freizeit
20.02.2018

Cheers & Prost! Neue Cocktail-Bars in Wien

Früher waren es gerade eine Handvoll, jetzt gibt es in Wien gleich mehrere Dutzend: coole Cocktail-Bars. Die FREIZEIT hat die neuesten und spannendsten besucht und stellt Barkeeper sowie deren Signature Cocktails vor.

Clandestino

Shabby Chic

„Shabby Chic“, sagt Barkeeper Daniel Schober. „Sehr cool und aufregend“, sagen wir. Den Drink, den er uns mixt, kann freilich nur er unfallfrei aussprechen – „Oaxaca Masacca“. Klingt verwegen und schmeckt nach Mezcal sowie Roten Rüben. Die Rezeptur ist natürlich ein Geheimnis, wie auch die internationale Erfahrung des kundigen Barman offenkundig ist. Von Barcelona über Berlin zurück nach Wien war der Weg zur eigenen Bar im 50er-Jahre-Style. Der besondere Gag dabei: Ganz wie zu Prohibitionszeiten muss man erst an die Tür des Kellerlokals von Klaus Pibers Restaurant „Mercado“ klopfen, um Einlass zu erhalten. Schober ließ die Theke nach seinen eigenen Vorstellungen herstellen, damit er alles perfekt in Reichweite hat.

Wer den Signature Drink „Oaxaca Masacca“ genießen will, braucht eines – die Visitenkarte. Sie wird im darüberliegenden Restaurant Mercado ausgegeben
1. Stubenring 18, Mi-Sa19-2h www.clandestino.at

Josef Bar

New Fashioned

Stil, Sound, Smartness – und (Molekular-)Schaum: Aus den Speakern kommen Frank Sinatra und Sammy Davis Jr., in die Gläser Originelles wie ein „M & M’s“. Philipp M. Ernst erweist damit dem Vater des trockenen Martini Referenz, dem „Martinez“. Die Ingredienzien: Tanqueray No.10 (Gin), Antica Formula (Wermut), Orange Bitters, Chocolade Bitters. On Top: Thomas Henry Spicy Ginger Foam. By Side: M&M’s.
1. Sterngasse 1, Di-Sa 18-3h, www.josef-bar.at

AI

Urban Chic

July aus Tirol ist erst seit ein paar Monaten in Wien. Aber eines hat die Barmaid im Goldenen Quartier gleich erfasst: An der Bar sind alle gleich. Wenn July die Zutaten zu ihrem „Made in Japan“ vor sich ausbreitet, erschrickt anfangs jeder. Was ist das denn, ein Heuschreck? Ja, ein frittierter, sagt sie dann. Und platziert das Insekt über dem Mix aus Diplomático-Rum und Sirup aus Tonkabohnen sowie Tamarind. Wer kann da widerstehen? Niemand, betont July. Und wir schlucken ...
1., Seitzergasse 6/1,So-Mi 19-1, Do-Sa -2h, www.airestaurant.co

Matiki Bar

Aloah!

Das Design ihrer Bar, darauf legen Matty und Arik Vinnitski wert, ist nicht kitschig. Trotzdem wollten die beiden Brüder ein wenig Südsee-Flair nach Wien bringen – im Tiki-Style, sprich farbenfreudige Drinks, außergewöhnlich inszeniert. Das Comeback von „Piña Colada“ und „Zombie“, serviert in Ananas- oder Kokosnuss-Schalen! „Das war immer ein Teil der Bar-Kultur, und hat in Wien noch gefehlt.“ Verstaubt? Iwo. Dank Barfrau Zoë Heins (o.) schmecken die Klassiker von gestern heutiger als je zuvor.
7., Gardegasse 2, Mo-Do 18-2 Uhr, Fr & Sa 18-3h www.matiki.at

Bar 3

American Bar

Man braucht kein ausgewiesener Barfly zu sein, um schon einmal von einem Amaretto Sour gehört zu haben. Bei dem Drink, den Dejan in der Bar 3 in Wien 3 serviert, gehört jedoch mehr dazu. Allein zur Entstehungsgeschichte des „Da Vinci Sour“ kann der Bar-Profi ganze Bände erzählen: Anekdoten und Kunstgeschichtliches. Immerhin spielt bei seiner Variation des Digestifs auch Bernardino Luini, einer der Schüler Da Vincis, eine Rolle. Wie das? Lassen Sie es sich von Dejan erzählen. Dann schmeckt der Cocktail gleich noch viel voller und fruchtiger.
3., Salesianerg. 25/1, Mo-Do 17-1h, Fr&Sa 17-3h, www.bar3.at

