Beim Essen verlieren Betroffene die Kontrolle.

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04/10/2019

Die Ess-Sucht ist die häufigste Ess-Störung in Österreich

Menschen, die an der Ess-Sucht leiden, fühlen sich oft ausgeschlossen. Für Betroffene gibt es Gruppen-Treffen.

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Die Ess-Sucht ist die häufigste Ess-Störung in Österreich.
Ess-Sucht ist auch unter dem englischen
Namen „Binge Eating Disorder“ bekannt.
Menschen, die von der Ess-Sucht betroffen sind,
leiden an extremen Ess-Anfällen.
Das bedeutet, dass Betroffene beim Essen
die Kontrolle verlieren.
Dadurch essen sie überstürzt alles durcheinander.
In Österreich sind großteils Frauen
von dieser Ess-Störung betroffen.
Die Ess-Störung kann aus
unterschiedlichen Gründen entstehen.
Ein Grund ist die Biologie vom Menschen.
Nahrungsmittel wie Fett, Salz und Zucker,
geben dem Gehirn das Gefühl, belohnt zu werden.
Dadurch wird ein Glücks-Gefühl
beim Menschen ausgelöst.
Schlechte Gefühle können so für
eine gewisse Zeit unterdrückt werden.

Von vielen Leuten wird die Ess-Sucht
aber nicht ernst genommen.
Viele denken, dass Betroffene
einfach weniger essen sollten.
Aber so funktioniert das nicht.
Viele, die von der Krankheit betroffen sind,
ziehen sich immer mehr zurück,
weil sie sich schämen.
Dadurch essen sie dann noch mehr,
weil sie sich einsam fühlen.
„Einsamkeit ist ein riesen Thema.
Deswegen ist es wichtig, frühzeitig Therapie
zu suchen und jemandem gegenüberzusitzen,
der einem das Gefühl gibt, kein Monster zu sein“,
erklärt Olivia Wollinger.
Wollinger war selbst ess-süchtig.
Es dauerte lange, bis sie die Ess-Sucht
überwunden hat und lernte,
sich selbst zu akzeptieren.
Seit dem Jahr 2000 hatte Wollinger
bereits keinen Ess-Anfall mehr.
Jetzt schreibt sie Bücher über dieses Thema
und möchte anderen damit helfen.

In Österreich gibt es eine anonyme
Selbsthilfe-Gruppe für Ess-Süchtige.
Eine Selbsthilfe-Gruppe ist eine
Gruppe von Personen, die sich
zusammenschließen, um sich
untereinander zu helfen.
Die Gruppe heißt „Overeaters Anonymous“.
Anonym bedeutet, dass die Mitglieder
nicht ihren echten Namen nennen müssen.
Die Mitglieder treffen sich jede Woche
in der evangelischen Pfarre in St. Pölten.
St. Pölten ist die Hauptstadt von Niederösterreich.
Dort setzen sie sich zusammen, sprechen über
ihre Erfahrungen mit der Ess-Sucht
und helfen sich gegenseitig.
„Ich konnte nicht arbeiten, weil ich ständig
nur daran dachte, was ich wo und wie
essen könnte“, erzählt einer der Mitglieder.
Beim Gruppen-Treffen hatte sie endlich
das Gefühl, verstanden zu werden.

Mehr Infos und Hilfe zur Ess-Sucht und
den Gruppen-Treffen, findet man unter:

Kostenlose Ess-Störungs-Hotline:
0800 20 11 20 oder
hilfe@essstoerungshotline.at

Overeaters Anonymous:
http://overeatersanonymous.at/meetings

Buchtipp: Essanfälle Adé von Olivia Wollinger