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freizeit
09/24/2019

Gesundheit, Nähe, Moral: Florian Holzer über das Essen von morgen

Essen und Trinken in der Zukunft: In 30 Jahren werden andere Faktoren als nur Geschmack, Menge und Preis eine Rolle spielen.

von Florian Holzer

Womit wir in Zukunft fahren oder fliegen, welche Kleidung wir tragen und natürlich wie unsere Waffen aussehen werden, hat Autoren und Regisseure von Science Fiction-Filmen immer schon viel mehr interessiert als das, was wir demnächst essen werden. Und was ihnen bisher einfiel, war weder attraktiv noch ansatzweise realistisch – „Soilent Green“, Nahrung in Tabletten-Form oder Fix-Fertig-Menüs aus dem "Replicator" …

Es wird sich etwas ändern, das ist klar. Denn so wie wir uns in den vergangenen 50 Jahren ernährt haben, wird es sich noch weitere 50 Jahre einfach nicht mehr ausgehen: Viel zu viel Zucker, Fett und Salz, was uns krank macht; zu viel Verpackung, was Meere und Umwelt verdreckt; Anlieferung von Nahrungsmitteln über Hunderte Kilometer, nur weil sie irgendwo um ein paar Cent billiger sind als vor Ort; Massentierhaltung, die zwar für billiges Fleisch sorgt, aber eben auch für einen massiven CO2-Fußabdruck, vom moralischen Aspekt ganz zu schweigen. Und ganz wesentlich: Wir werden es uns in Zukunft weder leisten wollen noch können, etwa ein Drittel unserer Nahrung wegzuschmeißen.

Müssen wir in Zukunft darben und verzichten? Nein, aber die Wertigkeiten werden sich ändern: Lokales Gemüse wird cool sein, Flugmango dafür eher weniger.

Kommen also Zeiten, in denen wir fasten, darben und verzichten müssen? Nein, sicher nicht. Aber die Wertigkeit wird sich verändern, verändert sich ja heute schon: Obst, Gemüse, Getreide und Hülsenfrüchte aus der näheren Umgebung: cool! Fleisch aus Argentinien und Uruguay, Flugmango und Gänsestopfleber: weniger cool.

Und glaubten wir gestern noch, bald im Reagenzglas gezüchtetes Fleisch zu essen, so zeigt sich heute, dass sehr viel billigeres „Ersatz-Fleisch“ aus Erbsen eigentlich viel besser schmeckt. Werden wir Obst und Gemüse auf Dächern ziehen, Pilze im Keller? Höchstwahrscheinlich. Wird Aquaponik – die Kombination aus Fischzucht und Glashaus – zum Thema werden? Ziemlich sicher.

Und welche Rolle wird das allgegenwärtige Handy spielen? Es wird Apps geladen haben, die mit Sensoren im Verdauungstrakt interagieren und uns sagen können, was wir jetzt gerade essen sollten oder besser nicht. Eine Horror-Vorstellung, aber Versuche in diese Richtung laufen schon, und wenn man sich den Trend zur Selbst-Optimierung anschaut, dann wird das sicher ein Renner. Die Datenschutz-Frage ist bis dahin hoffentlich geklärt.

Das interessanteste Zukunfts-Projekt entwickelte voriges Jahr aber der kalifornische Künstler Jinsoo An: Virtual Reality-Essen! Beim "Project Nourished" setzt man sich eine VR-Brille auf, die einem den 3D-Eindruck eines Tellers mit appetitlichem Essen vermittelt, Geruchsapplikatoren stimulieren außerdem die Nase. Tatsächlich hat man ein Stück geschmacksneutralen Gelees vor sich, das Gehirn lässt sich aber so weit manipulieren und täuschen, dass man zu essen und zu genießen glaubt, was man da – virtuell – vor sich sieht. Das Auge isst mit, im wahrsten Sinne des Wortes. Der Vorteil: Man kann hemmungslos schlemmen, was es entweder gar nicht mehr gibt, was man sich nie im Leben leisten kann, oder was einem die Gesundheit sowieso verbietet. Demnächst in diesem Theater ...

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