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06/18/2020

Cliffhanger für Aussteiger

Über einer unberührten Klippe an Chiles Küste ließ ein deutsch-chilenisches Ehepaar ein Haus errichten, das unsichtbar aber dennoch spektakulär ist. Und Lust auf Chile-Urlaub macht.

Die Klippen sind so hoch, dass keine noch so hohe Welle mit ihrer Gischt ihre Kante erreichen wird. Niemals. Der Strand darunter ist schmal, wild und nur sehr schwer zugänglich. Aber der ewig anbrandende Pazifik hat immer schon so genannte Cochayuyo angespült. Das sind spezielle Meeresalgen, die seit jeher von den Menschen dieser Region Chiles als Meeresfrüchte betrachtet und gesammelt werden.

Allein, Menschen leben hier im Umkreis von zehn Kilometern seit vielen Jahrzehnten keine mehr. Bis jetzt.

Versteckt in Chile

Tatsächlich erwarb ein deutsch-chilenisches Ehepaar einen besonders exponierten Spot an eben genau dieser Pazifikküste Chiles, an den Klippen von Los Arcos. Ihr Ziel: Ein besonders verstecktes Versteck für Wochenenden, Urlaube oder gar die Pension zu errichten. Eines gleich vorweg: Dieses Kunststück haben die Architekten mit Bravour gemeistert!

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Aber werfen wir erst einen Blick in die Vergangenheit und die Grundbedingungen, die das Team von WMR Arquitectos vorgefunden hat: Unberührte Landschaft. Wald. Meer. So gut wie keine Zivilisation.

Nun will man meinen, an so einem versteckt gelegenen Ort ein heimeliges Hideaway zu errichten, das kann doch kein Problem sein! Weit gefehlt, wie sich herausstellen sollte.

Unberührtes blieb unberührt

Da dieses Haus das einzige im Umkreis von viele Kilometern werden würden, war es den Bauherrn besonders wichtig, diese natürliche und schöne Landschaft nicht zu beschädigen. Das Haus sollte von der vorbeiführenden Straße und der restlichen Umgebung völlig unsichtbar sein. Gleichzeitig musste es aber aus architektonischer Sicht spannend, innovativ und nachhaltig sein. Eine Gratwanderung!

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Die in der Gegend beheimateten Architekten entpuppten sich jedoch als wahrer Glücksgriff. Vermutlich auch deshalb, weil sie eben ein gewisses Grundverständnis für diesen besonders unberührten Küstenstreifen mitbrachten. Es gelang ihnen, das Haus mit dem Bodenniveau der Küste in Einklang zu bringen.

Der gesamt Bau gräbt sich förmlich in die Klippen. Außerdem besteht die gesamte Konstruktion aus schwarzem Holz. In Summe machen diese schlichten Maßnahmen das gesamte Objekt tatsächlich nahezu unsichtbar (ähnlich wie das "Unsichtbare Haus im Wald" bei Moskau). Zumindest für Landbewohner.

Meer geht nicht

Gänzlich anders verhält es sich, wenn man vom Pazifik aus die Front dieses Kleinods ins Visier nimmt. Dann erspäht man einen stilvollen und gleichzeitig spektakulären „Cliffhanger“, den man hier niemals vermuten würde.

Von der Seite und von vorne betrachtet stehen die harten Winkel und geometrischen Formen dieses Baus im intensiven Kontrast zu der unregelmäßigen umgebenden Landschaft. Große Glasfronten wirken einladend, die einzelnen Module so, als würde man sie wie Legosteine jederzeit verrücken können.

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Und das ist nicht einmal ganz aus der Luft gegriffen! Das Haus wurde tatsächlich in einzelnen 3,2 Meter mal 3,2 Meter großen Holzmodulen konzipiert, die auch von überall sichtbar geblieben sind. Verstärkt wird dieser Eindruck, da das hölzerne „Skelett“ mit Carbolineum schwarz gefärbt und so auch gleichzeitig für die Ewigkeit imprägniert wurde, während die Innenräume in klarem Weiß erstrahlen. Getrennt werden die Module bloß durch verschiebbare Glasfronten, wodurch eine natürliche Flexibilität entsteht.

https://vimeo.com/50988742

Spannendes Spiel der Kontraste

Was nun klar wird: Um dem versteckten Bau Spannung zu verleihen, bedienten sich die Architekten der Mechanik von Kontrasten! Auf der einen Seite – vom Land aus betrachtet – hat man das Gefühl, dass das Haus von der Natur absorbiert wird, während es auf der anderen Seite – der dem Meer zugewandten – sein volles Potenzial zum Ausdruck bringt.

Oder: Von außen betrachtet verschwindet was Schwarz der Holzwände im Wirrwarr der Schatten. Von innen gesehen strahlen das Meer, die Sonne und die hellen Holzwände um die Wette.

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Apropos Sonne: Ihre Omnipräsenz an der chilenischen Küste – die Durchschnittstemperatur in Los Arcos beträgt 23,2 Grad Celsius – wurde von den Architekten gekonnt aufgegriffen: An der West-, Nord- und Südseite des als „Till House“ bezeichneten Domizils wurden jeweils Terrassen angelegt, um die unterschiedliche Intensität der Sonne auszunutzen.

Die perfekte Terrassen-Lösung

So gibt es für jede Tageszeit ein perfektes Plätzchen. Und wer einfach den ganzen Tag unser Zentralgestirn anbeten möchte, der kann sich auf das Dach des Hauses begeben. Dieses ist extra als waschechtes Sonnendeck konstruiert.

Sonnenklar auch, dass in Anbetracht dieser buchstäblichen Hot-Spots an eine Abkühlungsmöglichkeit gedacht wurde. Sie findest sich etwas abseits des Wohnbereichs in Form eines so genannten „Kuba“. Das ist eine Art hölzerner Whirlpool, von dem man einen gigantischen Blick auf den Pazifik hat. Diesen kann man übrigens auch genießen, wenn es gerade keine 23,2 Grad hat – sein Wasser lässt sich ganz natürlich mit Feuer wärmen.

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Das Thema Natürlichkeit zieht sich in Form von nachhaligem Denken generell durch das gesamte Konzept, dessen CO2-Fußabdruck überraschend gering ist. Das gesamte Holz wurde den angrenzenden Kiefernwäldern entnommen, die Arbeitskräfte allesamt in der Region akquiriert und die Hauptenergiequelle sind Sonnenkollektoren.

Alles in allem spürt man bei diesem Wochenend-Domizil an jeder Ecke die Liebe zum Detail. Schade nur, das man es nicht für einen kleinen Urlaub mieten kann. Zumindest noch nicht …

Text: Johannes StühlingerFotos: Sergio Pirrone

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