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freizeit
09/18/2021

Claudia Schiffer über die Macht der Supermodels und die Neunziger

Claudia Schiffer gehörte in den Neunzigerjahren mit einigen wenigen Kolleginnen zur Riege der Supermodels und genießt seither Kultstatus. Nun zeigt die Deutsche erstmals ihr illustres Fotoarchiv in der Schau „Modefotografie der 90er“.

von Christina Michlits

Auf der Tanzfläche einer Düsseldorfer Disco feiert die 17-jährige Claudia Schiffer mit Freunden und trinkt Bier, als sie ein Modelscout anspricht. Nur ein Jahr später läuft sie für Karl Lagerfeld über Pariser Laufstege und gehört Anfang der Neunziger mit Kolleginnen wie Naomi Campbell und Cindy Crawford zur Garde der Supermodels. Über 1.000 Titelbilder ziert die Rheinländerin, die heute mit ihrer Familie zurückgezogen in einem schlossähnlichen Anwesen nahe London lebt. Schon immer sehr mode- und kunstinteressiert, zeigt die 51-Jährige nun erstmals ihre umfangreiche Fotosammlung in der Ausstellung „Captivate! Modefotografie der 90er“.

Der Freizeit hat sie eines ihrer wenigen Interviews gegeben – über ihren ersten Job als Kuratorin, Lieblingsfotografen, TV-Serien und ihren Beauty- und Fitnessalltag.

Sie wurden als Supermodel bekannt, die Perfektion und gesundes Aussehen ganz nach Barbies Vorbild ausstrahlten. Wie kam es überhaupt zu dieser Zusammensetzung?

Claudia Schiffer: Supermodels waren eine Kreation zum Start der Neunzigerjahre. Wir waren sehr unterschiedlich im Aussehen und was die Nationalitäten anging, aber wir wurden zusammen zu einer großen Macht. Ich glaube, dass wir zur Zeit der Rezession den Glamour und den Optimismus am Leben erhalten haben. Als die Wirtschaft wieder an Fahrt aufnahm, waren wir plötzlich das weltweite Symbol für eine expandierende Modewelt.

Eine Demokratisierung von Mode setzte ein und die Fashionmarken haben ein Vermögen gemacht – das hat die Supermodels in diesem Umfang erst ermöglicht. Wir haben bewiesen, dass wir im Kollektiv für viele Brands wie Versace, Chanel oder Dolce & Gabbana wahres Dynamit sind.

Heute sind viele Models fitnessverrückt und wollen sich möglichst gesund ernähren. Wie sieht es mit ihrer Fitness- und Beautyroutine aus?

Beim Sport mag ich die Abwechslung. Ich mache jeden Tag etwas anderes – 15 Minuten Bauchmuskeltraining oder ich gehe am Laufband, während ich TV schaue. Derzeit übrigens „Weissensee“ mit meinem deutschen Netflix-Abo, „Gilmore Girls“ und „Friends“ – was mich immer so sehr daran erinnert, wie ich in den Neunzigern in New York gelebt habe.

Ich mache aber am liebsten daheim mit Freunden Sport – Cardio, Yoga oder Tennis. Eine Gruppe motiviert einen und es macht viel mehr Spaß als alleine.

Was meine Beautyroutine angeht, habe ich so viele Jahre auf Fotoshootings mit viel Make-up und grellem Licht verbracht, dass ich schon früh angefangen habe, auf meine Haut zu achten. Mir ist sehr wichtig, was wir in der Familie essen, denn damit nähren wir auch unsere Haut und Haare. Ich setze bei der Pflege auf Bamford Skin – das ist luxuriöse Naturkosmetik.

In den Neunzigern haben Sie mit wirklich allen weltbekannten Fotografen gearbeitet. Hatten Sie einen Liebling oder hat Sie jemand besonders geprägt?

Ich habe mit so vielen Fotografen gearbeitet, die auch zu Mentoren für mich wurden. Personen wie Ellen von Unwerth, Herb Ritts, Richard Avedon, Arthur Elgort und Universalgenie Karl Lagerfeld. Sie alle haben mir einen ehrlichen Einblick in ihre Kunst ermöglicht, aber auch in den Prozess rund um Regie, Bearbeitung und Veröffentlichung von Bildern.

Avedon hat beispielsweise einen Choreografen mit ans Set einer Versace-Kampagne gebracht, der uns zeigte, wie wir uns richtig bewegen. Er hat auch oft vor einem Spiegel fotografiert, damit wir unsere Posen sehen konnten.

