Model Iman, später David Bowies Gefährtin, 1989 im Hotel Negresco in Nizza

© Helmut Newton Estate

freizeit
06/16/2019

Lasziv und sexy: So sah Helmut Newton die Frauen

Helmut Newtons Fotografien sind mehr als nur Bilder. Sie erzählen Geschichten, regen die Fantasie an und sie regen auf.

von Eva Gogala

Er fotografierte alles, um sein Leben im Exil zu finanzieren. Hochzeiten, Taufen, Passbilder, Babywäsche. Und legte damit den Grundstein zu einer Weltkarriere. Heute sind die Bilder des 2004 verstorbenen Künstlers Kult.
Als Sohn eines wohlhabenden  jüdischen Knopffabrikanten wuchs Newton als Helmut Neustädter in Berlin auf. „Ich war besessen von der Fotografie“, sagte er über sich selbst, „Ich wollte Rasender Reporter werden.

Seine erste Kamera, eine Zeiss Box Tengor um 3,50 Mark, kaufte  er mit zwölf, mit 18 musste er vor den Nazis flüchten. Die Stationen seiner Flucht: Erst Singapur – wo er als Societyreporter bei Straits Times wegen Unfähigkeit entlassen wurde – dann Australien. In Melbourne eröffnete er nach Jobs als Lkw-Fahrer bei der Armee und Streckenarbeiter bei der Bahn ein Fotostudio.
 

Was für die Straits Times nicht gut genug war, reichte später  immerhin für die Vogue.  Newton wurde zum begehrten Porträt-, Mode-, Werbe-  und Aktfotografen. Mittelmaß und Anpassung waren ihm zuwider. Newton provozierte,  lotete Grenzen aus und manchmal überschritt er sie.  Mit seinen Bildern analysierte er gesellschaftliche Entwicklungen,  sah Dinge, die anderen verborgen blieben und machte sie in seinen Fotografien sichtbar.

Seine Models waren erotisch und lasziv. Prominente zeigte er anders und neu. Newton inszenierte  und schuf eine ganz besondere Atmosphäre. Hinter der perfekten Fassade lauerte Dekadenz. Das trug ihm den Ruf ein,  wie Honoré Daumier oder George Grosz ein Abbild seiner Zeit zu schaffen.

"Sexistisch"

Mitunter  führte das zu Kontroversen. „Emma“-Herausgeberin Alice Schwarzer bezeichnete Newtons Fotos als „sexistisch, rassistisch und faschistisch“. Anders sah das der deutsche Verleger Benedikt Taschen, der vor exakt 20 Jahren das erste Buch im SUMO-Format in einer limitierten Auflage von 10.000 Stück herausbrachte. 100 Porträtierte signierten das erste Exemplar. Es wurde als teuerstes Buch des 20. Jahrhunderts um 620.000 DM versteigert. Der Verleger und der Fotograf wurden Lebensfreunde.
In der Helmut Newton Foundation in Berlin sind die 420 Bilder dieses Buches bis 10. November ausgestellt.

Neu, kleiner, leistbar: Das monumentale SUMO aus dem Jahr 1999 (35,4 Kilo schwer) wurde überarbeitet, in kleinerem Format neu aufgelegt, kostet nun samt einem Making-of-Booklet 100 € und ist soeben erschienen