Bis zu vier Prozent der Kinder sind laut Studien von ADHS betroffen.

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03/15/2019

Behandlung bei ADHS: Zu viele Medikamente, zu wenig Therapie

Es gibt zu wenig Therapie-Plätze für Kinder mit ADHS. Statt einer Therapie, erhalten Betroffene oft nur Medikamente.

von Inklusive Lehrredaktion

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Viele Eltern gehen mit ihren Kindern zum Arzt,
weil sie vermuten, dass ihr Kind die Krankheit ADHS hat.
Die Abkürzung ADHS steht für
Aufmerksamkeits-Defizit-Hyperaktivitäts-Störung.
Menschen mit ADHS können sich schlecht konzentrieren.
Es fällt ihnen schwer, bei der Sache zu bleiben
und sie lassen sich leicht ablenken.
Bei Kindern wird ADHS zum Beispiel
in Kinder- und Jugendpsychiatrien festgestellt.
Die Psychiatrie ist ein Teil der Medizin.
Dieser Teil befasst sich mit dem Erkennen und Behandeln
von geistigen und psychischen Störungen.
ADHS wird nur in wenigen Fällen von Ärzten festgestellt.
Christian Kienbacher ist Kinder- und Jugendpsychiater in Wien.
Er sagt, dass von 10 vermuteten Fällen,
letztendlich nur 2 wirklich von ADHS betroffen sind.
Von den 2 Betroffenen wird im Durchschnitt
nur 1 mit Medikamenten behandelt.
Obwohl das so ist, ist der Verbrauch von „Ritalin“
in Österreich 10 Mal höher, als noch vor 12 Jahren.
Ritalin ist ein Medikament, mit dem ADHS
hauptsächlich behandelt wird.

Im weltweiten Vergleich verschreiben Ärzte in
Österreich und Frankreich am wenigsten
Ritalin an Kinder mit ADHS.
Trotzdem steigt der Verbrauch von Ritalin weltweit an.
Der Grund dafür ist, dass es zu wenig andere
Therapie-Möglichkeiten gibt.
Auch bei sichtbaren Anzeichen von ADHS,
erhalten viele Kinder keine Therapie.
Es gibt zu wenig Kinderpsychiater und auf einen
Therapie-Platz müssen Betroffene oft lange warten.
Es ist einfacher, an Medikamente gegen ADHS zu
kommen, als an eine passende Therapie,
die von der Krankenkasse bezahlt wird.
Bei einem Teil der Menschen mit ADHS,
bleibt die Krankheit auch im Erwachsenenalter bestehen.
Deshalb werden in den letzten Jahren auch Erwachsene,
die ADHS haben, weiter mit Ritalin behandelt.