Überhitzung bei Haustieren erkennen: Hilfe und Schutz
Die hohen Temperaturen bringen Vierbeiner, Ziervögel und Fische rasch an ihre Belastungsgrenze. Das muss nicht sein.
Niemand entkommt derzeit der Hitze. Um sie gesund zu überstehen, sind Vierbeiner, Vögel und Fische auf die Fürsorge ihrer Besitzer angewiesen. „Überhitzung ist bei allen Haustieren ein Thema. Sogar Wüstenrennmäuse, die von Natur aus viel aushalten, können an einem Hitzschlag sterben“, sagt Zoodoc Katharina Reitl. Der KURIER-Tiercoach nennt die größten Gefahren im Sommer sowie wichtige Schutzmaßnahmen:
1. Selbstschutz ermöglichen: „Sehr viele Haustiere leiden jetzt, weil sie nicht richtig schwitzen können“, sagt Reitl. Hunde, Katzen und Ziervögel etwa regulieren ihre Körpertemperatur fast ausschließlich über die Zunge. Flüssigkeit, die beim Hecheln verdunstet, entzieht dem Organismus Wärme.
Um das Herz-Kreislauf-System nicht zu überlasten, brauchen Haustiere vorbeugend Zugang zu kühlen Rückzugsorten – auf Kühldecke, Fliesen oder im Schatten.
Kühlkissen unter der Liegedecke oder im Aquarium sorgen für Abkühlung
Chinchilla und Hamster, die sich mit schneller Nasenatmung helfen, sowie Kaninchen, die sich zudem über die Ohren Kühlung verschaffen, verkriechen sich in freier Wildbahn im Bau oder graben Mulden. Dieser Selbstschutz muss ihnen erst recht in menschlicher Obhut ermöglicht werden.
Vögel wiederum freuen sich über eine Bademöglichkeit bzw. feinen Sprühnebel aus der Blumenspritze. Aquarien sollten nie direkt am Fenster stehen; das Becken wirkt wie ein Brennglas. Kühlkissen können die Wassertemperatur für Fische senken.
2. Näpfe befüllen: „Die Hitze und das Hecheln machen durstig“, betont die Tierärztin aus der Ordination Tiergarten Schönbrunn. Trinkt der Vierbeiner zu wenig, dickt das Blut ein, es können sich Thrombosen mit lebensbedrohlichen Komplikationen bilden. Trockenes Zahnfleisch und hoch konzentrierter Urin können Zeichen der Dehydrierung sein.
Ein Katzenbrunnen animiert zum Trinken und schützt so vor Dehydrierung
Näpfe sollten daher mehrmals täglich mit frischem Wasser gefüllt werden. Vor allem Katzen lassen sich mit ein paar Wasserschalen in der Wohnung verteilt oder einem Katzenbrunnen zur Flüssigkeitsaufnahme animieren.
Auch die Ernährung muss der Saison angepasst werden. Futter in mehreren kleinen Portionen belastet den Organismus der Haustiere weniger als eine große Mahlzeit.
3. Saisonale Gefahren entschärfen: „Halter unterschätzen, wie gefährlich das ungesicherte Durchlüften der Räume ist“, sagt Reitl. Stürzen Vierbeiner aus dem Fenster oder vom Balkon, ziehen sie sich Blessuren, Brüche oder innere Verletzungen zu. Schädel-Hirn-Traumata enden oft sofort tödlich.
Fenster und Balkone müssen mit Gitter oder Netz gesichert werden
Engmaschige, fest verankerte Gitter bzw. Netze schützen davor. Keile verhindern Unfälle durch gekippte Fenster. Bleibt die Katze stecken, und hängt die Last des Körpers am Unterbauch, können Blutergüsse, Quetschwunden, Lähmung und Organschäden unheilbare Folgen sein.
„Ein Auto in der Sonne heizt sich schnell auf mehr als 40 Grad Celsius auf und wird so zur Todesfalle“, verweist Reitl auf eine weitere Gefahr. Überhitzte Hunde müssen umgehend behutsam auf normale Körpertemperatur gebracht werden. Einen Kreislaufzusammenbruch überleben selbst Jungtiere nur selten.
4. Sanft abkühlen: „Klimaanlagengekühlte Vierbeiner haben häufig mit Kreislaufproblemen zu kämpfen. Sie schätzen falsch ein, wie rasch sie überhitzen“, warnt der Zoodoc. Stress erschwert die Wärmeregulierung durch Atmung.
„Nehmen Sie im Sommer besonders Rücksicht auf Ihren Schützling.“
Haustiere, deren Körpertemperatur bereits bedrohlich gestiegen ist, müssen langsam abgekühlt werden. Feuchte Tücher an Ohren und Pfoten, Kühldecken und Coolpacks leisten gute Dienste. Doch Vorsicht: Ein Kälteschock kann lebensgefährlich sein. Daher ist auch ein Sprung ins erfrischende Wasser tunlichst zu vermeiden.
Schwimmingpools können für Haustiere zur Todesfalle werden
„Schwimmbecken sind ein Risikofaktor“, sagt Reitl. Vierbeiner können Chlor- oder Salzwasser schlucken, unter die Abdeckplane geraten und erschöpft ertrinken. Es gilt: „Haustiere dürfen nie unbeaufsichtigt zum Pool.“
5. Warnsignale ernst nehmen: Hecheln, Apathie, schnelle Atmung, Gleichgewichtsstörungen, Erbrechen und Krampfanfälle können auf eine Überhitzung hindeuten. Bei diesen Symptomen ist dringend ein Tierarzt aufzusuchen.
Bei Herzrhythmusstörungen gibt es kaum noch Rettung. Insbesondere ältere Tiere, langhaarige und dunkelfarbige Vierbeiner sowie chronische Patienten reagieren empfindlich auf hohe Temperaturen.
Der KURIER-Tiercoach schließt: „Bedenken Sie die Gefahren, die Sonne und Hitze mit sich bringen, und nehmen Sie Rücksicht auf Ihren Schützling.“ Coole kommen besser durch den Sommer.
KURIER Tiercoach
Der KURIER-Tiercoach Frau Dr. Katharina Reitl aus der Tierärztlichen Ordination Tiergarten Schönbrunn gibt exklusiv für den KURIER regelmäßig Tipps zur Haustierhaltung.
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