© Gasthaus Reinthaler

freizeit Essen & Trinken
06/30/2020

Eklat um Wiener Traditionsgasthaus: Schwarzer Gast unerwünscht?

Im Wiener Gasthaus Reinthaler soll die Gewerkschafterin Stella Adamu-Fuhs wegen ihrer Hautfarbe nicht bedient worden sein. Die Wirtin bestreitet den Vorwurf.

von Anita Kattinger

Das sonnengelbe Traditionsgasthaus mit Wiener Küche ist dank der Nähe zum Prater im Sommer besonders beliebt. Auf der Homepage betont das Restaurant die Gastfreundschaft: "Unser motiviertes Team bemüht sich jeden Tag von Neuem, unserem und Ihrem Anspruch an Gastfreundschaft sowie Qualität vollständig zu genügen und Ihnen eine schöne Zeit bei uns zu ermöglichen."

Stella Adamu-Fuhs kann das nicht bestätigen: Die schwarze Gewerkschafterin wollte am Donnerstag vor zwei Wochen ihren Tag im Gasthaus Reinthaler (1020 Wien, Stuwerstraße 5) nach einem Spaziergang im Prater ausklingen lassen. Allerdings soll der Kellner die Aufnahme der Bestellung aus rassistischen Gründen verweigert haben. Weil eine Freundin der Betroffenen dies auf Twitter publik machte, wurde der Sachverhalt diese Woche bekannt.

Im Interview mit dem KURIER schildert die Gewerkschafterin den Abend zwischen 19 und 20 Uhr: "Nachdem wir uns hingesetzt haben, hat uns der Kellner gefragt, ob wir die Speisekarte haben wollen. Wir haben bejaht, allerdings kam er nicht wieder. Am Anfang ist uns das gar nicht aufgefallen: Es war ein warmer Tag, der Gastgarten war nicht voll. Später ist uns aufgefallen, dass der Kellner auf zahlreiche Handzeichen nicht reagiert hat, aber andere Tische bedient hat und auch dort immer wieder gefragt hat, ob alles passt."

Nach 30 Minuten habe das Paar beschlossen, dem Kellner noch 15 Minuten Zeit zu geben: "Mir ist dann aufgefallen, dass eine Runde von Männern zu mir schaut und uns unangenehm anstarrt. Da ist mir dann bewusst geworden, dass ich nicht erwünscht bin."

Kirsten Reinthaler, seit 15 Jahren Chefin des Gasthauses, war an diesem Tag nicht im Betrieb. Sie bezeichnet die Kommentare in den sozialen Medien als "Katastrophe": "Ich weiß nicht, ob es Verleumdung, Hetze oder ein Missverständnis ist. Ich führe das Gasthaus mit Herzblut: Es kann vorkommen, dass jemand übersehen wird, aber dass jemand bewusst nicht bedient wird, kommt bei mir nicht vor."

Die Wirtin vertraue ihren Kellnern, laut diesen hätten Adamuh Fuhs und ihr Begleiter ihre Getränke bekommen: "Warum sollten sie danach ignoriert werden? Ich werde hier in ein Eck gestellt, das lasse ich mir nicht gefallen. Ich würde gerne mit der Dame ein Gespräch führen und lade sie zu mir ins Gasthaus ein. Ich will ihr beweisen, dass der Vorwurf nicht gerechtfertigt ist."

Übrigens gibt es in Wien mehrere Wirtshäuser namens Reinthaler, die in keiner Verbindung zueinander stehen.

Wie soll es jetzt weitergehen? Das Gesprächsangebot möchte sie vorerst nicht annehmen. Adamu-Fuhs wird den Fall aber an den Anti-Rassismus-Verein Zara sowie an die Gleichbehandlungsanwaltschaft weiterleiten und sich beraten lassen. "Nicht nur für mich, auch für andere ist das wichtig."

Was der Wirt darf und was nicht

In den sozialen Medien wird gerne vom Hausrecht des Gastwirts gesprochen. Damit wird suggeriert, dieser könne sich seine Gäste aussuchen. Das stimmt so nicht: Zwar können Restaurants oder Clubs Dresscodes vorschreiben, es gelten aber die Anti-Diskriminierungsgesetze. Ein Lokalbetreiber darf Gäste nicht wegen ihrer Hautfarbe, ihres Geschlechts, Staatsangehörigkeit oder Religion benachteiligen.

Das Gleichbehandlungsgesetz sieht hierzulande sogar eine sogenannte Beweislastverschiebung vor: Der oder die Betroffene muss nur glaubhaft machen, dass er oder sie diskriminiert wurde. Daraufhin muss die Gegenseite beweisen, dass sie nicht diskriminiert hat. Besonders häufig sind Fälle rund um die Einlassungspolitik in Lokalen und Clubs.

Im Jahr 2019 gingen in der ZARA-Beratungsstelle für Betroffene und Zeugen von Rassismus 1.950 Meldungen ein. Laut dem Verein seien die rassistischen Fälle während der Corona-Ausgangsbeschränkungen vor allem online beobachtet worden (zu 87 Prozent). In den vergangenen Wochen wurde ein starker Anstieg der Meldungen in den Beratungsstellen registriert, alleine im Juni wurden rund 400 Fälle gemeldet.

Die aktuelle Unsicherheit sei ein idealer Nährboden für rassistische Narrative und würde dazu genutzt, rassistische Stereotype zu verbreiten.

Dilber Dikme, Leiterin der ZARA Beratungsstellen, appellierte vor wenigen Wochen: "Wir können diese kritische Zeit nur gut meistern, wenn wir alle zusammenhalten. Für Solidarität und Zivilcourage darf es keinen Ausnahmezustand geben. Schauen Sie hin, wenn Sie auf Rassismus stoßen – egal ob online oder offline. Sagen Sie klar, dass Sie damit nicht einverstanden sind und melden Sie den Vorfall bei ZARA. Zivilcourage ist ein machtvolles Instrument, um Rassismus entgegenzutreten."

 

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