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Freizeit-Interview
07/05/2021

Elke Sommer: „Ich war immer die Little Miss Sunshine“

Der Weltstar über die Entdeckung in Viareggio, Erfolge in Hollywood samt Wiederentdeckung durch Quentin Tarantino.

von Bernhard Praschl

Nur zwei Titel fehlen ihr auf 100 gedrehte Spielfilme. Respekt, Respekt! Entdeckt von Regisseur Vittorio De Sica legte die 1940 geborene deutsche Blondine Elke Schletz eine beeindruckende und lange Filmkarriere in Italien, England und den USA hin. Legendär sind ihre Auftritte in der TV-Show von Dean Martin, ihre Späße mit „Pink Panther“-Star Peter Sellers und auch ihre Schallplattenaufnahmen.

Zu ihrem runden Geburtstag vor einem Jahr hieß es in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung „Es ist allerhöchste Zeit, das Werk Elke Sommers wiederzuentdecken“. Das hat sich offenbar auch Quentin Tarantino gedacht, der sie schon zuvor in seinem Meisterwerk „Once Upon a Time in Hollywood“ hochleben ließ.

Freizeit: Nach einem kühlen Frühling ist jetzt endlich Ihre Jahreszeit: Sommer. Sie wurden als Elke Schletz geboren und als Elke Sommer weltberühmt. Wer gab Ihnen diesen Namen?

Elke Sommer: Das war reiner Zufall. Als ich in Italien ungewollt und unverständlicherweise zum Film kam, suchte ich nach einem Namen, um den meines Vaters nicht zu verunglimpfen. Die Italiener konnten mit Schletz nicht viel anfangen, und als von mir ein Foto im Bikini in Viareggio ausgerechnet im Corriere della sera erschien, bezeichneten die mich  als „Wirbelwind des Sommers“. Das gefiel mir und so wurde ich Elke Sommer. 

Sie haben ja auch ein sehr fröhliches, geradezu sommerliches Gemüt.

Ich hatte immer guten Sinn für Humor. Fröhlich schon, aber es gibt bei mir auch eine Schattenseite des Denkens und Analysieren und des Kritischseins auch sich selbst gegenüber. Das war ich immer, selbst als ich jung war.

Dieser Schnappschuss, der sie berühmt machte, entstand bei Ihrem ersten Urlaub am Meer. Ein Selfie war das wohl noch nicht?

Wo denken Sie hin, ich verwende noch immer kein Handy. Ich war damals siebzehn Jahre alt und ging mit Zweiteiler ins Meer schwimmen. An einem Sonntag! Die Kinder, die mit ihren schwarzen Gewändern eben von der Kirche kamen, gingen mir bekleidet ins Meer nach. Das hat zufällig jemand fotografiert, die Aufnahme landete zuerst in einer Zeitung in Berlin. Und erschien dann in besagtem Corriere della sera. Der Regisseur Vittorio De Sica war gerade auf der Suche nach einer Person, die eine Touristin spielen sollte, und ließ mich in der Pension ausforschen, in der ich mit meiner Mutter wohnte.

Sagte Ihnen damals der Name Vittorio De Sica schon etwas? Gingen Sie als Tochter eines Pfarrers in der deutschen Nachkriegszeit regelmäßig ins Kino?

Mein Vater starb leider schon als ich fünfzehn Jahre alt war. Ich kann mich nur an zwei gemeinsame Kinobesuche erinnern, ich glaube, eine Komödie mit Heinz Rühmann war dabei. Also, die Welt des Showbiz war mir sehr lange sehr fremd.

Siebzehn Jahr’, blondes Haar, kein Wunder, dass die Italiener verrückt nach Ihnen waren. Und nicht nur die ...

Ich habe nichts getan, um meine Filmkarriere voranzutreiben. Ich sprach früh viele Sprachen, das hat sicher geholfen. Latein und Griechisch lernte ich, da es mich eigentlich zur Medizin hinzog. Als Au-pair-Mädchen in England machte ich ein Englisch-Diplom in nur neun Monaten statt in den üblichen eineinhalb Jahren. Auch Dolmetscherin war mir als Beruf vorgeschwebt.

Und dann machten Sie eine Weltkarriere, spielten an der Seite von Robert Mitchum, Dean Martin, Stewart Granger und anderen Stars.

Ehrlich gesagt wusste ich nie, wie begehrt ich war. Es war so, dass ich häufig als „The Most Beautiful“ oder „The Most Wanted“ bezeichnet wurde. Natürlich bereitete mir das Freude. Aber ich lebte und lebe mein Leben und da betrachtete ich die Arbeit für den Film eben als Arbeit und nicht als Mittel, um mich als Star stolz im Scheinwerferlicht zu präsentieren.

Sie leben das halbe Jahr über im deutschen Frankenland und im Winter in Los Angeles.

Wegen der blöden Pandemie ging das zuletzt nicht mehr. Und ich denke auch schon daran, das Haus in Los Angeles zu verkaufen.

Dabei sind Sie in Hollywood ein größerer Star als in Deutschland. In Quentin Tarantinos „Once Upon A Time In Hollywood“ gibt es zwei prägnante Szenen, in denen auf Ihre damalige Filmpremiere im Sommer 1969 hingewiesen wird. Sie spielten damals in „The Wrecking Ball“/„Das Rollkommando“ neben Dean Martin die zweite Hauptrolle. In einer weiteren Rolle ist Sharon Tate zu sehen. Hat Sie Tarantino zuvor darüber informiert?

Nein, aber Quentin Tarantino liebt mich. Er spricht von mir in Interviews als „My Favourite Girl“ und er ist eben ein totaler Fan der Sechziger Jahre. Ein Verrückter, aber liebenswert verrückt.

