Chronik | Wien 27.03.2012

„Wir wollen endlich ins Stadthallenbad“

Wiens größtes Bad ist undicht. Die Schüler der 3C des Gymnasiums Klostergasse sitzen daher auf dem Trockenen.

Domenika Kolobziej hat ihre Taucherbrille zum Turnunterricht mitgebracht. Die 13-Jährige sollte heute eigentlich für ihr Fahrtenschwimmer-Abzeichen trainieren. Doch stattdessen sitzt sie mit ihren Schulkollegen im Turnsaal.

„Wir sind bis jetzt kein einziges Mal schwimmen gewesen“, sagt Domenika. Nicht, dass der normale Turnunterricht keinen Spaß machen würde, aber zumindest hin und wieder würde sie schon gerne schwimmen. „Ich will endlich ins Stadthallenbad.“

Übervoll

Die Stadt könne auch ohne Stadthallenbad den Bedarf für das Schulschwimmen decken, erklärte Sportstadtrat Christian Oxonitsch kürzlich im KURIER-Interview, es gebe genug Wasserflächen in Wien. „Alle Schulen gleichzeitig aufzunehmen, geht leider nicht", muss nun ein Sprecher der Wiener Bäder (MA 44) seinem Stadtrat widersprechen. Pro Woche kämen zwar knapp 7500 Schüler in die Wiener Hallen- und Kombibäder, doch die Bäder seien übervoll und man müsse auch auf die anderen Badegäste schauen.

Seit der Schließung des Stadthallenbad habe das Hütteldorfer Bad zwar Kapazitäten übernommen, doch das reiche nicht aus. Neues Ungemach droht ab Herbst, wenn auch das Amalienbad für Renovierungen geschlossen wird.

„Unsere Schule ist dem Stadthallenbad zugeteilt, doch seit das geschlossen wurde, gibt es kein Bad, dass unsere drei dritten Klassen übernehmen wollte", erzählt die Turnlehrerin Roswitha Pilecky.

Eigentlich wollte sie heuer mit allen Kindern das Fahrtenschwimmer-Abzeichen machen. Seit 27 Jahren ist sie Turnlehrerin, doch dass eine ihrer Schulklassen nicht schwimmen lernen kann, hat sie noch nicht erlebt. „Der Fahrtenschwimmer ist Voraussetzung für die Teilnahme an der Sportwoche", erklärt Pilecky. 15 Minuten Dauerschwimmen, 10 Meter weit tauchen und einen 2,5 kg schweren Gegenstand aus zwei Metern Tiefe heraufholen. Dazu noch einmal 50 Meter Rückenschwimmen ohne Armbewegungen.

Auch im Lehrplan steht als Mindestanforderung an die Unterstufe: „Vielfältiges bewegen und spielen im Wasser. Schwimmen können in einer Schwimmlage. Einfache Sprünge."
In der Oberstufe sollen die jetzigen Drittklässler dann am Neusiedler See im Rahmen der Sportwoche Surfen oder Segeln lernen.

Piotr Jantos hat erst den Frühschwimmer, besser bekannt als Pinguin-Abzeichen. Für die Sportwoche reicht das nicht. Wie er jetzt schwimmen lerne? „Naja, das mache ich privat mit den Eltern." Denn er will in der Oberstufe mit zur Sportwoche fahren.

 

( Kurier ) Erstellt am 27.03.2012