Chronik | Wien
15.12.2017

Wilhelminenspital: OP-Neubau mit Schönheitsfehlern

Nach massiven Verzögerungen ist der neue OP-Trakt in Betrieb, der Rechtsstreit beginnt aber erst.

Mit einer Verspätung von mehr als eineinhalb Jahren ist es nun endlich soweit: Der neue Zentral-OP im Wilhelminenspital ist vor Kurzem in Betrieb gegangen. Das vierstöckige Objekt in Containerbauweise beheimatet unter anderem acht moderne OP-Säle, einen Notsectio-OP sowie eine Intensivstation, eine Pathologie und Mikrobiologie.

Durch die Zusammenlegung all dieser Einrichtungen unter einem Dach soll die Behandlung der Patienten wesentlich rascher und effizienter erfolgen als bisher. "Auch mit einem intelligenten OP-Management wird die Nutzung der Säle optimiert. Damit können wir nicht nur die Zahl der Operationen erhöhen, sondern auch die Wartezeit verkürzen", sagt Michael Binder, der für medizinische Belange zuständige Direktor des Krankenanstaltenverbunds (KAV).

Die Euphorie über den hochmodernen Neubau ist aber getrübt durch massive Querelen, die die Errichtung begleiteten und noch lange nicht ausgestanden sind. Wie berichtet, hätte das Objekt schon im März 2016 in Betrieb gehen sollen. Aufgrund massiver Baumängel kam es aber zu Verzögerungen. Zu allem Überdruss kam es im Sommer 2016 noch zu einem Wassereinbruch mit einem damit verbundenen Schimmelbefall, der schwere Schäden verursachte.

Deshalb zieht der KAV jetzt gegen den Errichter – die deutsche Firma Cadolto – vor Gericht. "Wir werden versuchen, uns schadlos zu halten", betont Gesundheitsstadträtin Sandra Frauenberger (SPÖ).

Streit vor Gericht

Konkret wird die im Vertrag festgelegte Pönale von fünf Monatsmieten eingeklagt, wie Martin Johannes Huber, Leiter der Stabsstelle Neubau Wilhelminenspital, erläutert.

Zur Erklärung: Eigentümer des Objekts ist nicht der KAV, sondern der Errichter, der es an den Spitalsträger vermietet. Der Mietvertrag ist laut Huber über acht Jahre abgeschlossen. Nach Auslaufen hat der KAV eine Übernahme-Option. Über die Höhe der Miete will man sich beim KAV nicht äußern. Dem Vernehmen nach liegt sie bei mindestens 325.000 Euro pro Monat. Dies würde einen Streitwert von rund 1,6 Millionen Euro ergeben.

Der Errichter Cadolto attackiert seinerseits den KAV: "Eine Pönale wird es aufgrund umfangreicher Behinderungen durch den KAV nicht geben. Aufgrund dieser Situation stehen vielmehr Cadolto erhebliche Ersatzansprüche gegenüber dem KAV zu", sagt ein Sprecher. "Wenn es keine Einigung gibt, werden die Gerichte entscheiden müssen. Wir sehen gerichtlichen Auseinandersetzungen gelassen entgegen und vertrauen auf die österreichische Justiz."

Unklar bleibt, wie die Zukunft des Neubaus langfristig aussieht. Ursprünglich war der Bau nur als Interimslösung geplant, bis ein fixer Zentralbau für das Wilhelminenspital errichtet wird. Dieser hätte ursprünglich bis 2023 gebaut werden sollen, mittlerweile räumt man im KAV eine Verzögerung von sieben Jahren ein. Laut Binder soll nun der Bau dauerhaft bleiben und in das Gesamtkonzept des neuen Spitals integriert werden. "Bis 2030 wird der neue Zentral-OP auf jeden Fall in Betrieb sein", sagt ein KAV-Sprecher.