Members of the Vienna Boys Choir perform during a visit of Austrian President Heinz Fischer (not pictured) at their home in Vienna, January 30, 2012. REUTERS/Heinz-Peter Bader (AUSTRIA - Tags: ENTERTAINMENT)

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Chronik | Wien
07/17/2013

Wiener Sängerknaben befürchten ihr Ende

Sängerknaben sollen nach Kritik von Rechnungshof Miete von 17.200 Euro zahlen.

Kaum ist der - nicht gänzlich unumstrittene - Konzertsaal fertig, stehen die Wiener Sängerknaben vor einem neuen Problem: Sie residieren derzeit gratis im Palais Augarten und sollen dafür demnächst Miete zahlen. Anlass dafür ist eine Kritik des Rechnungshofs, der eine versteckte Subvention ortete. Ob tatsächlich monatlich 17.200 Euro gezahlt werden müssen, wie am Mittwoch medial kolportiert wurde, ist allerdings offen.

"Wir verhandeln mit den Sängerknaben über eine Lösung", berichtet Burghauptmann Reinhold Sahl. Er wurde vom Wirtschaftsministerium mit der Angelegenheit betraut. Eigentümer des Palais Augarten ist die Republik. Den Sängerknaben wurde zuletzt durch Investitionen, die sie getätigt haben, eine Mietfreistellung gewährt.

Nun sollen sie wieder zahlen bzw. eine andere Lösung gefunden werden. Wie eine solche aussehen könnte, wollte Sahl angesichts der laufenden Verhandlungen nicht sagen. Zudem gebe es verschiedene Modelle, die geprüft würden.

Nettig tritt ab

Der Präsident der Wiener Sängerknaben, Walter Nettig, ließ in Zeitungsinterviews anklingen, dass er eine Miete von 17.200 Euro nicht akzeptieren werde. In so einem Fall sei es nicht mehr möglich, die Dienstleistungen bzw. die Qualität aufrecht zu erhalten. Nötig wären dann Subventionen, versicherte Nettig.

Die Burghauptmannschaft wird sich jedoch bald um einen neuen Verhandlungspartner umsehen müssen. Nettig wird Ende August seinen Präsidentensessel bei den Sängerknaben räumen. Der einstige Wiener Wirtschaftskammerpräsident - und ehemalige Sängerknabe - hat dieses Amt 2008 angetreten.

"Wir schaffen das nicht", warnten die Sängerknaben am Mittwoch in einer Aussendung. In der Mitteilung wurde auf den Werbewert der Sängerknaben verwiesen, "den man nicht beziffern kann". Und man verstehe sich als Bildungseinrichtung. Um den Betrieb aufrecht zu halten, benötige man mindestens 2,8 Mio. Euro pro Jahr. "Dieses Geld muss von uns verdient werden. Etwa 65 Prozent des laufenden Budgets können wir erwirtschaften", hieß es.