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Chronik Wien
07/17/2019

Wiener Öffis: Nicht das 365-Euro-Ticket, sondern Angebot zählt

Laut einer Studie eines Beratungsunternehmens brachte die verbilligte Jahreskarte brachte keine echten Neukundeneffekte.

Laut einer neuen Studie hat die Einführung der 365-Euro-Jahreskarte der Wiener Linien gar nicht so viele Menschen zum Umsteigen auf die Öffis bewegt hat, wie so mancher angenommen hat. Für mehr neue Fahrgäste sorgte vielmehr das attraktive Öffi-Angebot, hieß es in einer  Untersuchung des deutschen Beratungsunternehmens Civity Management Consultants.

Civity Management Consultants hat laut eigenen Angaben die Wiener Stadtwerke und die Wiener Linien 2012 bei der Einführung der 365-Euro-Jahreskarte „eng“ begleitet. In dieser Zeit habe sich das Unternehmen ein Hintergrundwissen zum Thema angeeignet. Die nunmehr vorliegende Studie basiere größtenteils auf frei verfügbaren Datenquellen, hieß es.

Die Untersuchung trägt den Titel: „Das beste Angebot ist nicht der Preis. Der 'Wiener Weg': Weit mehr als die 365-Euro-Jahreskarte“.

Ziel war, die Wiener Maßnahmen im öffentlichen Personenverkehr und deren Auswirkungen auf den urbanen Mobilitätsmarkt unter die Lupe zu nehmen. Damit soll anderen europäischen Städten, die nach Öffi-Verkehrslösungen suchen, „eine Einordnung der ergriffenen Maßnahmen“ geboten werden. So will beispielsweise aktuell der Berliner Bürgermeister Michael Müller (SPD) eine 365-Euro-Jahreskarte einführen.

Gelegenheitsfahrer stiegen um

Die Ergebnisse der 48-seitigen Studie im Detail: Durch die Vergünstigung der Jahreskarte und die deutliche Verteuerung anderer Tarife wechselten viele Gelegenheitsfahrer zur Jahreskarte. Tatsächliche Neukunden wurden mit der Maßnahme hingegen weniger gewonnen. Die Fahrgastzahlen der Wiener Linien würden parallel zum allgemeinen Marktwachstum und dem weiteren Angebotsausbau steigen, hieß es weiters. „Echte Neukundeneffekte bzw. eine substanzielle Mehrnachfrage durch die Tarifanpassung sind nicht ersichtlich.“ Es gebe keinen Anstieg der Fahrgastzahlen über den Bevölkerungszuwachs hinaus, hieß es.

Überdies hätte sich seit der Anteil des öffentlichen Verkehrs am Gesamtverkehrsaufkommen nicht mehr eklatant verändert. Seit 2012 stagniere der Marktanteil auf hohem Niveau, hieß es dazu in den Studienunterlagen. In den vergangenen zwei Jahren betrug der sogenannte Modal-Split-Anteil des Öffi-Verkehrs konstant 38 Prozent. Der Anteil des Autoverkehrs ist unterdessen von 27 auf 28 Prozent gestiegen. Beim Modal Split handelt es sich um eine Kenngröße zur Aufteilung der Verkehrs auf die verschiedenen Verkehrsmittel.

Vielmehr gibt es andere Gründe, die für die Fahrgast-Zuwächse im Wiener Öffi-Verkehr gesorgt haben und noch immer sorgen: „Wien ist aufgrund seines Angebots erfolgreich“, hieß es dazu. Das Liniennetz und der Fahrplantakt seien dicht. Überdies investiere die Stadt seit langem in den weiteren Ausbau und in die weitere Verdichtung ebendieser. „Hierin liegt auch einer der wesentlichen Faktoren der Erfolgsgeschichte des öffentlichen Verkehrs in Wien“, wurde es in der Studie auf den Punkt gebracht.

Keine langen Wartezeiten

Die sehr hohe Netz- und Taktdichte des öffentlichen Verkehrs führe zu kurzen und wettbewerbsfähigen Gesamtanreisezeiten für die Fahrgäste im Vergleich zum privaten Pkw, da Umsteigen vielfältig und ohne lange Wartezeiten möglich sei.

In der Studie wurde auch auf die Parkraumbewirtschaftung und deren Ausweitung eingegangen. Diese sei ein wesentlicher Stellhebel des „Wiener Wegs“, da sie eine verkehrssteuernde Wirkung und eine klare verkehrspolitische Signalwirkung entfalte. Überdies trage sie maßgeblich zur Verkehrsinfrastruktur bei. Denn die Einnahmen aus der Parkraumbewirtschaftung sowie aus den Strafen würden überwiegend zweckgebunden in den Ausbau des öffentlichen Verkehrs fließen.

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