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11/30/2020

Die Mühle am Fluss

Am Ufer der Liffey soll unter dem Namen „Dock Mill“ aus einer historischen Industriemühle ein nachhaltiger Holzturm entstehen.

Die Zeiten, in denen das Industriegebiet am alten Hafen von Dublin Erinnerungen an Batmans Heimat Gotham City weckten, sind wohl endgültig vorbei. An den Ufern der Liffey erblüht seit einigen Jahren unter dem Namen „Docklands“ ein junger, hipper Stadtteil. Und eben im Herzen dieser neuen Coolness will das international renommierte Architekturbüro Urban Agency nun auch seinen Namen hineinpflanzen.

Dock Mill: Holzturm am Wasser

Tatsächlich haben sich die Architekten eine alte Industriemühle geschnappt, um auf ihren alten Fundamenten einen spektakulären Holzturm zu errichten. Name des Unterfangens: „Dock Mill“. Sinn der Sache: Dem Baustoff Holz in der irischen Hauptstadt einen besonderen Platz und somit auch Stellenwert einzuräumen.

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Und so postulieren die Planer selbst: „Holz wird seit Tausenden von Jahren als traditionelles Baumaterial verwendet. Im modernen Städtebau wurde es jedoch stets ausgeschlossen. Aufgrund seiner Nachhaltigkeit, Flexibilität, Transportfähigkeit und natürlichen Schönheit wird Holz langsam wieder in das architektonische Arsenal zurückgeführt und verbindet den städtischen Bereich wieder mit dem natürlichen Bereich.“

Zudem sei der Entwurf für „Dock Mill“ einer, der nicht nur die nachhaltigen Aspekte des Baustoffs in den Vordergrund rückt, sondern sich auch von dessen natürlichen Eigenschaften inspirieren ließe, heißt es außerdem.

Dock Mill wächst aus alten Steinen

Damit meint man wohl die Tatsache, dass „Dock Mill“ sozusagen in den noch bestehenden Fundamenten der historischen Industriemühle sinngemäß Wurzeln schlägt, um von dort aus gen Himmel zu wachsen. Ein bisschen, wie ein Baum dessen Wurzeln an einem großen Felsen den Halt finden, um die Zeit zu überdauern, könnte man meinen.

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Jedenfalls aber sehen die Architekten in ihrem Konstrukt aus Holz den Stamm, der sich in seiner Spitze in ein Netz aus Holzsparren entwickelt. Man braucht nun nicht viel Phantasie, um diese Holzstreben als Baum-Ast-Imitate zu enttarnen. Eingehüllt wird der künstliche Baum jedenfalls in eine zweischalige Glasfassade, eine Art Baumkrone also. „So soll er sich der Stadt als ein Beispiel für die Verschmelzung von Innen und Außen präsentieren“, heißt es im offiziellen Pressetext.

Waldbaden im Holzbau

Wer aber Dock Mill betritt, soll von der Holzbauweise schon beim ersten Schritt beeindruckt werden, wie Urban Agency betont: „Die sichtbare Holzoberfläche des Bauwerks bewahrt die Wärme, die Textur und den Duft der Holzmaserung im Inneren und schafft so eine Umgebung, die von der japanischen Praxis des Shinrin-yoku inspiriert ist!“ Das bedeutet übrigens so viel wie "Waldbaden" oder "die Waldatmosphäre aufnehmen“. Auf diese Weise profitiert das Gebäude vom natürlichen Feuchtigkeitsgehalt des Holzes, wodurch eine gesunde Luftqualität erhalten bleibt und das Gebäude atmungsaktiver wird, ist man sich sicher.

Die sichtbare Holzoberfläche des Bauwerks bewahrt die Wärme, die Textur und den Duft der Holzmaserung im Inneren und schafft so eine Umgebung, die von der japanischen Praxis des Shinrin-yoku inspiriert ist!

Aus der Pressemeldung zu Dock Mill

Generell scheint man bei dem international aufgestellten Architekturbüro die Liebe zum Baustoff Holz entdeckt zu haben. In der Projektbeschreibung findet sich ein regelrechtes Loblied auf das nachwachsende Material. Ein kurzer Auszug gefällig?

„Sein natürliches Leichtgewicht ermöglicht einen einfachen Transport, reduziert den CO2-Fußabdruck des Gebäudes und ermöglicht eine Vorfertigung außerhalb des Standorts für einen weniger störenden Bauprozess in der dichten städtischen Struktur der Hafengebiete. Darüber hinaus ist Holz aufgrund seiner leichten und zugfesten Eigenschaften die perfekte Lösung für eine innovative Ergänzung der bestehenden historischen Mühle. Es ist ein Beispiel für das Potenzial, unser nationales architektonisches Erbe wiederzuverwenden und zu bewahren und gleichzeitig die Forderung zu erfüllen, mehr Raum zu schaffen, indem es sich nach oben statt nach außen erstreckt.“

Ohne Zweck, kein Vorbild

Doch bei aller Holzliebe, das Ding muss auch einen Zweck erfüllen, um als heimliches Wahrzeichen für den alten, neuen Baustoff repräsentativ zu sein. Et voilà: In Dock Mill sollen Büros genauso Platz finden, wie Wohnungen. So soll das Konzept von Dock Mill den flexiblen Charakter des modernen Arbeits- und Wohnlebens widerspiegeln, indem multifunktionale Räume geschaffen werden.

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Außerdem soll die einstige Industriemühle in Zukunft auch mittels neuer Strandpromenade für Fußgänger besser zugänglich gemacht werden. So wolle man den „Puls des öffentlichen Lebens einfangen“, heißt es. Ob das dadurch nicht nur in den Köpfen der Architekten geschieht, sondern auch in der Realität, wird sich zeigen. Fakt jedenfalls ist, dass Dock Mill nach seiner Fertigstellung eines der höchsten hölzernen Gebäude Europas sein würde. Gleich hinter dem 18-stöckigen Mjøsa Tower in Norwegen.

Man kann aber auch sagen: Hier wächst der jüngste Baumriese der Welt.

Text: Johannes Stühlinger Bilder: Urban Agency

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