Chronik | Wien
19.05.2017

Wiener ÖVP hofft auf "Kurz-Effekt"

Die derzeitige Schwäche seiner Gegner spielt Gernot Blümel in die Hände.

Schon lange hat man Wiener ÖVP-Funktionäre im Gespräch nicht mehr so entspannt erlebt wie in diesen Tagen. In den vergangenen Jahren fast zur Kleinpartei geschrumpft, wittern die Stadt-Schwarzen mit Bundesparteichef Sebastian Kurz Morgenluft. "Es herrscht eine Euphorie wie schon lange nicht mehr", schildert eine Funktionärin. "Wir werden bei der Nationalratswahl einen deutlichen Kurz-Effekt zu spüren bekommen."

Die Latte liegt nicht allzu hoch: Bei der Wahl 2013 kam die Wiener ÖVP auf magere 14,5 Prozent und lag damit um fast zehn Prozent hinter dem Bundesergebnis.

Mit Kurz, der aus der Wiener Partei stammt und mit Parteichef Gernot Blümel eng befreundet ist, soll jetzt die Trendwende gelingen. Entgegen kommt dabei den Stadt-Schwarzen die aktuelle politische Großwetterlage: "Wenn sie sich geschickt anstellt, kann die Wiener ÖVP bei der Wahl reüssieren", ist ein Funktionär überzeugt. "Das liegt auch an der Schwäche der Gegner", weist er auf die intern zerstrittenen Roten und Grünen hin, sowie auf die FPÖ, deren Höhenflug gebremst scheint. "Blümel kann im Wahlkampf zeigen, was er drauf hat."

Erfahrungen konnten die Stadt-Schwarzen bei der Wien-Wahl 2015 schon mit Vorhaben machen, die Kurz jetzt auch in der Bundespartei umsetzt. Etwa niedrigere Hürden für Kandidaten, um über Vorzugsstimmen nach vorne zu rücken. "Dieses System bietet die Möglichkeit, stärker zu mobilisieren und die Menschen besser einzubinden", sagt Klubchef Manfred Juraczka. Freilich: Den Absturz der ÖVP auf 9,24 Prozent konnte das 2015 auch nicht verhindern. "Ohne das System wäre es aber vielleicht noch schlechter gelaufen", sagt Juraczka.

Namensliste

Bessere Erfahrungen hat man mit Namenslisten: Als Bezirkschefin in der Josefstadt konnte Veronika Mickel 2015 deutlich zulegen. Auf ihren Plakaten hatte sie damals bewusst auf das ÖVP-Logo verzichtet.

Nach erfolgreich geschlagener Wahl könnte Kurz-Intimus Blümel wieder ein Job auf Bundesebene winken, wobei er gleichzeitig Wiener Parteichef bleiben dürfte. Manche Schwarze würden das begrüßen: "Im Vergleich zu Michael Häupl und Heinz-Christian Strache litten Wiener ÖVP-Chefs oft an mangelnder Bekanntheit", sagt einer. "Ein Regierungsamt bringt den Parteichef auf Augenhöhe mit ihnen."