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Chronik Wien WohnKURIER
06/02/2019

Raus von daheim und rein ins Leben

Die „JungwienerInnen-Aktion“ ermöglicht die erste eigene Wohnung – Möbel inklusive.

Die erste eigene Wohnung – für viele ein großer Schritt im jungen Leben. Raus aus dem Elternhaus und rein in die Selbstständigkeit, heißt es dann. Und erstmals auch: Miete zahlen. Um die finanziellen Hürden zu beseitigen, hat die Stadt Wien die „JungwienerInnen-Aktion“ ins Leben gerufen.

Laut Statistik Austria leben (Stand 1. Jänner 2019, Anm.) 200.578 Menschen im Alter zwischen 18 und 25 Jahren in Wien. Das sind etwa zehn Prozent der Wiener Gesamtbevölkerung. Wien ist zudem die größte Universitätsstadt im deutschsprachigen Raum – 194.154 Menschen studierten im Semester 2017/2018 an den Universitäten und Fachhochschulen in Wien.

Diesen jungen Bevölkerungsteil will die Aktion ansprechen. Der Trend geht nämlich dahin, dass Jugendliche immer später von zu Hause wegziehen. Gemäß Zahlen aus 2017 der Eurostat (statistisches Amt der EU, Anm.) ziehen Österreicher durchschnittlich im Alter von 25,2 Jahren von daheim aus.

Geschuldet ist das dem Lebenslauf und den Lebenskosten: die Ausbildung dauert länger, die meisten verdienen später, aufgrund von Praktika oft auch nur unregelmäßig. Viele können sich deshalb in jungen Jahren keine eigene Wohnung leisten.

Kriterien erfüllen

Die Jungwienerinnen-Aktion soll das Wohnproblem der Jungen entschärfen. Diese Förderung wird von der Stadt Wien vergeben und ist gültig beim Einzug in Gemeinde- oder geförderte Wohnungen. Um sie zu erhalten müssen die Interessenten bestimmte Kriterien erfüllen:

Sie müssen zwischen 17 und 30 Jahre alt sein und die Grundvoraussetzungen für ein Wiener Wohn-Ticket mit begründetem Wohnbedarf erfüllen (Infos hier). Weiters muss der Interessent die vergangenen zehn Jahre bei den Eltern gewohnt haben.

Darlehen soll im Notfall helfen

Zu Beginn ist ein Eigenmittelanteil zu zahlen. Dazu kann bei der Stadt Wien ein Darlehen mit einem einprozentigem Zinssatz beantragt werden. Ein Zahlungsaufschub kann gewährt werden.

Hat man alles gut durchdacht, durchgerechnet und beantragt (hier), steht dem Umzug in eine geförderte Wohnung nichts mehr im Wege. Zwei Wohnprojekte, die versuchen, gezielt auf die Bedürfnisse von Jugendlichen einzugehen, sind in Neu Leopoldau in Floridsdorf in Bau.

Möblierung vorhanden

Anfang 2020 wird das Projekt „Offene Inseln“ mit 115 geförderten Mietwohnungen fertiggestellt. 38 davon sind sogenannte SMART-Wohnungen (mehr dazu auf Seite 5). Diese sind vor allem beim jungen Publikum beliebt.

Zudem wird es zwei Wohngemeinschaften mit 13 Heimplätzen und einer Gemeinschaftsküche geben. Um die Gründung des ersten eigenen Haushalts zu erleichtern ist für die kleinen Wohnungen eine Grundausstattung vorgesehen. So werden Küchen und Schrankelemente mitvermietet.

Auch beim Bauprojekt „NELE!“ mit 114 geförderten Wohnen, die 2021 bezogen werden sollen, wird das der Fall sein. Dort ermöglichen flexible Grundrisse eine effiziente Raumaufteilung.

So werden etwa statt Trennwänden Schränke installiert. Eine kompakte Kleinküche ist bei der „Startermöblierung“ dabei. Auch ans Feiern ist gedacht: ein Gemeinschaftsraum für Feste und Veranstaltungen ist eingeplant.

Gründe fürs Ausziehen

Mama wäscht die Wäsche, sie kocht das Essen und putzt das Haus  oder die Wohnung. Nun stellt sich die Frage: Warum auf diesen Luxus freiwillig verzichten?

Die Plattform „Immobilienscout24“ hat dazu im September vergangenen Jahres 815 Österreicher befragt. Der Wunsch nach Eigenständigkeit steht ganz oben auf der Liste, weshalb Jugendliche aus dem Elternhaus ausziehen.

Denn 82 Prozent gaben an, selbst auf eigenen Beinen stehen zu wollen. 79 Prozent wollen ihre eigene „Unordnung“ ausleben.  Auch Kreativität dürfte eine Rolle spielen: 77 Prozent freuen sich darauf, selbst einrichten zu dürfen.

Die Freiheit, die eigenen Freunde einladen zu können, geben ebenfalls 77 Prozent der Befragten als Grund für einen Auszug an. Zudem wollen sich 76 Prozent vor ihren Eltern nicht mehr rechtfertigen müssen.

Ganz trennen die Befragten die Nabelschnur zu ihren Eltern aber nicht durch. Nur zwei Prozent gaben an, danach den Kontakt zu ihren Eltern verloren zu haben. Der Rest kehrt immer wieder mal auf Besuch ins „Hotel Mama“ heim.

von Petra Hochstrasser