Chronik | Wien
15.11.2018

Wiens Zukunft: Weniger Zuwanderung, mehr Alte

Seit 2001 ist Wien um 340.000 Menschen gewachsen. Eine derartige Entwicklung gab es zuletzt in der Monarchie.

Wien hat - was es nur alle vier Jahre tut - wieder eine Bevölkerungsprognose erstellt. Aus dieser geht hervor, dass Wien nach Jahren der Zuwächse künftig nur mehr mäßig wächst. Die Struktur der Bewohnerschaft ändert sich ebenfalls. Wien wird langsam, aber sicher wieder altern.

Laut den Berechnungen der Statistik-Magistratsabteilung 23 geht derzeit eine starke Wachstumsphase zu Ende, wie der Leiter der Abteilung, Klemens Himpele, und Projektleiter Ramon Bauer im Gespräch mit Journalisten erläuterte. Seit 2001 ist Wien um 340.000 Menschen gewachsen. Eine derartige Entwicklung gab es zuletzt in der Monarchie. Verantwortlich dafür waren vor allem die Arbeitsmarktöffnung für die EU-Nachbarstaaten im Osten sowie die Ankunft jener Menschen, die vor dem Krieg in Syrien oder Afghanistan geflohen sind.

Doch schon seit 2016 geht die Entwicklung moderater vor sich. Das für die nächsten 30 Jahre errechnete Wachstum entspricht jenem, das Wien in den vergangenen 15 Jahren erlebt hat - halbiert sich also. Konkret bedeutet dies: 2027 wird die Zwei-Millionen-Grenze überschritten, 2035 der historische Bevölkerungshöchststand von 1910 (2,083.630 Menschen, Anm.) übertroffen.

Starke Zuwanderung aus Deutschland

Die Zuwanderung dürfte zumindest laut den derzeitigen Prognosen zurückgehen - falls nicht unvorhersehbare Ereignisse, die etwa zu Fluchtbewegungen führen, eintreten. So soll etwa der Zuzug aus Osteuropa deutlich weniger werden, da dort das Lohnniveau steigt und die Bevölkerung teils sogar schrumpft. Auch die Zuwanderungsbilanz aus der Türkei ist inzwischen ausgeglichen. Stark dürfte die Zuwanderung hingegen aus Deutschland bleiben.

Künftig wird sich das Wachstum aber nicht mehr - wie derzeit - hauptsächlich durch Migration ergeben, sondern zu 50 Prozent auch durch Geburten. Denn deren Rate ist in Wien positiv, was sich laut MA 23 nicht ändern dürfte. Grund für den Kindersegen: Die Bevölkerung Wiens ist zuletzt deutlich jünger geworden, es befinden sich mehr Frauen im "gebärfähigen" Alter als früher.

Auswirkung auf Alterspyramide

Das nur mehr moderate Wachstum hat - in Kombination mit steigender Lebenserwartung - aber auch eine klare Auswirkung auf die Alterspyramide. Die Prognose kommt zu dem Schluss, dass Wien nach Jahren der Verjüngung wieder älter wird. So werden etwa die in den 1960er-Jahren geborenen Babyboomer in die Generation über 80 Jahre "hinaufaltern". Die absolute Zahl dieser Hochbetagten wird sich zwischen 2018 und 2048 auf mehr als 160.000 verdoppeln, hieß es.

Höchst unterschiedlich dürfte die Entwicklung in den Bezirken verlaufen, wo ein teils deutlicher Anstieg mitunter sogar einer Schrumpfung gegenübersteht - wobei anders als bei der Gesamtprognose, die 30 Jahre umfasst, bei der kleinteiligen Erhebung nur der Zeitraum der nächsten 20 Jahre betrachtet wurde. Wachsen werden vor allem die großen Randbezirke bzw. jene Gegenden, in denen neue Stadtteile errichtet werden. Die Donaustadt holt etwa, wohl dank der "Seestadt Aspern", stark zum größten Bezirk Favoriten auf. Die inneren Bezirke stagnieren oder werden sogar leicht schrumpfen, wobei Mariahilf hier den deutlichsten Rückgang verzeichnen könnte.