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Chronik Wien
04/23/2019

Zehn Gastro-Trends, die nicht mehr wegzudenken sind

Burger, Bars, Bowls: Die zehn wichtigsten aktuellen Entwicklungen in der heimischen Gastronomie.

von Anna-Maria Bauer

Kochkurse und Kochsendungen, Burger-Ketten und Bar-Guides, Lieferdienste und lange Wartelisten in Trendlokalen: Kaum ein Thema nimmt dieser Tage einen derart großen Teil in unserem Leben ein wie die Kulinarik.

Weil es bei der Vielzahl an Neueröffnungen und Veränderungen manchmal schwerfällt, den Überblick zu bewahren, hat der KURIER die wichtigsten Themen und Trends aufgespürt.

Ob Restauranttipps bei Unverträglichkeiten, fleischige und vegetarische Trendspeisen oder ungewöhnliche Restaurant-Erlebnisse: Gourmets und Gourmands sollten hier fündig werden.

1. Roher Fisch in der Schüssel

Nach Ramen (japanische Nudelsuppe) und Pho (vietnamesische Nudelsuppe) hat das nächste Trendgericht Wien erreicht: Die hawaiianische Poke Bowl, ein Fischsalat.

Das Wort „Poke“ bezeichnet rohen, gewürfelten Fisch. Angerichtet wird er traditionell mit Reis und Zutaten wie Edamame, Avocado, Algen oder auch Mango in einer Schale. Serviert wird er in Wien einerseits in Lokalen mit asiatischer Fusionsküche wie dem Café Leopold im MuseumsQuartier (7., Museumsplatz) oder in gesunden Bistros wie dem Grasgrün (1., Seilerstätte 30 und 7., Neubaugasse 70). In der jüngsten Zeit öffnen aber auch eigene Lokale, die sich gänzlich auf diese Speise fokussieren. Seine Reisschale selbst zusammenstellen kann man etwa im Honu Tiki Bowls (1., Teinfaltstraße 4). In den Wintermonaten wird in den Eissalon Leones Gelato wieder Atiki Poke Bowls (8., Lange Gasse 78) einziehen.

2. Die Revolution des edlen Fleischlaibchens

Die Wiener stehen auf Rinderwahn. Anfang Februar hat die Gastronomie-Familie Huth ihr drittes Burger-Lokal eröffnet. Nach der Weihburggasse 3 (1. Bezirk) und dem Kiosk am Naschmarkt sind ihre Gerichte wie der Eitle-Gockel- oder der Ziegen-Peter-Burger nun auch in der Leopoldstadt zu bekommen (2., Praterstraße 31). Das soll nicht der letzte Standort sein – die Gastronomen arbeiten bereits an einem weiteren.

Und die Huths sind bei weitem nicht die einzigen Lokalbesitzer, die auf gehobenes Fleisch in feinen Brötchen setzen. Unlängst hat etwa das Bar-und-Burger-Lokal Addicted to Rock mit seinem Stammsitz am Getreidemarkt 11 (6. Bezirk) eine Dependance (19., U-Bahnbogen 186–188) eröffnet und die österreichische Kette Le Burger zog mit ihrer fünften Filiale ins Erdgeschoßlokal des Hotel Lamée (1., Rotenturmstraße 15).

Ohne Burger scheint es in Wiener Lokalen generell kaum noch zu gehen. Denn auch in Restaurants wie dem Zweitbester (4., Heumühlgasse 2), dem Café Goldegg (4., Argentinierstraße 49), oder dem TGI Fridays (1., Schubertring 13) ist dieses Gericht zum Aushängeschild geworden.

3. Ein Menu voller Überraschungen

In Zeiten der Reizüberflutung ist es oft angenehm, keine Entscheidung treffen zu müssen. Im Haubenlokal Mraz & Söhne (20., Wallensteinstraße 59) wird einem jedenfalls die Wahl der Speise seit Kurzem abgenommen. Speisekarte im herkömmlichen Sinn gibt es keine mehr. Wer hier einen Tisch reserviert, bekommt 14 Gänge für 140 Euro, prickelndes und stilles Mineral inkludiert. 35 Gäste werden pro Abend bewirtet. Allergien und Unverträglichkeiten werden bei der Reservierung abgefragt. Auf diesem Weg kann auch Abfall vermieden werden. „Wir wollten ein durchsichtiges Konzept“, sagt Lukas Mraz (Bild). Und das werde sehr gut angenommen.

Ein ähnliches Konzept wird im Restaurant Labstelle (1., Lugeck 6) Samstagvormittag angeboten: Beim sogenannten „Flying Breakfast“ um 27,50 Euro werden zweieinhalb Stunden lang Frühstücksklassiker, kleine Mittagsgerichte sowie ein süßer Abschluss aus der Küche geschickt.

4. Bis an die Haustür - auch in der Früh

Der Mensch wird gemeinhin gemütlicher und lässt sich häufiger beliefern – auch mit Essen.

Während die meisten Österreicher Lieferdienste bis dato wohl eher abends für Pizza oder Sushi in Anspruch genommen haben, gibt es nun auch einen Lieferanten für den Morgen.

Gebäck von Felber, Geier oder Joseph Brot, dazu Säfte, Eier, Tee oder auch Müsli: Hausbrot liefert wochentags bis 6.30 Uhr. Am Wochenende und an Feiertagen werden bis 7.30 Uhr die Bestellungen an die Haustür gehängt. Das „Gesunde Frühstückspaket“ mit zwei Käsestangerln, Porridge, Milch und sechs Eiern gibt es etwa um 11,99 €.

