Chronik
22.09.2017

Zillertaler Musikanten spielten Nazi-Marsch am Oktoberfest

Es sollte keine Provokation sein, beteuert man. In Österreich ist das Stück Standard.

Einen musikalischen Fehltritt leisteten sich zwei Blasmusikkapellen aus Tirol beim Trachten- und Schützenumzug im Zuge des Münchner Oktoberfestes. Wie die Süddeutsche Zeitung berichtete, spielten die Musikanten am Sonntag den "Standschützenmarsch" – Komponist Sepp Tanzer komponierte ihn 1942 für den Tiroler Gauleiter Franz Hofer. "Eine unglückliche Geschichte", nennt das Elmar Juen, Blasmusik-Landesverbandsobmann in Tirol.

"Diesen Marsch spielen viele Kapellen. Es ist ein schöner Marsch, auch weil er mit Gesang ist", sagt Franz Hauser, Obmann des Zillertaler Blasmusikverbandes. Eine Gesangszeile lautet: "Hellau, jetzt soll’s zum Kampfe gehen". Seit 2013 gilt der Marsch offiziell als bedenklich. Auch deshalb, weil die Geschichte Tanzers damals aufgearbeitet wurde. Er spielte unter anderem vor Hitler und Mussolini. "Damals gab es von uns die klare Empfehlung, dieses Stück nicht zu spielen", erklärt Juen. Ein Verbot könne man nicht aussprechen. "Die Letztverantwortung liegt beim Kapellmeister." Das ist in diesem Fall Hans Rainer aus Tux, der sich über "das Theater" wundert. "Das war keine Provokation. Das ist ein wunderschöner Marsch, der zu einer blöden Zeit entstanden ist. Jeder Politiker im Bierzelt singt da mit."

Ein Großteil der Tiroler Kapellen würde sich an die Empfehlung halten. "Früher wurde der Marsch sehr häufig gespielt. Auch, weil er recht gut ankommt, beim Publikum." Den "einigen Wenigen", die sich an die Empfehlung nicht halten würden, unterstelle Juen aber kein entsprechendes Gedankengut. "Trotzdem würden wir uns wünschen, dass er nicht gespielt wird."

Populär

Doch nicht nur in Tirol ist der Marsch populär. Auch in anderen Bundesländern, etwa in Niederösterreich, gehört er zum Standard-Repertoire. Er ist auch Teil bei Bewertungen. "Was kann die Musik dafür", meint der nö. Landesverbandsobmann Peter Höckner. "Dann dürfte man eigentlich gar nichts mehr aus dieser Zeit spielen." Auch in NÖ sei 2013 die Empfehlung der Tiroler veröffentlicht worden. Man werde das aus diesem Anlass aber nochmals verlautbaren.