Sharon Tate war Ihre Kollegin. Welche Erinnerungen haben Sie an sie?

Als wir gemeinsam für die Spionage-Komödie „Das Rollkommando“ vor der Kamera standen, kam sie abends nach Drehschluss fast jeden Tag zu mir zum Essen. Wir haben uns gut verstanden. Sie war sehr unglücklich, und es ist schrecklich, was ihr widerfahren ist. Deswegen fand ich gut, dass Tarantino diesen Teil der Geschichte von Los Angeles (Anm.: die so genannten Tate/LaBianca-Morde der Manson Family 1969) thematisiert hat. Sehr brutal, aber diese Geschichte von Los Angeles ist eben auch sehr brutal.

Sprechen wir von Erfreulicherem. Auf Youtube kursieren viele Clips von Ihren Filmen, aber auch von Ihren Auftritten in US-amerikanischen TV-Shows, etwa jener von Dean Martin. Der kriegt sich gar nicht ein vor Begeisterung über Sie.

Ach, Dino (seufzt). Der war großartig. Dean Martin, Bob Hope, Andy Williams, Pat Boone, Frank Sinatra, sie alle haben sich gestritten, zu wem ich nun in die Show komme. Ich konnte ja nur in eine. Und da habe ich mich eben bemüht.

Fehlt Ihnen Hollywood?

Überhaupt nicht. Hollywood mit dem grässlichen Schild auf den Hügeln! Hollywood, diese Bezeichnung ist ja schon verlogen. Die Filmstudios befinden sich alle außerhalb. Das Zentrum von Hollywood, der Hollywood Boulevard, ist schmuddelig, es ist ein Wunder, dass der Name so positiv besetzt ist. Für mich hieß er vor allem eines: Arbeit.

Da spricht wieder die fleißige Arbeitsbiene aus Ihnen.

Ja, natürlich. Als ich klein war, hatten wir 70 Mark für das ganze Monat. Damit mussten wir auskommen. Wir hatten gar nichts. Ich bin streng erzogen worden; streng, aber gerecht. Mein Wunsch wäre gewesen, meinem Papa eine schöne Zigarre zu kaufen. Leider durfte er das nicht mehr erleben. Ein paar Jahre später hätte er alles gehabt.

Später? Sie meinen, als Sie als die „deutsche Bardot“ zum bekannten Gesicht geworden sind und Ihnen viele Filmrollen angeboten wurden?

Dieses Beiwort verpasste mir die deutsche Presse. Ich fing nie etwas damit an.

Weil Sie unvergleichlich sind?

Sagen wir so: Als ich in London als Au-pair-Mädchen war, nannte mich meine Gastfamilie „Little Miss Sunshine“. Das hat mir besser gefallen. Dort hatte ich drei Kinder zu betreuen, die jede Nacht geschrien haben. Meine gute Laune ließ ich mir trotzdem nicht nehmen. Aber ich war schon sehr froh, als ich mir meinen ersten Urlaub leisten konnte, am Meer unter der Sonne Italiens.

Die Sonne zieht sich also doch durch Ihr Leben?

Am liebsten aber auf dem Land. Ich bin ein Landmädchen und kein Citymensch. Das war ich immer. Was mich zufrieden macht, sind Tiere und Landwirtschaft.

So nebenbei machten Sie sich auch einen Namen als Bildende Künstlerin. Ihre Bilder signieren Sie allerdings mit dem E. Schwartz. Warum das?

Ich male von klein auf und wollte, als ich schon bekannt war, mir nicht als Schauspielerin Elke Sommer Vorteile verschaffen. „Schwartz“ fand ich als Name ganz amüsant, weil ich doch eher bunte Bilder male.

Gibt es noch andere skurrile Eigenheiten oder Erlebnisse in Ihrem Leben?

Weil wir gerade von „schwarz“ sprachen: Nach den Dreharbeiten von „Ein Schuss im Dunklen“ mit Peter Sellers in den Pinewood Studios wollte mich die Queen kennenlernen. Alle meinten, da musst du einen Knicks machen und weiße Handschuhe tragen. Hatte ich nicht. Ich hatte nur ein schwarzes Kleid und schwarze Handschuhe und wollte nichts für neue Kleider ausgeben.

Bekamen Sie die Queen dennoch zu sehen?

Ja, natürlich. Die war sehr nett und freundlich und reagierte überhaupt nicht pikiert, als ich ganz in Schwarz daherkam.

Sie haben auch einige Schallplatten besungen, unter anderem mit einem Lied, dessen Thema zeitlos ist: „Partner-Suche“. Wie fanden Sie Ihren Lebenspartner?

Durch Zufall. Ich machte ein Musical in New York und war auf der Suche nach einer Unterkunft. Mir fiel das „Essex House“ ein, dessen Manager ich kannte. Der war nicht mehr da, aber sein Nachfolger. 2018 haben wir Silberne Hochzeit gefeiert.

Wie kann man sich einen Tag im Leben der Elke Sommer vorstellen?

Du meine Güte. Jetzt habe ich einen Rhabarberkuchen gemacht, an dem bald das halbe Dorf mitisst. – Ganz normal halt, ich habe immer gerne Freunde um mich. In Los Angeles kam uns Steve Vai gerne besuchen, zu Weihnachten.

Steve Vai, der ehemalige Gitarrist von Frank Zappa?

Ja, der. Ich hatte immer mehr Freunde unter Musikern als unter Schauspielern.

Zwei Filme fehlen auf Hundert. Wird sich das noch ausgehen?

Vergangenes Jahr wäre ich dem Ziel fast ein Stück näher gekommen, aber dann wurde eine geplante Produktion wegen der Pandemie gestoppt. Schauen wir mal.

Wir drücken die Daumen! Vielen Dank für dieses Gespräch und noch einen schönen Sommer.

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