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freizeit
11/12/2013

Flugzeug der Hoffnung

Sie bringen das Licht: Die Ärzte von ORBIS in ihrem fliegenden Krankenhaus retten weltweit Menschen vor dem Erblinden oder geben ihnen das Augenlicht zurück.

von Eva Gogala

Nikhil Paudel sitzt auf der Schwelle seines Hauses und summt leise vor sich hin. Mit den Händen gibt er den Takt vor, seine riesigen braunen Augen lächeln. Das Singen ist seine große Leidenschaft. Doch der Neunjährige indonesische Bub ist auch ein begeisterter Radfahrer, spielt gern Cricket und liest alle Bücher, die er in die Hände bekommt. Vor einem Jahr war das noch ganz anders.

Kaum etwas von dem, was er liebte, konnte Nikhil tun. Seit drei Jahren hatte sich die Sehkraft des Buben verschlechtert. Er sah alles nur noch durch einen Schleier. Er konnte dem Unterricht in der Schule nicht mehr folgen, zog sich von seinen Freunden zurück und wurde aus Angst vor dem Spott der anderen Kinder zum schüchternen Einzelgänger. Die Passagiermaschine, die in 18-monatiger Arbeit um 15 Millionen US-Dollar umgebaut wurde, ist ein technisches Wunderwerk.

Die DC 10 ist mit einem Operationssaal im Mittelteil des Flugzeugs, einem Aufwach- und Erholungsraum und einem Raum für Laserbehandlungen ausgestattet. Und es ist gleichzeitig ein „fliegendes Klassenzimmer“, in dem lokale Ärzte ausgebildet werden, damit sie künftig in ihrer Heimat heilen können. Vom Audio/Videoraum aus werden die Operationen an Bord aufgezeichnet und übertragen. Sowohl in den Lehrsaal als auch zu Schulungszwecken in lokale Krankenhäuser. So wurde aus einem ganz gewöhnlichen Flieger ein Flugzeug der Hoffnung. Seit mehr als 30 Jahren ist ORBIS International tätig.

Nikhil litt an grauem Star. Einer Augenerkrankung, die nicht mit einer Brille zu korrigieren ist und die zu Blindheit führen kann. Die transparente Linse des Auges trübt sich. Nur eine Operation hilft. In unseren Breiten Routine, in vielen Entwicklungsländern unmöglich. Nikhil wurde operiert und bekam damit ein neues Leben, in dem er all das tun kann, was ihm Freude bereitet.

Dass das so ist, verdankt Nikhil ORBIS einer internationalen NGO, deren Ziel es ist, weltweit Augenkrankheiten zu heilen und gegen die Erblindung zu kämpfen. Mit Hilfe ihrer einzigartigen fliegenden Augenklinik. Ein Krankenhaus in einem Flugzeug also, das überall dort eingesetzt wird, wo es gebraucht wird. Zahlreiche Augenärzte, Schwestern und Pfleger sind mit an Bord.

Die Idee dazu hatte der texanische Augenarzt David Paton, der die dürftige medizinische Versorgung in vielen Entwicklungsländern aus eigener Anschauung kannte. Die unglaubliche Bilanz: Bisher wurden 23 Millionen Menschen in 90 Ländern behandelt, ein großer Teil von ihnen Kinder, und 325.000 Menschen ausgebildet. Natürlich nicht alle in dem fliegenden Hospital. Zur Strategie von ORBIS gehört auch, Personal in örtlichen Kliniken zu schulen und zu unterstützen.

Außerdem gibt es das Projekt „Cyber-Sight“, bei dem Augenärzte via Internet miteinander verbunden und bei ihrer Arbeit unterstützt werden können, falls nötig auch am anderen Ende der Welt. Der Beweis, wie gut das funktioniert, sind die Patienten, denen ein neues, besseres Leben geschenkt wird. Zum Beispiel der damals drei Monate alte Daffa aus Jakarta in Indonesien, der an einem Glaukom, dem Grünen Star litt. Wäre er nicht operiert worden, wäre er auf einem Auge erblindet. Heute ist er ein aufgeweckter, drei Jahre alter Bub. Die Ärzte in seiner Heimat untersuchen ihn regelmäßig und achten darauf, dass der Grüne Star nicht wiederkommt. Oder Quang Chien aus Vietnam, der vom Schielen befreit wurde. Oder Kefas Sagangala. Und natürlich Nikhil Paudel, der so gerne singt und nicht nur seine Sehkraft, sondern auch seine Stimme zurückbekam und heute ein zufriedenes, fröhliches Kind ist.

www.orbis.org

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