Chronik | Wien
05.09.2018

„Wunderknabe“ ergaunerte 23 Millionen

Prozess: 5,5 Jahre Haft für Hochstapler, der zwei Millionären das Geld aus der Tasche zog

De 28-jährige Wiener hat mehr Autos in der Werkstatt, als andere im Laufe ihres Lebens fahren. Er hat es geschafft, zwei Millionäre monatelang hinters Licht zu führen und ihnen 23 Millionen Euro abzuknöpfen. Einen „Wunderknaben“, nennt ihn die Staatsanwältin Mittwochvormittag im Landesgericht für Strafsachen in Wien.

Der mittellose IT-Techniker lernte über seinen Tätowierer einen der Millionäre kennen. Und irgendwie schaffte es der Wiener, ihm vorzugaukeln, bombensichere Geschäfte in der Tasche zu haben: Etwa vergoldete Kabel für den Iran, mit denen sich ein Vermögen verdienen ließe.

Im Bann der Millionen

Verdient hat schlussendlich nur Florian M. „Ich hatte plötzlich Millionen am Konto und es wurden immer mehr. Es war wie im Rausch, ich bin aus diesem Strudel nicht mehr rausgekommen“, sagt er. 26-mal überwiesen ihm seine „Geschäftspartner“ Geld, rechnen seine Anwälte Norbert Wess und Herbert Eichenseder vor. Auch dann noch, als klar sein musste, dass sie es mit einem Betrüger zu tun hatten.

Florian M. kaufte elf Pkw innerhalb eines Jahres. Darunter einen Koenigsegg, Ferraris, Porsche, und Rolls Royce. Er charterte einen Privatjet, kaufte eine Villa und teure Uhren. „Ich habe jeden Sinn von Realität verloren“, gibt der Angeklagte zu. Oder wie Eichenseder es formuliert: „Er ist schon normal – aber einen Klopfer hat er trotzdem.“

Wie leicht er an das Geld kam, verwundert auch Richter Christian Böhm: „Man hat den Eindruck, dass es Ihnen nicht schwer gemacht wurde.“ Wo das Geld jetzt ist? „Verbrannt“, sagt der Angeklagte. Wobei: Vier Luxuskarossen stehen noch in einer Werkstatt in Dubai – die könne man noch zu Geld machen und einen kleinen Teil des Schadens wieder gut machen.

Einer der Millionäre, die ihm auf den Leim gegangen waren, versteht selbst nicht, wie es so weit kommen konnte. „Er hat von der Bank Kredite bekommen. Also war er für mich vertrauenswürdig. Mein anfängliches Misstrauen hat er einfach weggeschnippt. Es hat sich sogar eine Freundschaft entwickelt.“

Urteil: Fünfeinhalb Jahre Haft; rechtskräftig.

Michaela Reibenwein