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Kolumne
09/23/2019

Warum scheint die Zeit ab einem gewissen Alter davonzufliegen?

Fragen der "freizeit" ... Und Antworten, die Sie überraschen werden. Teil 2 über die Zeit, die unterschiedlich schnell vergeht.

von Andreas Bovelino

Die Sonne ist letzten Freitag um Punkt sieben Uhr untergegangen. So früh, so schnell – wo ist nur der Sommer geblieben? Was ist mit all den Tagen geschehen, den Stunden?  Wir hatten doch gerade erst die Gartenmöbel nach draußen gestellt ...

Im Supermarkt verkaufen sie jetzt Winter- und Weihnachtszeugs, und ja, man kann darüber den Kopf schütteln, aber Tatsache ist, 39 Wochen dieses Jahres sind schon vorbei, es geht in die Zielgerade. Waren die Jahre früher eigentlich länger? Da dauerte doch alles ewig! Allein die Zeit von 1. Advent bis Weihnachten!  Und dann die drei Wochen im Jänner bis zu den nächsten Ferien –  ein fegefeuerlich endloses Martyrium. Wie sich die Zeit dahinschleppte, als man noch Schüler war, bis Ostern und dann, als schmaler Lichtstreif am Horizont endlich wieder Sommerferien. Gut, die dauerten dann gefühlt ein Jahr, eigentlich war es ja  so, dass man gegen Ende hin die Schule beinahe herbeisehnte ... 

Vielleicht ist es im Leben ja wie bei einem langen Urlaub an einem Traumstrand. Zuerst denkt man, man hat alle Zeit der Welt, vielleicht langweilt man sich sogar ein bisschen, weil man irgendeinen Spaßfaktor vermisst. So lange die Tage, die noch kommen, diejenigen, die schon vergangen sind überwiegen. Hat man aber schon mehr erlebt als noch kommt, rast der Rest des Urlaubs nur so an einem vorbei, und ehe man sich’s versieht, sitzt man im Flieger nach Hause.

Und tatsächlich: Eine in Deutschland durchgeführte Studie bei 14- bis 94-Jährigen ergab, dass die Zeit unterschiedlich schnell vergeht. Langsam für die Teenager, etwas schneller für junge Erwachsene –   und immer schneller und schneller ab 50. Warum? „Das Gedächtnis bestimmt die Zeitwahrnehmung“, sagt der Freiburger Psychologe Marc Wittmann.

Heißt: Je mehr man schon erlebt hat, desto weniger Neues, Aufregendes bleibt im Gedächtnis haften. Und je weniger Erinnerungen, desto kürzer erscheint die Zeitspanne. Das Gegenmittel: offen sein und offen bleiben für alles, was da kommt. Sich auf Dinge wirklich „einlassen“ und sie nicht nur abhaken. Denn die beste Zeit unseres Lebens ist immer schon vorbei – wenn es uns nicht gelingt, das Hier und Jetzt zu genießen. In diesem Sinne: Lassen wir die vergangenen 30 Jahre hochleben. Und freuen uns auf den heutigen Tag. Es wird ein ganz spezieller werden ...