hand with painted nails

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freizeit Fragen der Freizeit
03/16/2021

Warum beschäftigt uns ein eingerissener Nagel über Gebühr?

Fragen der Freizeit ... und Antworten, die Sie überraschen werden.

von Andreas Bovelino

"Verdammt!“, ruft sie. „Was ist denn Schatz?“, ruf ich zurück. „Das gibt's doch nicht!“ Jetzt klingt sie nach Ärger. „Kann ich helfen?“, beeile ich mich zu fragen.  „Mein Fingernagel ist eingerissen!“ – „Oh“, sag ich, weil mir spontan nicht mehr dazu einfällt. „Bist du noch da?!“, fragt sie aus dem Bad, während ich mich im Wohnzimmer nach möglichen Verstecken umsehe...

Denn wenn ich ihr rate, den Nagel einfach abzuschneiden, wird sie mich fragen, ob ich wahnsinnig bin, weil sie dann ja alle abschneiden müsste. Feilen stört die Form, aber  wenn sie's lässt, dann macht es sie wahnsinnig, weil sie überall hängen bleibt und wenn sie nicht daran hängen bleibt, muss sie dauernd mit dem Daumen drüberfahren, wie mit der Zunge über einen schmerzenden Zahn oder so.

Warum tun wir das eigentlich? Also immer auf die schmerzende, irritierte Stelle drauf? Ein Erbe aus der Kindheit, sagt die Wissenschaft. Wenn Babys beim Zahnen an den gereizten Stellen herumdrücken, helfen sie den Zähnen damit beim Durchbruch. Und der Schmerz vergeht. Klappt bei uns Erwachsenen nicht mehr, trotzdem tun wir's, sogar bei Pickeln – oder eben bei kaputten Nägeln. 

„Das ist ja schrecklich“, antworte ich schwach. „Du hast ja KEINE Ahnung!“ Stimmt. Ist das jetzt ein persönliches Defizit oder sind „uns“ Fingernägel generell wurscht? Ein Blick auf die Kulturgeschichte des Fingernagels zeigt, dass Männer sich in frühen Zeiten doch intensiv mit ihren Nägeln beschäftigt haben. Die alten Ägypter färbten gern, Sumerer auch, in manchen chinesischen Kulturen ließen Männer sich die Nägel aberwitzig lang wachsen. Der Grund: Mann zeigte so, dass er nicht mit den Händen arbeiten muss. Da man so aber auch auf Männerspaß wie Bogenschießen, Streitwagenlenken oder Mopedfahren verzichten musste, hat sich der Trend nie durchgesetzt. Dafür lassen heute auch Männer ihre Nägel in Profistudios tunen...

Meine Ignoranz ist dennoch nicht untypisch, wie mir Anthropologin Helen Fisher vom Kinsey Institute bestätigt: „Männer sind kaum für Subtilitäten empfänglich. Ihnen geht es um Fortpflanzung, da ist ihnen ein warmes Lächeln wichtiger als bunte Fingernägel.“ Echt jetzt?!

Meine Mutter sagt übrigens, sie schütze einen „verletzten“ Nagel einfach mit Pflaster. Vielleicht gebe ich den Tipp demnächst weiter.

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