht.  Drei Tage später hat  ein Team  an  der Charité  in  Berlin ein erstes Nachweisverfahren entwickelt – einen PCR-Test

Die PCR-Tests
Damit wird seit Jänner bei Verdacht auf eine akute Infektion in einem Rachenabstrich nach Virus-Erbgut gesucht. Ein bestimmter Erbmaterial-Abschnitt wird  millionenfach kopiert und so nachgewiesen

Die Antikörper-Tests
Antikörpertests weisen nicht das Virus, sondern Abwehrstoffe (Antikörper) nach, die der Körper in Folge einer Infektion bildet. So kann nach einer Infektion eine solche auch nachgewiesen werden, wenn keine Symptome aufgetreten sind. Ihre Verlässlichkeit muss allerdings noch verbessert werden

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