BILD zu OTS - Die Initiative Handywissen.at präsentiert ein neues Schulpaket zum Thema "Das Handy in der Schule - Mit Chancen und Risiken kompetent umgehen".

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Wien
05/15/2013

Schulen diskutieren über ein Handyverbot

Handys würden im Unterricht und in den Pausen stören. Stadtschulrat ist gegen ein Komplettverbot. Eltern und Schüler sind skeptisch.

von Oliver Scheiber, Ute Brühl

In mehreren Wiener Schulen wird darüber diskutiert, ob Handys generell verboten werden sollen oder nicht. Einige Schulen überlegen ein Handyverbot zumindest in der Pause. Oft würden Handys den Unterricht stören, das Smartphone beherrsche die Pause, die Schüler würden nicht mehr miteinander, sondern nur mehr mit dem Handy kommunizieren, beklagen Lehrer. Gegenüber dem KURIER sprechen sich der Wiener Stadtschulrat, Eltern und Schülervertreter aber gegen ein totales Verbot aus (siehe Reaktionen unten).

Die Zahlen sprechen eine eindeutige Sprache: Neun von zehn Jugendlichen haben ein Mobiltelefon, die Hälfte besitzt ein Smartphone, wie internationale Studien zeigen. Kurzum: Handys sind aus der Welt der Kinder und Teenager nicht mehr wegzudenken. An mehreren Wiener Schulen wird dennoch über ein mögliches Handyverbot beraten. Schülervertreter, Lehrer und Eltern sollen gemeinsam entscheiden, das Verbot nicht aus der Direktion verordnet werden.

Verbote und Diskussionen

So wird etwa im Gymnasium Wasagasse in Wien-Alsergrund darüber diskutiert, ob auch die Pausen in Zukunft handyfrei sein sollen. Direktor Johannes Bauer setzt aber auf einen breiten Konsens (siehe Interview unten). In einigen Schulen wie etwa dem Bundesgymnasium Bad Vöslau in Niederösterreich oder im Gymnasium Contiweg in Wien-Donaustadt besteht bereits ein Handyverbot. Dort wird allerdings wieder über eine Aufhebung diskutiert. Die Schüler sollen einen bewussten Umgang mit dem Handy lernen, begründete Direktorin Monika Auböck die Diskussion gegenüber Radio Wien.

Stadtschulrat verweist auf Schul-Autonomie

Im Wiener Stadtschulrat verweist man bei dem Thema auf das Selbsbestimmungsrecht der Schulen. Durch die Schul-Autonomie gibt es vom Stadtschulrat keine Vorgaben, wie die Handynutzung geregelt ist. Schulen können aber im Rahmen der Schulpartnerschaft zwischen Eltern, Schülern und Lehrern mit einer Schulvereinbarung die Handynutzung selbst festlegen. Allerdings warnt ein Sprecher von Stadtschulratspräsidentin Susanne Brandsteidl vor einem generellen Handyverbot: "Vorsicht vor Regeln, die man nicht kontrollieren kann." Die Handynutzung während Schulstunden selbst sei im Unterrichtsgesetz geregelt: "Alles was den Unterricht stört, ist sowieso verboten."

Mehr zum Thema Schule unter kurier.at/schueleranwalt

Es wird nicht mehr miteinander kommuniziert

Im Bundesgymnasium Wien 9 in der Wasagasse in Wien-Alsergrund wird derzeit gerade über ein Handyverbot in den Pausen nachgedacht. Direktor Johannes Bauer pocht auf ein Miteinander, mit der Brechstange will er ein Verbot auf keinen Fall durchsetzen.

KURIER: Was sind die nächsten Schritte in Ihrer Schule?
Johannes Bauer: Wir befinden uns gerade in einer Diskussionsphase. Heute etwa haben die Klassensprecher und Schülervertreter darüber diskutiert. Am kommenden Freitag gibt es eine Sitzung des Schulgemeinschaftsausschusses. Dort möchte ich das Thema auf die Agenda setzen. Vielleicht schaffen wir eine gemeinsame Lösung.

