© ALBERT WATSON

freizeit
11/16/2019

Ein Auge fürs Besondere: Fotograf Albert Watson

Albert Watson ist einer der größten Fotografen in der Geschichte dieser Kunst. Rechtzeitig zum 77. Geburtstag des Meisters geht in der Berliner Galerie Camera Work eine umfassende Ausstellung über die Bühne.

von Andreas Bovelino

Naomie Campbell, Jack Nicholson, Steve Jobs – man kann sich belastbarere, geduldigere Menschen vorstellen, wenn's darum geht, einem Fotografen Modell zu stehen.

Oder Alfred Hitchcock! Für Langmut ist der legendäre Regisseur nicht bekannt, eher für Zornausbrüche und richtig fiesen Sinn für Humor.Ausgerechnet eine Session mit dem gefürchteten Herrn Hitchcock sorgte 1973 allerdings für den internationalen Durchbruch des schottischen Fotografen Albert Watson. Es war das erste Mal, dass Watson, damals ein noch relativ unbekannter Modefotograf, eine Berühmtheit fotografieren sollte. Harper's Bazaar wollte eine Story über die kaum bekannte Tatsache, dass der Meisterregisseur ein begeisterter und ausgezeichneter Hobbykoch war.

Statt eines vollendeten Gänsebratens auf silbernem Tablett drückte Watson Hitchcock eine rohe, gerupfte Gans in die Hand. Der Filmemacher mit dem schrägen Schmäh war begeistert und spielte mit. Watson wurde mit einem Schlag weltberühmt. „Das ist die wichtigste Aufnahme meiner Karriere, denn sie schuf Vertrauen in mein Können“, sagt Watson selbst über dieses Bild.

Und was für ein Vertrauen es schuf! Über 250 Coverfotos allein für die Vogue, Tausende von Mode-Kampagnen für Dolce & Gabbana, Prada und Chanel, Gap, Levi’s, Revlon, 650 Werbefilme und etliche Musikvideos hat er gemacht, die Posters für Filme wie Kill Bill, Memoirs of a Geisha, und den Da Vinci Code.

Aber der Mann, der Grafik-Design und Film am Royal College of Art in London studiert hat, ließ sich von der Modewelt nie vollends vereinnahmen. Genau so intensiv beschäftigt er sich fotografisch mit der Landschaft seiner schottischen Heimat, den Straßen von Las Vegas, Sanddünen der Sahara oder Baumwollpflückern in Benin. Genial sind auch seine Fotoserien mit Schimpansen. Und dann wieder: geniale Frauenbilder, wie das von Supermodel Christy Turlington unter einem Schleier.

Diese beinahe chaotische Motivwahl gilt allgemein auch als Grund, warum Watson, der von Kritikern in einem Atemzug mit Irving Penn und Richard Avedon genannt wird, im allgemeinen Bewusstsein nicht so präsent ist, wie diese beiden Fotografen oder auch wie ein Helmut Newton.

„Gut war, dass mich immer alles interessiert hat. Schlecht war, dass mich alles interessiert hat. Daran hat sich nichts geändert. Alles, was ich mache, mache ich gerne. Mich reizt die Idee, erst in Paris Haute Couture für die Vogue zu fotografieren und anschließend für Aufnahmen von Tutanchamuns Grabbeigaben nach Kairo zu fliegen. Ich finde einfach alles spannend.“

Albert Watson ist seit seiner Geburt auf einem Auge blind. Im metaphorischen Sinn lässt sich das über ihn auf keinen Fall sagen. Dass er ein Auge für die Schönheit hat hingegen schon.

Passend zu Albert Watsons Einblicke empfiehlt Freizeit Redakteur Andreas Bovelino weiters:

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