5. Speisen ganz ohne Tierprodukte

Das Pendant zum Burger-Trend (siehe Punkt 2): Die Wienerinnen und Wiener stehen auf vegane bzw. vegetarische Produkte.

Ein neues Bistro, das sich gänzlich auf tierproduktfreie Snacks und Speisen konzentriert ist das Venuss (1., Herrengasse 6–8) von Tian-Eigentümer Christian Halper. Er bietet geschmackvolle, fleischfreie Snacks, Vorspeisen sowie Süßes und Kaffee. Um Müll zu vermeiden, wird das Essen von 17 bis 18 Uhr billiger verkauft. Großteils und jedenfalls großartige vegetarische Küche gibt es auch im neuen Karma Food (7., Neustiftgasse 43) von Simone Raihman (Bild). Mitte Juni soll eine weitere Filiale am Schottenring eröffnen.

6. Schon 330 Mal glutenfrei in Wien

So glutenfrei wie Wien ist keine. Zumindest keine andere Stadt dieses Landes. Die Plattform „Holidu“ hat – mit den Daten von Tripadvisor – ein Ranking der „glutenfreisten“ Städte Österreichs präsentiert. Das Ergebnis: Wien kam mit 330 Lokalen auf Platz eins; es folgt Salzburg mit 60 Restaurants auf Platz zwei. Innsbruck schafft mit 48 Lokalen den dritten Stockerlplatz.

Besonders hervorgehoben wurden bei der Studie das Wiener Allergikercafé (4., Wiedner Hauptstraße 35) in dem jegliche Speisen frei von Gluten und Laktose sind. Zudem wird auf Soja, künstliche Aromen sowie Geschmacksverstärker verzichtet. Ebenfalls gut bewertet wird das Nestroy Gastgarten & Biergarten (2., Weintraubengasse 7). Hier wird eine komplette Speisekarte mit glutenfreien Gerichten – darunter auch glutenfreies Schnitzel sowie Bier – angeboten.

In Österreich leidet übrigens rund ein Prozent der Bevölkerung an Glutenunverträglichkeit.

7. Wenn der Koch ins Haus kommt

Alle, die es zu Hause am gemütlichsten finden, aber nicht gerne kochen wollen und über das notwendige Kleingeld verfügen, denen bietet sich seit geraumer Zeit eine neue Alternative: sie können Privatköche engagieren.

Der langjährige Gastronom Florian Prandstätter, der fast zwei Jahrzehnte im „Harry’s Time“ Gäste verköstigte, hat diesen Weg eingeschlagen und kocht nun fast nur noch privat auf (außer während der Wiener Restaurantwoche, da mietet er sich in leer stehende Lokale ein). Prandstätters Aufträge reichen von familiären Vier-Personen-Essen bis zu größeren Feiern mit etwa 25 Personen.

8. Der Fokus auf das Flüssige

Ob für das Getränk nach der Arbeit oder zum Tanzen in der Nacht – immer mehr Menschen zieht es in die Bars der Stadt. Darauf regieren die Unternehmer. Vor einigen Monaten hat Roberto Pavlovic-Hariwijadi die Roberto American Bar II (1., Jasomirgottstraße 7 ) eröffnet.

Die Inhaber des Kleinod arbeiten an einem Prunkstück (1., Bäckerstraße 4), das bis zum Spätherbst aufsperren soll. Und der legendäre Barfly’s Club (6., Esterházygasse 33) schließt am 26. Juni nur vorübergehend seine Pforten und soll im September an neuem Ort eröffnen.

9. Hotelsbars: Nicht nur für Touristen

Was in vielen Metropolen seit Jahren Trend ist, etabliert sich langsam in Wien: Hotelrestaurants werden zu Hotspots für die Einheimischen. Einige Betriebe haben ihren Gastronomieangeboten in jüngster Zeit daher einen neuen Anstrich verpasst: Das Ritz-Carlton (1., Schubertring 5–7) möchte die Wiener mit sizilianischer Küche ins Pastamara locken.

Das Hansen-Kempinski (1., Schottenring 24) bietet in seiner 26°East Bar (siehe Bild) um 240 Euro den teuersten Cocktail der Stadt an. Hip ist das Cyclist im ganz neuen Andaz (10., Arsenalstraße 10).

10. Private perfektionieren ihre Künste

Die generelle Entwicklung, bewusster zu essen, wirkt sich nicht nur auf den Speiseneinkauf, sondern auch auf den Besuch von Kochkursen aus.

Eine steigende Nachfrage in den jüngsten Jahren bestätigen Gastronomen wie Karl Wrenkh mit seinem Wrenkh Wiener Kochsalon oder Thomas Hüttl mit seinem Kochkurs Wien ebenso wie die Plattform ichkoche.at, die mittlerweile 4000 Gäste im Jahr betreut.

Besonders häufig würden Firmen solche Kurse zu Teambuilding-Zwecken buchen. Bei Wrenkh macht diese Gruppe mittlerweile 90 Prozent aus.

Zudem hätten sich Kochkurse als Geschenke etabliert und sie werden auch als Aktion bei Polterabenden häufiger angenommen.

Bei Thomas Hüttl ist auch der Basiskurs für Männer begehrt. Die Jungen, meint Hüttl, würden meist als Pärchen kommen. Interessiert seien viele am Thema Fleisch oder (im Sommer) Fisch.

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