Stadtbar

Vorhang auf

Kaveh Ahi hat schon als junger Mann von der eigenen Bar geträumt und sich den Traum nun erfüllt. „Wie immer müssen aber Dinge, die ich tue, anders sein als das schon Vorhandene“, sagt der Ex-Manager des Wiener Volksgartens. So hat er Wien mit der Stadtbar architektonisch ein Denkmal gesetzt (mit Jahrhundertwende-Fliesen, gerettet aus Abbruchhäusern) – und seinen Nachbarn, der Oper und dem Kult-Würstelstand Bitzinger auch: mit einem Samtvorhang, roten Logen und ein Drink namens „Krainer“. Gemixt wird der von Barman Metin Clark Tyel, der schwört: „Wodka, Kren und Senf passen wunderbar zusammen.“ Sein Lieblingsdrink ist aber der Vieux Carré, ein hundert Jahre alter Drink aus New Orleans mit Cognac, Wermut, Whiskey und Bitters – extrem stark und nichts für die Massen. „Als Barkeeper riecht man wegen der Gewöhnung die Spirituosen nicht mehr. Da braucht man was Starkes.“
1. Hanuschgasse 3, Mo-Sa ab 17 Uhr. www.stadtbar.wien

Salopp

Easy going

Andreas Trattner hat schon viel erlebt. Hier und in Übersee. Zuletzt war er als Barmanager am Dachboden des 25hours Hotels erfolgreich. Er weiß also, was ein urbanes Publikum an einer Bar schätzt: Eine gewisse Lockerheit. Na, bitte, wie der Name schon sagt, ist im „Salopp“ eher kein Dresscode gefragt. Stattdessen gibt es eine Fülle kreativer Ideen. Jüngst hat er sich hier mit drei Bartendern aus London ausgetauscht. Andys Liebe zum Gin bestand schon zuvor. Seinem Cocktail „Mrs. Pots“ merkt man es an. Und bestellt gleich einen zweiten ...
I, Passauer Platz 1, Mo-So 18-2h, www.salopp.at

Spelunke

Ahoi auf der Mazzesinsel

Ob locker im Bademantel oder straight mit Krawatte und Gilet, der Gewinner der Österreich-Ausscheidung des renommierten Bartender-Bewerbs „Diageo World Class 2017“ macht in jedem Outfit gute Figur. Supergute Cocktails sowieso. Nach Stationen wie Planter’s Club, Lutz Bar, Sofitel und Albertina Passage ist der Wiener seit Herbst Barchef in einem der angesagtesten Lokale der Stadt, der Spelunke. Sein „Mosquito Brutal“ – ein Mix aus Tequila, Mezcal, Limette, Agavennektar sowie Ananasmark – bringt einen rascher an den Golf von Mexiko als es Speedy Gonzales je könnte.

Nur einen Steinwurf von der Wiener City findet sich in der Taborstraße eine Oase der Entspannung. „Die Bar ist das Zentrum der Kommunikation“, so Spelunke-Barchef Marcus Philipp. Der Rest: viel Holz, viel Atmophäre und viele Bilder von Graffiti-Künstler Akira Sakurai.
2., Taborstr. 1, Barbetrieb 17-2h www.spelunke.at

Birdyard

Vogelfrei

Verspielt, bunt, exotisch. Im Souterrain des Birdyard Eatery serviert Barchef David verschmitzt einen, eh klar, „Early Bird“. Er richtet seinen Signature Drink mit Yuzum, Marille und Sauerrahm an. Natürlich dürfen auch die glasklaren Supereiswürfel des japanischen Spezialisten Hoshizaki nicht fehlen. Und R’n’B-Sound aus den Speakern. Die spektakulären Wandmalereien stammen übrigens vom rumänischen Künstler Saddo. Wir hingegen fühlen uns ganz wie in New York, London oder Paris. Wegen der super Playlist aus den Speakern. Oder wie im Dschungel. Wegen den vielen Vögeln im XXL-Format.
8. Lange Gasse 74, Di-So 18-2h, www.birdyard.at

Bar Krypt

Trinken in der Unterwelt

Mitten am Alsergrund, zwischen Votivkirche und Freud-Museum, befindet sich acht Meter unter Tag die „Krypt“-Bar. 28 Stufen führen hinab in ein 200 Jahre altes Gewölbe. Beim Kommen kein Problem. Aber nach einer ausgiebigen Drink-Verkostung an der sieben Meter langen Bar braucht man möglicherweise Hilfe. Da heißt es Ruhe bewahren – mit dem „Zen“ aus Gin, Sake, Matcha und Woodruff von Barman Chris.
9. Wasagasse 17, Di-Do: 18-2 Uhr, Fr & Sa: 20-4 Uhr, www.krypt.bar

Also, Cheers, Prost & viel Vergnügen beim Ausprobieren!