Chronik | Wien
13.01.2018

Zweite Chance für das Cafe Weimar

Hansi Diglas und Cynthia Hartweger übernahmen das Traditionskaffeehaus am Alsergrund.

Die Fenster sind nicht mehr mir Vorhängen verhangen, statt glänzender Luster auf den Fensterseiten gibt es große Lampen, denen Ballett-röcke übergestülpt wurden. Die Tischtücher wurden verbannt, dafür kommen jetzt die marmorierten Kaffeehaustische zum Vorschein.

"Wir haben versucht, den Kitsch rauszunehmen", sagt Johann – genannt HansiDiglas. Der 29-jährige Spross der Traditionskaffeesieder-Familie und seine Freundin Cynthia Hartweger (26) sind die neuen Betreiber des Café Weimar in der Währinger Straße. Diglas hat es im September im Zuge des Bieterverfahrens vom insolventen Vorbesitzer Maximilian Platzer ersteigert (siehe Bericht unten).

"Es war eine kurzfristige Entscheidung", sagt Diglas. "Ich bin nach Hause gekommen und hab’ gesagt: Nächste Woche müssen wir aufsperren." Denn Schnäppchen sei das Weimar keines gewesen. Aber er habe gewusst, dass es ein schönes Kaffeehaus ist, eines mit Flair. Und wenn er das Weimar damals nicht genommen hätte, wäre die Chance auf ewig vertan gewesen. "Sieben Tage lang haben wir geputzt und ausgemistet", sagt Hartweger. Weil Personal gefehlt hat, machten die beiden anfangs selbst Dienst in der Küche.

Öffentlichkeit wollten sie damals keine. Sie wollten den Betrieb, der "jahrelang sehr viel gekostet hat", erst wieder zum Laufen bringen. "Wir tragen viel Risiko, aber wir haben auch das Schottenstift hochgekämpft", sagt Diglas.

Verjüngungskur

Das Weimar ist das zweite Kaffeehaus, das der 29-Jährige mit seiner Freundin führt. Während das Diglas im Schottenstift vom Klassischen weggeht, soll das Weimar eher traditionell bleiben. Eher – wohlgemerkt. Denn die Kaffeetassen sind zwar nicht bunt, sondern braun und die Möbel gediegen, geändert wurde trotzdem einiges:

Die Kellner kommen nicht mehr in schwarzem Frack oder Smoking, sondern tragen weißes Hemd mit Masche oder Krawatte. "Ein Kaffeehausober muss nicht mehr Frack tragen", sagt Diglas. Außerdem ist das Personal jetzt jünger, weil neben älteren Gästen auch "die Jungen drüben vom WUK" angesprochen werden sollen.

Die Preise wurden gesenkt, die Speisekarte wurde gestrafft. "Dafür ist sie qualitätsvoll", sagen Diglas und Hartweger. Neben die Kaffeehausklassiker Tafelspitz und Gulasch gesellen sich jetzt Coq au Sherry und Burger. "Es müssen nicht immer geröstete Knödel sein."

Manchen Stammgästen habe das anfangs nicht geschmeckt, sie seien ausgeblieben. Mittlerweile sind einige wieder zurückgekehrt. Zu "fancy" wollen es Diglas und Hartweger ohnehin nicht halten, sagen sie: Dem Third Wave Coffee (Bewegung, in der Kaffee direkt eingekauft und oft mit Latte Art serviert wird, Anm.) haben sie abgeschworen, dafür gibt es zwei Kaffeeröstungen und einen Barista. Auf die Frühstückskarte kommt ihnen lieber feiner Schinken für eine Buttersemmel als Eggs Benedict. "Die gibt’s aktuell eh in so vielen Lokalen. Wir wollen ja das Kaffeehaus nicht auf den Kopf stellen."

Gläubigern soll bald Sanierungsplan vorgelegt werden

Von 1981 bis 2017 betrieb Maximilian Platzer das Café-Restaurant Weimar am Standort in der Währinger Straße 68. 2008 eröffnete er dort auch das „Deli“, ein Geschäft mit Delikatessen aus Österreich.

2016 wurde bekannt, dass Platzer als Obmann des „Klubs der Wiener Kaffeehausbesitzer“ 251.465 Euro aus der Vereinskasse entnommen hatte. „Ich bin im Sommer in massive finanzielle Bedrängnis gekommen und habe das Geld gebraucht. Ich wollte es im Herbst zurückzahlen, aber auch da lief das Geschäft schlecht“, sagte Platzer damals zum KURIER.

Im Oktober 2016 wurde er zu neun Monaten bedingter Haft und 3600 Euro Geldstrafe verurteilt. Im Februar des Vorjahres stellte Platzer am Handelsgericht Wien einen Antrag auf Eröffnung eines Sanierungsverfahrens ohne Eigenverwaltung. Die Schulden betrugen 1,4 Millionen Euro. Im September wurde das Weimar in einem Bieterverfahren verkauft. Laut Masseverwalter Walter Kainz habe Platzer nun auch mehrere Privatliegenschaften verkauft. „Nunmehr ist ausreichend Masse vorhanden, sodass er in den nächsten Wochen den Gläubigern einen Sanierungsplan vorlegen kann.“ Platzer selbst sei mittlerweile in Pension gegangen, sagt Kainz.