Chronik | Wien 05.12.2011

Wiener Rettung: Kein Taxi mit Blaulicht

Dass die Warte- und Fahrzeiten zu lang sind, bestreiten die Mitarbeiter der Wiener Rettung. Ein Lokalaugenschein.

Katastrophenzug zum Stephansplatz", lautet die knappe Anweisung aus dem Lautsprecher in der Zentrale der Wiener Rettung in der Radetzkystraße. Wenige Augenblicke später verlässt das Fahrzeug mit Blaulicht und Sirenengeheul die Garage. Kurz darauf folgt ein zweiter Wagen und ein Noteinsatzfahrzeug. Ein Rettungswagen, der gerade in der Stadt unterwegs war, wurde bereits vorher in die Innenstadt umgeleitet.

Herzstück: In der Leitstelle nehmen die Mitarbeiter Notrufe entgegen und schicken die Einsatzfahrzeuge aus. Die Großbildschirme zeigen auch die aktuelle Verkehrslage.
© Bild: Christandl Jürg / KURIER

Auslöser des Einsatzes: Starke Rauchentwicklung in der U-Bahnstation Stephansplatz. "Vom Notruf bis zum Ausfahren unserer Fahrzeuge sind weniger als drei Minuten vergangen", sagt Dieter Sebald, interimistischer Chefarzt der Wiener Rettung, zufrieden.

Im Schnitt dauert es elf Minuten, bis die Wiener Rettung zum Einsatzort gelangt. 2005 waren es noch 9,5 Minuten, wie jetzt das Kontrollamt festgestellt hat. Das bedeute aber nicht, dass die Rettung langsamer geworden ist, betont Rainer Gottwald, Leiter der zuständigen MA 70: Bis 2008 wurde nur die Zeit zwischen Einsatzeröffnung und Eintreffen des Fahrzeugs erfasst, mittlerweile beginnt die Uhr schon zu laufen, wenn der Anrufer die Rettung erreicht.

Herzstück: In der Leitstelle nehmen die Mitarbeiter Notrufe entgegen und schicken die Einsatzfahrzeuge aus. Die Großbildschirme zeigen auch die aktuelle Verkehrslage.
© Bild: Christandl Jürg / KURIER

Etwas Zeit geht allerdings durch ein neues, auch international gebräuchliches Computersystem verloren, das dem Mitarbeiter in der Leitstelle dabei hilft, das richtige Fahrzeug mit der richtigen Ausrüstung zum jeweiligen Einsatzort zu schicken. "Damit erhöhen wir unsere Treffsicherheit", sagt Gottwald.

Herzstück: In der Leitstelle nehmen die Mitarbeiter Notrufe entgegen und schicken die Einsatzfahrzeuge aus. Die Großbildschirme zeigen auch die aktuelle Verkehrslage.
© Bild: Christandl Jürg / KURIER

Die Leitstelle ist gleichsam das Herz der Wiener Rettung. Hier sitzt ein gutes Dutzend Mitarbeiter, die die bis zu 1000 Notrufe pro Tag entgegennehmen und die Fahrzeuge einteilen. Bei jedem Anruf ackern sie eine detaillierte elektronische Checkliste über den Zustand des Patienten durch. Große Bildschirme zeigen die wichtigsten aktuellen Einsatzdaten, Verkehrsüberwachungsvideos inklusive.

Gestaffelte Dienstzeiten

Herzstück: In der Leitstelle nehmen die Mitarbeiter Notrufe entgegen und schicken die Einsatzfahrzeuge aus. Die Großbildschirme zeigen auch die aktuelle Verkehrslage.
© Bild: Christandl Jürg / KURIER

Auf kleineren Monitoren sieht man die aktuelle Zahl der Anrufe und die Wartezeiten. Zumindest an diesem Vormittag klettern sie selten über drei, vier Sekunden. Im Durchschnitt liegt sie laut Kontrollamtsbericht aber doch immerhin bei 17,5 Sekunden. "Um die Wartezeiten zu verkürzen, haben wir die Dienstzeiten gestaffelt", sagt der leitende Protokollführer Heinz Lausmann. Leider gebe es aber immer noch viele Menschen, die ohne triftigen Grund die Leitungen blockieren, klagt Gottwald. "Manche glauben immer noch, wir sind ein Taxi mit Blaulicht."

Statistik: Jeden Tag mehr als 500 Einsätze

Die Wiener Berufsrettung hat derzeit rund 750 Mitarbeiter und ungefähr 100 Einsatzfahrzeuge. Sie betreibt zwölf Rettungsstationen in der Stadt. Jene in Simmering wird gerade neu errichtet, eine weitere kommt für die Seestadt Aspern hinzu.

Die bis zu 19 Mitarbeiter in der Leitstelle nehmen täglich rund 1000 Anrufe entgegen. Aus ihnen ergeben sich im Schnitt 500 bis 650 tatsächliche Einsätze. An starken Tagen - etwa bei Wetterlagen, die Unfälle begünstigen - sind es bis zu 2500 Anrufe.

( Kurier ) Erstellt am 05.12.2011