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freizeit Leben, Liebe & Sex
10/08/2020

Erotische Fragen an den Partner: Deshalb sollten wir sie stellen

„Die Liebe besteht zu drei Viertel aus Neugier“, schrieb Casanova. Partner sollten einander viel fragen. Das belebt die Lust.

Zu mir – oder zu dir? Wenn es um die Liebe geht, dann ist das wohl die häufigste aller Fragen, allenfalls (und hoffentlich) garniert mit Hast du eh Gummis? und Verhütest du? Doch sonst symbolisiert die Frage den Reiz des Anfangs – wenn sich alles darum dreht, zügig in der Horizontale zu landen und zu vögeln. Etwas später folgen neue Fragen: Sind wir jetzt fix zam? Isst du gerne Spinat? Magst du Hunde? Und, den Sex betreffend: Wie war ich? oder Bist du gekommen? Noch etwas später ist alles klar: Wir wissen, wie der andere riecht, ob er Links- oder Rechtsträger ist und ob er nachts pinkeln geht. Er weiß, dass sie beim Kommen wimmert, sie kennt seine Blowjob-Vorlieben, beide wissen um die Grenzen des jeweils anderen. Sie mag Topfenpalatschinken, er hasst rote Rüben. Und beide sind sich bewusst, dass sie gut gemachte Pornos scharf finden.

So entstehen neue Erlebnis- und Erkenntnisräume, und vielleicht auch die Lust, etwas auszuprobieren, das bisher unmöglich schien – oder viel zu verrückt.

Die Fragen gehen - und kommen wieder

Und dann? Die Jahre kommen, die Fragen gehen. Irgendwann scheint’s, als hätte man die Partnerin, den Partner, auswendig gelernt. Was schade ist, weil sich damit die Entdeckungsreise erübrigt: Nix Neues im Süden, alles wie immer: Topfenpalatschinken, Blowjob, einmal nachts pinkeln, mindestens – und noch so vieles mehr. Und es bleibt, wie es war. Was viele vergessen: Dass sich Menschen verändern, und mit ihnen ihre Sehnsüchte oder Wünsche. Beziehung ist genauso ein lebendiges Konstrukt wie ihre Protagonisten. Vielleicht ist da außerdem etwas, das noch nicht besprochen wurde – nur die Gelegenheit, darüber zu reden, hat sich bisher nicht ergeben. Oder man hatte bisher keinen Mut dazu. 

Ja, die Jahre vergehen, und alles scheint verdammt vertraut. Doch da sind auch neue Fragen, die gestellt werden wollen. Sie können die Erotik am Leben erhalten und die eingeschlafene Lust reanimieren. Weil sie einen neuen, ungewöhnlichen Blick aufeinander ermöglichen. Vor allem aber regen sie zum Nachdenken an. Über bisher Verschwiegenes, über Ecken und Kanten oder schlicht darüber, wer und wie wir wirklich sind bzw. sein wollen. So entstehen neue Erlebnis- und Erkenntnisräume, und vielleicht auch die Lust, etwas auszuprobieren, das bisher unmöglich schien – oder viel zu verrückt.

Bleibt nur noch die Frage: Was fragen? Vorweg: Das ist kein Kinderspiel, sondern ein Erwachsenen-Experiment. Da reden zwei über Schmutziges, aber keinesfalls darüber, wer in Zukunft den Mist raustragen soll. Jetzt geht’s ans Substanzielle. Mit Fragen werden zwei auf intensive Weise persönlich. Das eröffnet die Chance, Unbequemes zu verbalisieren, um sich an Grenzen heranzuwagen. Im besten Fall entsteht ein zutiefst erotischer Dialog. Es gibt Fragen, die erregen (Du bist bei einer Fetisch-Party eingeladen: Was trägst du?, Was wäre der seltsamste Ort, an dem wir Sex haben könnten?, Welche sexuelle Fantasie erregt dich, würdest du aber nie real werden lassen?). Und solche, die nachdenklich machen (Wann hast du zum letzten Mal das erste Mal etwas gemacht?, Wie würde der aktuelle Slogan für dein Sexualleben lauten?) Der Sexualtherapeut Ulrich Clement hat dazu vor einigen Jahren ein Buch geschrieben: „Think Love. Das indiskrete Fragebuch.“ Darin ermutigt er Paare, einander auch „dunkle“ Fragen zu stellen – nicht nur heitere, sondern auch solche, die Enttäuschungen und Verletzungen betreffen: „Sie verderben nicht den Spaß, sondern können ihm, wenn sie ernst genommen und nicht verdrängt werden, sogar mehr Substanz geben.“ Außerdem rät er, die Antworten aufzuschreiben, „weil es ein großer Unterschied ist, ob man sich die Antworten nur denkt, oder ob man sie aufschreibt. Man legt sich mehr fest.“ Und das hat noch nie geschadet.

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