Und Ellen von Unwerth war die erste Fotografin, mit der ich zusammengearbeitet habe. Ihre Fotos haben sowohl meine als auch ihre Karriere gestartet, als wir für Guess gearbeitet haben. Es war ein perfektes Shooting, weil es eine Chemie zwischen Freunden war.

Herausgestochen hat außerdem Herb Ritts, der ein Auge für Schönheit hatte wie niemand anderer. Egal, ob draußen oder im Studio, seine Fotos haben nie eine Retusche gebraucht. Er hatte immer den perfekten Schuss.

Ihr legendärstes Fotoshooting?

Einer der aufregendsten Jobs war mit Arthur Elgort in Rom. Wir stellten den Fellini-Kultfilm „La Dolce Vita“ für eine Valentino-Kampagne nach und ich spielte Schauspielstar Sylvia. Wir haben dabei immer mehr Schaulustige angezogen, bis wir schließlich tatsächlich die gleichen Szenen ungewollt nachspielten.

Wir wurden von Paparazzi und der Menschenmasse verfolgt, ganz genauso wie im Film. Bei der Balkon-Szene kreischten alle Leute „Sylvia“, als ich ihnen zuwinkte. Es war surreal.

Sie interessieren sich auch privat sehr für Mode und haben ein eigenes Gebäude, in dem sie ein Mode-Archiv angelegt haben. Was sind ihre größten Schätze?

Meine ganz speziellen Stücke sind eine handbemalte Chanel-Tasche, die mir Karl Lagerfeld geschenkt hat, weil sie mir bei einem Fitting so gut gefallen hat. Ein Metallic-Minirock von Versace aus Giannis Neunziger-Kollektion ist dabei, ein Blumenkleid von Dolce & Gabanna, ein Bustier von meiner ersten Guess-Kampagne und natürlich mein Hochzeitskleid von Valentino.

Das sind Schätze, die ich gerne noch einmal tragen will und die ich meinen Töchtern vererbe.

Wie sind Sie nun eigentlich dazu gekommen, eine Ausstellung zu kuratieren?

Ich wurde von Felix Krämer dazu eingeladen, dem Direktor des Kunstpalasts. Schon seit Beginn meiner Karriere sammle ich Modefotos und habe wahre Meister bei ihrer Arbeit beobachten können. Meine persönliche Sammlung war die Grundlage der Ausstellung.

Ich war zum ersten Mal als Kuratorin tätig, und mein Ziel war es, die kreative, freiheitsliebende Modeästhetik dieser Jahre greifbar zu machen, die eine ganze Generation prägte.

Und was sind Ihre nächsten Vorhaben?

Ich bin wirklich glücklich mit dem, was ich mache. Kollaborationen im Design-Bereich und kuratierend tätig zu sein, fühlen sich ganz natürlich wie die nächsten Schritte an. Ich habe Glas- und Keramik-Kollektionen mit alten portugiesischen Labels entworfen und gerade wurde eine Model-Kollektion mit Realisation Par gelauncht, die ich über meine Tochter Clementine kennengelernt habe.

Die Entwürfe sind sehr von den Neunzigerjahren inspiriert. Ein Pünktchenkleid aus Seide zum Beispiel, das ich damals selbst täglich getragen habe – womit wir wieder am Beginn meiner Karriere wären.

„CAPTIVATE! MODEFOTOGRAFIE DER 90ER“ im Kunstpalast Düsseldorf,
15. 9. 2021  – 9. 1. 2022.

Schiffer zeigt 150 Bilder von Künstlern, die einige der bekanntesten Fotos der Welt kreierten. Katalog zur Ausstellung  ab sofort erhältlich (55 €, Prestel)

Claudia  Schiffer, wird 1970 als Tochter eines Rechtsanwalts in  Rheinberg geboren. Mit 17 wird sie  als Model entdeckt. Designer Karl Lagerfeld macht sie über Jahre hinweg zu seiner Muse.

Sie gilt als eines der erfolgreichsten Models aller Zeiten und bleibt in all den Jahren gänzlich skandalfrei. 2002 heiratet sie Filmproduzent Matthew Vaughn. Sie haben die Kinder Clementine, Caspar und Cosima und leben in England. Schiffers Vermögen wird auf 50 Mio. Euro geschätzt

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