Naturwächter Roland Schuldt gründete die Bürgerinitiative.

© KURIER/Gilbert Novy

Donaustadt
10/26/2016

Ziesel, Hamster und Co. sollen Bauvorhaben ausbremsen

Stadt will im 22. Grün- auf Bauland umwidmen. Eine Bürgerinitiative macht dagegen mobil.

von Bernhard Ichner

Noch ist es ruhig, grün und idyllisch in der Gundackergasse 2 – an der südlichen Grenze des Landschaftsschutzgebietes Donaustadt. Kein Wunder, galt für das Grünland mit seinen Wiesen und Wäldern bis dato doch eine Bausperre. Die dürfte aber bald Geschichte sein.

Die Wiener Stadtentwicklung will Teile des Areals nämlich auf Bauland umwidmen und den Lebensraum zahlreicher geschützter Tierarten – darunter Ziesel, Feldhamster, Fledermäuse, Hirschkäfer und Schnirkelschnecke – für den Wohnbau nutzen. Bis zu 350 Wohnungen könnten hier unweit der Seestadt Aspern entstehen.

Die Anrainer wollen dies jedoch nicht hinnehmen, gründeten eine Bürgerinitiative und sammelten rund 500 Unterschriften gegen das Projekt. Dass der weitaus größte Teil des nunmehrigen Grünlands in „Schutzgebiet Wald- und Wiesengürtel“ (SWW) umgewidmet werden soll, besänftigt sie nicht. „Wir haben bei Bezirk und Umweltanwaltschaft Parteienstellung im Umweltverträglichkeitsverfahren beantragt“, berichtet Initiator Roland Schuldt. Bei der EU-Kommission erstattete er zudem Anzeige „wegen Verstoßes gegen das Naturschutzgesetz“. Unterstützt wird die Bürgerinitiative von der Wiener Naturwacht.

Donaustadt wächst

Von einer Umweltverträglichkeitsprüfung – so es angesichts der Projektgröße überhaupt eine geben wird – kann aber noch keine Rede sein. Denn bis dato gibt es noch nicht einmal ein Bauprojekt. „Diese 350 Wohnungen, das sind bloß Planzahlen der Stadtentwicklung“, sagt Bezirkschef Ernst Nevrivy (SPÖ).

Seiner Ansicht nach ist die Schaffung von Wohnraum in der Donaustadt dringend notwendig. Wird der 183.000-Einwohner-Bezirk Prognosen zufolge in den kommenden zehn Jahren doch um 27 Prozent wachsen. Anbieten würden sich für die Errichtung von Wohnungen dabei in erster Linie Grundstücke, die bereits über die notwendige Infrastruktur verfügen – „wie etwa an der Gundackergasse“.

Nevrivys Meinung nach wird das Naturschutz-Argument gern vorgeschoben. Oftmals würden Bürger, die ins Grüne ziehen, glauben, sie wären die letzten, die sich dort niederlassen dürfen, meint der Bezirkschef.

Aufregung um angebliche Rodung

Eine Unterstellung, die Anrainer Schuldt nicht per se zurückweist. „Einigen Nachbarn geht es wohl auch darum, dass sie keinen zusätzlichen Verkehr und keinen Baulärm wollen.“

Die Angst, die geschützten Tiere (deren Existenz die Umweltschutzbehörde MA22 bestätigt) könnten zu Schaden kommen, teilt Nevrivy jedenfalls nicht. „Rund herum gibt es genug Grünland.“ Zudem könne nur gemäß Naturschutzgesetz gebaut werden.

Aufregung gab es gestern, Dienstag, als eine vermeintliche Baumaschine des Forstamts auf dem Gelände auffuhr und nach Meinung der Anrainer Rodungsarbeiten in Angriff nahm. Es handelte sich aber bloß um ein Mulchgerät, das einen überwucherten Zaun freilegen sollte.

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