Gibt es einen konkreten Anlassfall?
Die ständige Beobachtung, dass in den Pausen kaum mehr Kommunikation zwischen den Schülern stattfindet. Vereinfacht ausgedrückt ist es so, dass die Burschen auf dem Smartphone spielen, und zwar so, dass einer spielt und fünf schauen ihm dabei zu und die Mädchen in sozialen Netzwerken wie Facebook surfen oder nur via Chat-Plattformen wie etwa WhatsApp kommunizieren. Es gibt überhaupt keinen zwischenmenschlichen Austausch mehr, der gerade in der Schule eine Selbstverständlichkeit sein sollte.

Wie stehen Schüler zum Verbot?
Aus meinen Gesprächen mit Schülern weiß ich, dass vor allem die Kleinen gar nichts gegen ein Handyverbot in der Pause hätten. Wenn das Verbot in der Hausordnung steht, haben sie einen Grund, das Handy nicht zu verwenden. Von meiner Tochter – sie geht in das Gymnasium in der Roseggergasse in Perchtoldsdorf, wo es bereits ein Handyverbot in Pausen gibt – weiß ich, dass es funktioniert. Dort spielt niemand mehr in der Pause mit seinem Smartphone.

Glauben Sie, dass es in Ihrer Schule funktionieren würde?
Ich denke schon, aber wir wollen es nicht mit der Brechstange durchsetzen. Was wir versuchen wollen, ist eine Haltungsänderung zu erreichen. Wenn es ein Verbot gibt, dann deshalb, weil wir – Eltern, Lehrer und Schüler– es wollen. Von einem generellen Handyverbot halte ich allerdings nichts. Es gibt einfach gesellschaftliche Phänomene, denen wir uns nicht verschließen können.

Wie wollen Sie ein Verbot kontrollieren?
Ich könnte mir vorstellen, dass die Schüler einander gegenseitig kontrollieren und den Nachbarn, der mit seinem Smartphone spielt an das Verbot erinnern. Oder die Gangaufsicht passt auf. Bei groben Verstößen könnte ich mir vorstellen, dem betroffeenen Schüler kurzfristig sein Handy abzunehmen.

Wie würde das Verbot konkret umgesetzt?
Wir müssten unsere Hausordnung ändern, dafür ist eine Zweidrittelmehrheit im Schulgemeinschaftsausschuss, bestehend aus Eltern, Lehren und Schülern, notwendig.

Eltern und Schülervertreter sind skeptisch

Die Reaktionen seitens Schülern und Elternvertretern sind ähnlich. Ein generelles Handyverbot erachtet niemand für wirklich sinnvoll bzw. durchsetzbar.

Daniel Perschy, Obmann der Schülerunion Österreich:
"Ein völliges Handyverbot ist nicht umseztbar. In Schulen, in denen man Mobiltelefone verboten hat, hatten dann doch 100 Prozent der Schüler eines in Ihrer Tasche. Besser wäre es, wenn in der Schule der richtige Umgang damit geübt wird. Ich habe ja später im Arbeitsleben auch immer ein Handy mit, ohne dass ich dauernd telefoniere oder SMS verschicke. Überhaupt kann man ein Handy - zumindest in den Oberstufen - mit in den Unterricht integrieren, so dass man lernt, wie man es sinnvoll einsetzt. Das Gleiche gilt für Schularbeiten. Die Fragen müssen so formuliert werden, dass ich das Handy oder einen Laptop als Hilfsmittel einsetzen kann."

Susanne Schmid vom Elternverband für höhere Schulen:
"Ein Verbot halte ich grundsätzlich für falsch. Während des Unterrichts und der Schularbeiten muss das Handy aus sein. Das ist klar. Und das soll auch in den Verhaltensregeln stehen, in denen auch Konsequenzen festgeschrieben werden, falls das Handy im Unterricht bimmelt. Grundsätzlich will ich als Mutter aber, dass ich mein Kind zumindest in den Pausen erreichen kann. Und es soll mich erreichen können."

Andreas Ehlers, Elternvertreter für Pflichtschulen:
"Während des Unterrichts soll das Handy aus bleiben. Das kann man aber in der Hausordnung festschreiben. Diese muss vom Schulgemeinschaftsausschuss bzw. vom Schulforum beschlossen werden."