Wowereit: "Auch Wien ist eine sexy Stadt"

Klaus Wowereit
Foto: REUTERS Klaus Wowereit (58) ist seit 2001 Berliner Bürgermeister.

Berlins Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) über Integrations- und Verkehrspolitik – und die Erotik von Großstädten.

Für die Klubklausur in Rust holte Michael Häupl einen prominenten Gast aus Deutschland: Klaus Wowereit (58) ist seit 2001 Berliner Bürgermeister.

KURIER: Herr Bürgermeister, was kann Berlin von Wien lernen?

Klaus Wowereit: Wien hat eine sehr gute Positionierung in Richtung Mittel- und Osteuropa. Da kann Berlin noch viel tun. Wien hat noch einen Vorteil: Die österreichische Wirtschaft ist sehr stark auf die Hauptstadt konzentriert. Berlin ist – wegen der deutschen Teilung – wirtschaftlich relativ schwach. Wir sind aber dabei, das aufzuholen.

Und was kann Wien von Berlin lernen?

Vielleicht das: Berlin steht heute für junge Kreativität. Die etablierten kulturellen Einrichtungen sind wichtig, es braucht aber auch einen Freiraum für Kreativität.

Wien plant eine Charta, die das Zusammenleben zwischen Migranten und Einheimischen regeln soll. Wie sollten die Eckpunkte aussehen?

Von beiden Seiten muss ein Beitrag geleistet werden. Einerseits muss die Mehrheitsbevölkerung Menschen aus anderen Ländern willkommen heißen. Es muss aber auch ein Integrationswille vorhanden sein. Ganz wichtig ist dabei das Erlernen der Sprache für einen schulischen und beruflichen Erfolg. Hier ist auch ein Eigenbeitrag der Zugewanderten zu leisten.

Versuche, den Autoverkehr in Wien zurückzudrängen, sorgen für Debatten. Wie soll das Problem gelöst werden?

Heute kann man Großstädte nicht mehr autogerecht bauen. Umso wichtiger ist es, das öffentliche Verkehrsnetz auszubauen. Es braucht auch neue Konzepte wie Car-Sharing und E-Mobilität. Ich gehöre aber nicht zu denen, die Autofahrer bekämpfen. Wir haben uns daher entschieden, einen Teilabschnitt einer Autobahn zu bauen.

Seit 2008 gibt es in Berlin Umweltzonen. Sie dürfen nur von Fahrzeugen befahren werden, die Abgas-Standards erfüllen. Ihre Erfahrungen damit?

Nach der anfänglichen Aufregung hat sich das Projekt bewährt. Sie haben nachweislich einen positiven Effekt auf die Umwelt. Auch der administrative Aufwand ist nicht so hoch wie befürchtet.

Was kann Häupl tun, damit Wien so sexy wie Berlin wird?

Verkaufen Sie sich da mal nicht unter Wert. Auch Wien ist sexy – die Attraktivität sehen Sie an den Tourismus-Zahlen und an den internationalen Kongressen.

Wiens „Sexyness“ ist im Vergleich zu Berlin nicht gerade jugendlich.

Sex ist nicht nur eine Frage von Jugend.

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(kurier) Erstellt am
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