Tödliche Falle: Was viele Katzenbesitzer daheim übersehen
Halter können sich nicht auf die sprichwörtlichen sieben Leben der Katze verlassen. Der KURIER-Tiercoach erklärt, was Unfälle verhindert.
Wie gelingt es Katzen, sich während des Fallens so zu drehen, dass sie auf den Pfoten landen? Dieser Frage gingen kürzlich japanische Forscher nach. Sie führten Tests mit fünf Kadavern durch und mit zwei lebenden Probanden, die auf weichen Polstern aufsetzten.
So funktioniert der Stellreflex in der Luft
Den Auswertungen zufolge ermöglicht eine anatomische Arbeitsteilung im Rücken den Stellreflex in der Luft: Zunächst dreht die Katze Kopf und Vorderbeine in Richtung Boden. Eine hochflexible Brustwirbelsäule und die leichtere vordere Körperhälfte lassen die rasche Rotation zu.
Zugleich fungiert die steife Lendenwirbelsäule im hinteren Körperbereich als Anker, sodass der Vierbeiner den Vorderteil des Körpers herumschleudern kann, ohne die Kontrolle über die Drehung zu verlieren.
„Halter dürfen sich nicht auf die sprichwörtlichen sieben Leben von Katzen verlassen“, betont Zoodoc Katharina Reitl. Der KURIER-Tiercoach erklärt, welche gesundheitlichen Probleme bei einem Sturz drohen und wie das Zuhause der Vierbeiner gesichert werden muss.
Katzen landen nicht immer unbeschadet auf den Pfoten. „Jene, die aus zu geringer Höhe fallen, können sich nicht schnell genug drehen“, schildert Reitl.
Jene, die von hoch oben abstürzen, prallen mit voller Wucht auf. Die Verwundungen wiegen hier wie da schwer, nicht zuletzt weil gut genährte Wohlstandstiere keine athletischen Wildtiere sind.
Aufprall verursacht Knochenbrüche bis zu tödlichen Verletzungen
Es kann zu Blessuren über Kiefer-, Rippen- und Beckenbrüche bis zu mehrfachen Beinfrakturen kommen. Zudem kann die Lunge geprellt werden, die Leber reißen. Der Blutverlust ist meist massiv. Schädel-Hirn-Traumata enden oft sofort tödlich.
„Katzen sind in der Regel sehr geschickt“, sagt der Zoodoc aus der Ordination Tiergarten Schönbrunn. Doch gerade Jungtiere überschätzen sich; übergewichtige Senioren wiederum büßen an Wendigkeit ein. An rutschigen Geländern gibt es kein Festkrallen. Mitunter springen Neugierdsnasen instinktiv der Beute hinterher und finden dann keinen Halt.
Fenster und Balkon müssen mit Netz oder Gitter gesichert werden
„Daheim können Stürze verhindert werden“, sagt Reitl und erinnert Halter an die Pflicht zum Tierschutz. Engmaschige Netze bzw. Gitter, die fest verankert sind und selbst das Gewicht von Kleinkindern tragen, sichern Fenster und Balkon.
Keile schützen Katzen davor, dass gekippte Fenster zur Gefahr für Leib und Leben werden: Versucht die Katze durch den offenen Spalt ins Freie zu gelangen, bleibt dabei jedoch mit den Hüften stecken, hängt die Last des Körpers am Unterbauch. Blutergüsse, Quetschwunden, die mitunter zur Lähmung führen, und innere Schäden können unheilbare Folge sein. So zieht etwa eine abgedrückte Harnblase eine Harnvergiftung nach sich.
„Katzen überleben sehr viel. Ihre Wundheilung ist meist gut“, sagt der KURIER-Tiercoach: „Prävention ist trotzdem ein Muss. Schließlich verursachen Unfälle Leid und Schmerz, auch wenn sie nicht tödlich enden." Selbst die geschicktesten Katzen beim Fenstersturz sterben.
KURIER Tiercoach
Der KURIER-Tiercoach Frau Dr. Katharina Reitl aus der Tierärztlichen Ordination Tiergarten Schönbrunn gibt exklusiv für den KURIER regelmäßig Tipps zur Haustierhaltung.
Kommentare