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Stadtentwicklung
03/26/2014

Zwischennutzung: "Wie eine Spielwiese für Erwachsene"

65 Büros auf Zeit: Der Verein Paradocks lädt am 28. März zum Tag der offenen Tür. / Die Gruppe ImPlanTat möchte Leerstand auch für karitative Zwecke nützen

von Anna-Maria Bauer

Kahle Wände, lose Holzbretter und ein kleiner runder Tisch mitten im Raum. Das Erdgeschoßlokal in der Marxergasse 24 (3. Bezirk) ist derzeit noch so gut wie leer. Doch Margot Deerenberg und das Team von "Paradocks"“ möchte das ändern und dem leerstehenden Bürogebäude vorrübergehend wieder Leben einhauchen: Bis Ende 2015 können auf den rund 2000 Quadratmeter des siebenstöckigen Gebäudes kreative Ideen verwirklicht werden.

Das Konzept dahinter nennt sich Zwischennutzung und meint die befristete Nutzung von günstigem Raum. Dabei stellt der Eigentümer ein derzeit ungenütztes Gebäude zu nicht handelsüblichen Preisen – meistens in Höhe der Betriebskosten – zeitlich befristet zur Verfügung. Dieses Stadtbelebungskonzept, das in anderen Großstädten bereits etabliert und von Vereinen wie "urbancatalyst" in Berlin professionell betrieben wird, wird langsam auch in Wien aufgegriffen.

Tag der offenen Tür

In der Marxergasse 24 sollen künftig 65 Studios Studenten oder Freischaffenden als Arbeitsort dienen. Das Erdgeschoß mit Kantine wird Platz für Ausstellungen, Werkstätten und Diskussionsrunden zum Thema Zwischennutzung bieten und soll "das Gesicht nach außen sein", erklärt Paradocks-Mitglied Leonie Spitzer.

Kommenden Freitag, den 28. März, findet ein Tag der offenen Tür statt. Interessierte sind ab 16 Uhr eingeladen, sich die Räumlichkeiten anzusehen. Ab 1. April dürfen die Mieter einziehen. Neben der Nutzung des zu Verfügung stehenden Raums, soll auch etwaige Problematiken von Zwischennutzungen angesprochen werden.

Jutta Kleedorfer von der MA 18 (Stadtentwicklung und Stadtplanung) sieht die Entwicklungen in der Stadt in Bezug auf Raumbelebung in der letzten Zeit als durchaus positiv. Für viele Aktive passieren die Änderungen allerdings zu langsam, ist das Ressentiment in der Gesellschaft noch zu groß. Margot Deerenberg: "Dabei wollen wir doch für die gesamte Umgebung da sein."

Pionierarbeit

Zwischennutzungs-Erfahrung hat Paradocks-Mitglied und gebürtige Holländerin Margot Deerenberg in der Schönbrunner Straße 111 gesammelt. Im Sommer 2012 entstand in dem Zinshaus das erste größere Zwischennutzungsprojekt der Stadt, ursprünglich Studiengrundlage für die Diplomarbeit von Architekturstudent Lukas Böckle. Im November 2013 wurde das Haus jedoch von den Behörden gesperrt.

Mit seinem Verein ImPlanTat arbeitet Lukas Böckle an weiteren Projekten. Eines davon sind die Popup-Studios in der Tautenhayngasse 22 (15. Bezirk). Bauträger Ulreich dazu: "Ich helfe gerne, wenn es darum geht, die Stadt bunter und kreativer zu machen." Auf drei Stockwerken haben 45 Menschen jeglicher Profession, von Mineralgeologin über Fotografen bis zum Bühnenbildner einen temporären Arbeitsplatz gefunden.

Ausprobieren

Lukas Böckle geht es darum, Leerstand zu vermitteln und leistbare Arbeitsmöglichkeiten zu schaffen, damit Menschen ihre Ideen ausprobieren können. Wenn das Konzept aufgeht, kann es anderswo weitergeführt werden. Die Besitzer des Bistros in der Schönbrunner Straße 111, beispielsweise, haben mittlerweile ein eigenes Lokal.

Künftig möchte Böckle bei seinen Zwischennutzungen nicht nur Arbeitsraum für Selbstständige schaffen, eine Kooperation mit karitativen Organisation ist jedenfalls denkbar. Ziel ist ein heterotogener Raum. Böckle: „Zwischennutzung ist wie eine Sandkiste für Erwachsene“.

Paradocks: Tag der offenen Tür

Marxergasse 24, 1030 Wien, ab 16 Uhr

paradocks.at

implan-tat.net

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