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freizeit Leben, Liebe & Sex
02/25/2020

Bouldern: Jetzt kommt der Berg in die Stadt

Bouldern ist in der Mitte der Gesellschaft und in den urbanen Zentren angekommen. Und es geht weiter hinauf.

von Uwe Mauch

Die Schloßgasse in Wien-Margareten gilt nicht gerade als geografischer Höhepunkt eines Landes, das manchmal auch Alpenrepublik genannt wird. Die schmale Gasse ist nicht einmal die höchste Erhebung im fünften Bezirk, der so gut wie nirgendwo an der Marke „200 Meter über dem Meeresspiegel“ kratzt.

Dessen ungeachtet biegen hier an einem herkömmlichen Tag 600 Menschen zur Blockfabrik ab, um dort die Wände hochzuklettern bzw. zu bouldern, wie man auch eine neue olympische Disziplin nennt.

Eine Art Gründerzeit

„Der Berg kommt in die Stadt“, erklärt Michael Schöpf vom Kletterverband Österreich. So wurden in den vergangenen fünf, sechs Jahren in Wien, Graz und in Innsbruck etliche neue Sporthallen eröffnet.

Architekten dieser neuen Gründerzeit sind auch die beiden sportaffinen Götting-Brüder. Christian, der gelernte Tischlermeister, und Simon, der diplomierte Sportlehrer und Sozialpädagoge.

Mit vereinten finanziellen Kräften haben sich die beiden Jungdreißiger Ende 2017 in die lichtdurchflutete Lagerhalle einer einstigen Hinterhof-Druckerei eingemietet. Mit handwerklichem Geschick und praktischem Anwenderwissen konnten sie die alte Halle in eine beliebte Sportstätte verwandeln. Ihre Investition dürfte sich längst rentiert haben: Abends wird die Blockfabrik gestürmt.

Während in den Bergen weiterhin nur ganz wenige Enthusiasten unterwegs sind, wird die Luft in den Hallen der neuen Indoor-Sportart langsam dünn. Dies freut auch Christian und Simon Götting. Ihre Erklärung für diesen Aufwärtstrend klingt plausibel: „Wir sind mit dem Fahrrad oder öffentlichen Verkehrsmitteln gut erreichbar. Nicht zuletzt findet man beim Bouldern schnell Anschluss.“ Eine begeisterte Kundin formuliert es so: „Bouldern ist besser als Tinder und alle anderen Dating-Apps.“

Die Klientel in der Blockfabrik ist mehrheitlich jung, urban, studentisch. Die Götting-Brüder halten fest: „Die Frauen werden mehr – auch Eltern mit Kinderwagen und fitte ältere Semester.“

Einen weiteren Grund für den aktuellen Boulder-Trend beschreibt Kletterverband-Mann Michael Schöpf so: „Viele waren zuvor regelmäßig in einem Fitnesscenter. Bouldern bietet ein ganzheitliches Training der Muskulatur und dazu mehr Abwechslung als das monotone Pumpen an Maschinen.“

Längst zieht es auch die Physiotherapeuten in die Boulderhallen, so wie Daniela Weber. Die Therapeutin begibt sich mit ihren Kunden in die Halle des Alpenvereins in der Wiener Innenstadt: „Ihnen gefällt das Gefühl, wieder richtig Sport zu betreiben. Im Gegensatz zu den strikten Übungen in den Praxen.“ Auch in einigen Kur- und Reha-Anstalten werde daher bereits gebouldert.

45 Millionen Aktive

Ebenso im Kommen ist das Klettern mit Rollstuhlfahrern und Kindern mit besonderen Bedürfnissen, weiß Michael Schöpf. Weltweit hanteln sich laut aktuellen Studien knapp 45 Millionen Menschen von einem bunten Handgriff zum nächsten. Zahlen für Österreich gibt es noch nicht. In Innsbruck, einer Stadt mit rund 130.000 Einwohnern, wurden im Vorjahr 210.000 Halleneintritte gezählt – das sind um 40.000 mehr als noch im Jahr zuvor.

Über den täglichen Massenandrang freut sich selbstverständlich auch die Familie Götting. So haben in der Zwischenzeit auch die beiden jüngeren Geschwister, Franziska und Igor, Beschäftigung im Familienbetrieb in der Schloßgasse gefunden.

Ungesichert 

Bouldern (englisch, „Felsblock“) ist das Klettern ohne Seil und ohne Gurt an einer (künstlichen) 
Kletterwand in Absprunghöhe

Universell

Das Training kräftigt Muskeln, fördert die Beweglichkeit sowie Kondition, Koordination und Konzentration. Es verbrennt bis zu 700 Kalorien pro Stunde

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