© Kurier/Jeff Mangione

Prater
09/27/2018

Wiesngaudi: Wien wird wieder ein Dorf

18 Tage wird im Prater wieder rustikale Lebensfreude zelebriert. Die Politik darf da nicht fehlen

von Josef Gebhard

Wien bleibt Wien“, intoniert die Musikkapelle Göss vor der hölzernen Festbühne auf der Kaiserwiese. So richtig glauben will man das nicht – angesichts der unzähligen Dirndl- und Lederhosenträger, die an diesem Vormittag in den Prater strömen.

Mit dem gestrigen Start der Wiener Wiesn zieht für 18 Tage wieder ländliche Bierzelt-Atmosphäre in die Stadt ein. Mit musikalischen Stimmungsmachern von „Mölltallica“ bis hin zu den „Saubartln“, Stelzen und Brezen – und natürlich jeder Menge Bier. Auch heuer wieder werden 350.000 Gäste erwartet.

Nicht jedem gefällt, dass mit der jüngsten Häufung derartiger Veranstaltungen Wien zunehmend ein Dorf wird: Für ihn sei eine Lederhose in einer Millionenstadt ein Kulturschock, ließ Gesundheitsstadtrat Peter Hacker ( SPÖ) erst vor Kurzem wissen.

Sein Chef Michael Ludwig hat da schon weniger Berührungsängste. Schon als Stadtrat nahm er regelmäßig den Bieranstich auf der Festbühne vor. Auch jetzt als Bürgermeister lässt er es sich nicht nehmen, sich mit dem Traktor auf die Kaiserwiese kutschieren zu lassen. Mit Trachtenjanker und Krachlederner, begleitet von Blasmusik.

Bieranstich

Ehe er zum Bieranstich auf die Bühne darf, plaudert er mit den Gästen, lässt sich ein SPÖ-Lebkuchenherz zustecken und posiert für Fotos mit Fans und Musikern. Er freue sich über die vielen Gäste und Mitwirkenden aus den anderen Bundesländern, sagt Ludwig dann auf der Bühne. Aber auch über die Kulinarik, das Bier, den Wiener Wein und die „wunderschönen Mädeln in Tracht“. Der Bieranstich mit Ex-Abfahrer und Gösser-Werbebotschafter Hans Knauß werde nicht sein letzter Besuch sein, verspricht der Bürgermeister.

Vom Festwagen, gleich hinter Ludwig, darf dieses Jahr auch Markus Wölbitsch herunterwinken. Er ist erst seit wenigen Monaten Stadtrat der Wiener ÖVP. Gegen Bierzelt-Gaudi in der Stadt hat auch er nichts einzuwenden: „Das kommt einem aktuellen Trend entgegen: Weg von der Anonymität, hin zu mehr dörflichen Strukturen auch in der Großstadt. Ähnlich wie das in meinem Heimatbezirk Liesing schon seit jeher ist.“

Die Tracht gehöre dazu, ist Wölbitsch überzeugt: „Sie sorgt für Lockerheit. Ab und zu trage ich sie gerne. Ich versuche aber, nicht etwas vorzugeben, was ich nicht bin“, sagt der ÖVP-Politiker, der die Wiesn an den kommenden Abenden öfter besuchen will, um in lockerer Atmosphäre über Wirtschaft, Politik und Privates zu plaudern.

Was auffällt: Die Spitze der FPÖ – sonst Fixstarter bei derart rustikalen Vergnügungen – fehlt diesmal bei der Eröffnung. Aufgrund des Sitzungsmarathons im Gemeinderat habe kein Funktionär die Zeit gefunden, in den Prater zu kommen, erklärt eine Sprecherin. Man werde aber, verspricht sie, das Versäumte nachholen. www.wienerwiesnfest.at

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