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06/10/2020

Unsichtbares Haus im Wald

Ein russischer Unternehmer hat sich in einem Moskauer Waldstück seinen Traum erfüllt: Ein unsichtbares Haus! Und dieses kommt obendrein ganz unrussisch ohne Kitsch und Pomp aus.

Ein russischer Unternehmer hat sich in einem Moskauer Waldstück seinen Traum erfüllt: Ein unsichtbares Haus! Und dieses kommt obendrein ganz unrussisch ohne Kitsch und Pomp aus.

Laut sind sie. Grölen mit vom Wodka geölter Stimme. Tragen mehr Pelz als Stoff und können von Kitsch, Gold und Pomp nicht genug kriegen. Das sind im Großen und Ganzen jene Vorurteile, die wir mit Russen verbinden. Doch es sind eben nur Vorurteile.

Keine Russen-Klischees

Dies wird in Anbetracht des von Snegiri Architects soeben fertiggestellten „Hill House“ in einem Vorort von Moskau gerade offensichtlich. Der Auftraggeber, ein russischer Geschäftsmann, hatte hierbei nämlich eines definitiv nicht im Sinne: aufzufallen.

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Uns ist ist tatsächlich gelungen, dieses Projekts nahezu vollständig in die Umwelt zu integrieren.

Die Architekten von Snegiri Architects

Ganz im Gegenteil, bekamen die Architekten nur minimalistische Zielvorgaben, um dieses Einfamilienhaus zu planen: Kein Baum auf dem bestehenden Grundstück sollte gefällt werden müssen. Und: Das Haus musste möglichst in die idyllische Umgebung eingebettet werden.

Unsichtbares Haus

Also schritten die Planer erst einmal mit dem Maßband zur Tat. Schließlich galt es vorab auf der besagten Waldlichtung eine Hausposition ausfindig zu machen, bei der kein Baum zu Schaden kommen würde. Gleichzeitig sollte aber freilich die Grundfläche dabei möglichst groß sein. Hintergrund: Den Architekten war von vornherein klar, dass dieses Haus maximal einstöckig gedacht werden konnte. Sonst würde es kaum noch gut in die Umgebung eingebettet werden können, wie erwünscht.

Zum Drüberstolpern

92 Quadratmeter sind es nun! Aufgeteilt auf Keller, Erd- und Obergeschoß macht das 276 Quadratmeter Nutzfläche. Also durchaus beachtlich. Allein, wenn man heute als vom Smartphone getriebener Hans-Guck-In-Die-Luft durch eben dieses Waldstück spaziert, würde man womöglich tatsächlich eher über das Haus stolpern, als es zu sehen.

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„Uns ist ist schlussendlich gelungen, dieses Projekts nahezu vollständig in die Umwelt zu integrieren“, klopfen sich die Architekten jetzt nach der Fertigstellung gegenseitig auf die Schulter. Denn das Gebäude überragt die Landschaft nicht nur minimal, es geht in dieser sogar nahezu unter!

Pflanzen-Teppich als optische Täuschung

Tatsächlich erschuf Nikita Kapiturov mit seinem Team eine Art optischer Täuschung: Das „Hill House“ wurde so begrünt, dass es so aussieht, als wäre es unter einem lebendigen Teppich vergraben.

Mit viel Akribie hatten seine Leute zuvor die vorherrschende Flora dokumentiert. Auf ihren Ergebnissen wurde dann gemeinsam mit Begrünungsexperten ein kompliziertes Begrünungsprofil erarbeitet. Schließlich sollten die Pflanzen auf den Dächern, Fassaden und Terrassen des Hauses so gedeihen, als wären sie in Wahrheit auf dem Waldboden zuhause.

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Heute sorgen Fetthenne, Mauerpfeffer und Zwergpflanzen wie Wilde Kamille dafür, dass unterschiedliche Farbnuancen einen natürlichen Effekt auf dem von Menschen errichteten Fremdkörper erzeugen.

Die massiveren Teile des Hauses wiederum wurden aus dunklen Holzelementen gefertigt. So, dass die Sonne mit ihrem Spiel aus Licht und Schatten dem unsichbaren Haus zusätzlich ihren Stempel aufdrücken kann.

Außen hui, innen hui

Wer nach außen hin so viel Aufwand betreibt, um mit der Natur zu verschmelzen, der muss freilich auch in Sachen Haustechnik ökologisch denken. Sonst passt das Äußere schließlich nicht zum Inneren. Und so handelt es sich bei diesem Bau natürlich um ein waschechtes Passivhaus, das kaum Energie benötigt.

Der Sonne entgegen

Die Terrasse und die meisten Fenster und Räume wurden bewusst nach der Sonnenseite ausgerichtet, um möglichst viel Sonne und somit Wärme sammeln zu können.

Das Gebäude ist mit energiesparenden Fenstern und einer Luftrekuperationsanlage ausgestattet. Das sind moderne Systeme, die Abwärme und Kühle der verbrauchten Luft nutzen, um frische Luft im Winter aufzuwärmen und im Sommer abzukühlen.

Mit ihnen lässt sich der Energieverbrauch eines Gebäudes sehr gezielt minimieren. Außerdem wurde das Fundament mit kältebeständiger Mineralwolle und eigens behandeltem Holz der Europäischen Lärche ausgekleidet.

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Dem inzwischen eingezogenen Eigentümer sagt man im übrigen nicht erst seit dem Bau seines Traumhauses nach, dass er ein innovationsfreudiger Mann sei. Jedenfalls aber hat er wohl auch deshalb sein Haus mit allen derzeit möglichen Smart-Living-Devices ausgestattet. Unter anderem mit einem ultramodernen Überwachungssystem.

Klischees bleiben vor der Garage

Hintergrund: Auch wenn dieser Russe weder Kitsch noch Gold zuhause herumstehen hat, so ist er doch ein Sammler: Kunstwerke und Antiquitäten haben es ihm angetan.

Diese gehören freilich genau so gut und mit High-Tech-Equipment bewacht, wie das teure Auto in der Garage: Ein Tesla, der nicht nur alle Stückerln spielt, sondern wie sein Besitzer gänzlich unrussisch ist: Aufgrund seines E-Mototes vollkommen lautlos nämlich.

Text: Johannes StühlingerBilder: Nikita Kapiturov

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