Der Airbnb-Trick: 165 Anträge an Baupolizei
Seit Jahren sind illegale Kurzzeitvermietungen von Wohnungen der Stadt ein Dorn im Auge. Deshalb wurde bei den Bedingungen für Vermieter auch nachgeschärft: Seit Juli 2024 braucht man eine Ausnahmebewilligung, wenn man eine Wohnung mehr als 90 Tage im Jahr an Touristen vermieten will.
Es dauerte jedoch nicht lange, bis Investoren ein Schlupfloch fanden: Und zwar die Umwidmung bestehender Gebäude in Beherbergungsbetriebe. Bei der Baupolizei (MA 37) wurden heuer bis zum Stichtag 22. Juni (aktuellste Zahl) insgesamt 165 Anträge eingebracht.
Leopoldstadt auf Platz 1
Besonders beliebt sind offenbar Wohnungen bzw. Häuser in der Leopoldstadt mit 18 Anträgen, gefolgt von der Inneren Stadt und Rudolfsheim-Fünfhaus mit jeweils 16 Anträgen (siehe Grafik unten). Vergleichsweise wenige Anträge auf Umwidmungen gibt es in den äußeren Bezirken, in Hietzing etwa wurde überhaupt keiner gestellt.
Erlaubt wird in der Bauordnung bei einer Umwidmung die „Unterbringung von Gästen zu vorübergehendem Aufenthalt“. Auch über 90 Tage hinaus. Hotels oder Heime nutzen diese Widmung üblicherweise. Aber auch Investoren machen sich diese Methode zunutze, der KURIER berichtete.
Von den 165 Anträgen, die heuer bereits gestellt wurden, wurden 47 auch bewilligt, 80 sind in Bearbeitung und 17 wurden von den Antragstellern zurückgezogen. „Elf wurden zurückgewiesen, etwa weil Unterlagen gefehlt haben, zehn Anträge wurden von uns abgelehnt“, sagt eine Sprecherin der Baupolizei.
Regelungen
Seit 2018 durften Wohnungen in Gebieten, die als Wohnzonen ausgewiesen sind, nicht gewerblich vermietet werden. Mit der Neu-Regelung ab 1. Juli 2024 wollte die Stadt verhindern, dass Wohnraum dauerhaft dem Markt entzogen wird.
14.000 Wohnungen
werden laut dem Wohnhaussprecher der Grünen, Georg Prack, in Wien dauerhaft als Tourismusappartements betrieben.
305 Anträge im Vorjahr
Zum Vergleich: Im Vorjahr wurden 305 Anträge bei der MA 37 eingebracht. Das ergab eine von den Grünen eingebrachte Anfrage an das Wohnbauressort der Stadt. 132 davon wurden rechtskräftig bewilligt, 111 wurden abgelehnt. Judith Pühringer, Parteivorsitzende der Grünen, forderte bereits mehrfach, der Umwidmungspraxis mancher Investoren einen Riegel vorzuschieben. „Durch die Umwidmung geht der Wohnraum für die Wienerinnen und Wiener verloren. Das Ganze rückgängig zu machen, ist nur sehr schwer möglich“, ergänzte Georg Prack, Klubchef und Wohnbausprecher, bei einer Pressekonferenz.
Bei der Baupolizei macht man aber darauf aufmerksam, dass diese Anträge auf Umwidmungen „unterschiedlichster Natur sein können“, erklärt die Sprecherin. Etwa wenn bei einem Hotel die Fenster getauscht werden. Es fallen also auch allfällige bauliche Änderungen an bereits bestehenden Hotels darunter – wie viele Anträge also tatsächlich mit der Intention gestellt werden, die strengen Regeln für Kurzzeitvermietung zu umgehen, lasse sich aus den Zahlen der Baupolizei nicht ableiten.
„Datenmaterial evaluiert“
Ob die Zahl der Anträge in den vergangenen Jahren angestiegen ist, könne man aus Sicht der MA 37 nicht sagen. „Das Herausrechnen der expliziten Umwidmungen ist uns technisch nur bedingt möglich“, betonte die Sprecherin. Das vorhandene Datenmaterial werde aber laufend mit den politischen Entscheidungsträgern evaluiert, um gegebenenfalls gesetzliche Anpassungen vornehmen zu können.
Strafen bis zu 50.000 Euro
Eine Neuheit kommt im Herbst auf die Kurzzeit-Vermieter zu: Sie müssen sich in einem Online-Register eintragen. Ohne eine Registrierungsnummer darf die Wohnung auf Plattformen wie Airbnb oder Booking nicht mehr angeboten werden. Halten sich Vermieter nicht daran, fallen hohe Strafen an. Bürgermeister Michael Ludwig (SPÖ) sprach von bis zu 50.000 Euro.
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